3. Gehirnhälfte

Beep, bzzz, beep – ich werde wach. Wo sich „normale“ Menschen einen Wecker stellen, scheucht mir allmorgendlich mein piepsender und vibrierender Palm aus dem Reich der Träume. Wenig später landet er in seiner Dockingstation, um den Akku aufzuladen, während mein PC sich sklavisch für ihn in das Internet einwählt und bei Avantgo die neuesten Nachrichten und Börsendaten herunterlädt, ihn mit Outlook abgleicht, Büchern bespielt und ich exzessiv meine Morgentoilette zelebriere. Während der Arbeit dann dient er mir als Terminplaner, Notiz- und Adreßbuch, und während der zahlreichen Bill-Gates-Gedenkminuten am Firmen-PC lese ich unbehelligt spannende Bücher mit ihm. In der Pause überfliege ich gerne besagte Nachrichten und lasse mich von der gespeicherten Musik als MP3 oder lustigen Videofilmchen berieseln; die gaffenden Passanten ignoriere ich dabei geflissentlich oder scanne sie mit dem Programm „Tricorder“. Kürzlich, als der halbe Süden Berlins wegen einer beschädigten Gasleitung gesperrt wurde, lotste er mich souverän per GPS ebenso zuverlässig über die entlegensten Schleichwege ins Büro; mit einem Stadtplan hätte ich mir dabei im wahrsten Sinne des Wortes „die Karten gelegt“. Allabendlich wiederum mutiert dieses kleine Wunderwerk mittels MacGyver-mäßiger Falttastatur zum „Not-Book“ oder darf wieder als Lesemaschine für eBooks herhalten. Letzteres ist zwar nicht so schön wie ein gedrucktes Buch, jedoch blende ich auch niemanden mehr mit der Leselampe. Du bist mein Schatz, mein Schatz, gollumt Euer EROL STERN

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