Zwei Klassen

In einem wiedervereinigten Land von einer Trennung zu sprechen, erzeugt immer einen faden Beigeschmack und kratzt alte Wunden wieder auf, doch eine jüngst veröffentlichte Studie der Forschungsgruppe Wahlen (fgw-online.de) zeigt noch immer ein deutliches Gefälle in der Internet-Nutzung zwischen Mitteldeutschen (43 Prozent online) und Westdeutschen (52 Prozent). Dies soll keine Wertung darstellen! Bei der Verteilung zwischen männlichen (58 Prozent) und weiblichen Nutzern (43 Prozent), drängt sich spöttischen Naturen als Schlußfolgerung der Verdacht auf, daß in den alten nur Männer und in den neuen Bundesländern nur Frauen surfen. Doch ernsthaft betrachtet, äußert sich in der Thematik ein ganz anderes Problem. Seit Jahren warnen Experten vor einer Zweiklassen-Informationsgesellschaft, in der jene ohne Webzugang zu einer Art bildungsmäßiger „Analphabeten“ zu werden drohen, weil ihnen relevante Informationen vorenthalten bleiben. Jedoch gilt mein Augenmerk eher den Folgen. Schon heute zeichnet sich die Abkehr vom sog. Pareto-Prinzip ab: Früher hatten 80 Prozent der Bevölkerung 20 Prozent des Vermögens und umgekehrt – heute klappt die Schere auseinander. Das ist lediglich eine Parallele und liegt nicht am Internet. Arm gegen Reich, informiert versus uninformiert. Dieser Trend läßt sich auch im globalen Maßstab erkennen, da ärmere und Entwicklungsländer mit schlechterer Infrastruktur auch nachrichtentechnisch zu verarmen drohen – mitunter durch ihre politischen Regime bedingt (China). Da wir in einer Informationsgesellschaft leben, sollte man diese Tendenzen ernstnehmen, mahnt Euer EROL STERN

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