Hexenjagd

Heutzutage gibt es anscheinend nur zwei wirklich verbrecherische Menschenschläge: zum einen die Betreiber von Internetcafés und zum anderen Nutzer von Internettauschbörsen. Erstere haben in den vergangenen 12 Monaten bundesweit rund 350 Razzien über sich ergehen lassen müssen, da die Behörden seit geraumer Zeit der Ansicht sind, daß diese – sobald im Netzwerk Computerspiele gespielt werden – unter den Status „Spielhalle“ fallen. Besonderes Augenmerk legt man dabei auf den Jugendschutz bei indizierten Ballerspielen wie „Counterstrike“. Daß solche Spiele gewaltverherrlichend oder -fördernd sind, ist schon strittig. Doch ist es naiv zu glauben, daß der Konsum nur in Internetcafés stattfindet. Was den Gesetzeshütern entgangen ist: In jedem zweiten Haushalt steht ein netzwerk- oder internetfähiger Computer, und eine Indizierung gilt bei Unterhaltungssoftware oder Musik seit langem als „Gütesiegel“. Daß bei den Razzien auch Urheberrechtsverletzungen bei der benutzten Software, fehlende Aushänge zum Jugendschutzgesetz und fehlende Schank-Erlaubnisse aufgedeckt wurden, möchte ich hingegen als gerechtfertigt einstufen. Auch Tauschbörsenbenutzer leben immer gefährlicher; insbesondere solche, die mittels Flatrate und Breitband permanent online sind und anderen freigiebig ihre Schätze zur Verfügung stellen. Man kann auch hier hinterfragen, ob die Ordnungshüter sich nicht auf schwerwiegendere Kriminalitätssparten und Probleme konzentrieren sollten. Jedenfalls gehören Internetcafés heute zu den bestbewachten Zufluchtsorten in der Republik, arthurmillert
Euer EROL STERN

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