Alter Kanal

Im Sommer, kurz nach der Bonusmeilenaffäre, da hatte man noch Hoffnung. Ernsthaft machte man sich Vorstellungen, wie ein Leben ohne Gregor Gysi, bis dahin PDS-Wirtschaftssenator der deutschen Hauptstadt, aussehen kann. Man freute sich, jenen feist grinsenden Kopf, den nicht nur Bärbel Boley nicht mal mehr Stasi-Spitzel nennen durfte, endlich dort zu sehen, wo er schon beim Zusammenbruch der DDR hingehört hätte: in der Abstellkammer der Geschichte. Doch nein, der Mitteldeutsche Rundfunk macht nun seine Ankündigung wahr, Gregor Gysi zusammen mit Lothar Späth schon wieder Sendezeit zur Verfügung zu stellen. Nicht etwa als Gäste in einem Sessel einer x-beliebigen Sendung – Gysi hatte ja schon auf allen mindestens einmal Platz genommen -, diesmal darf er mit dem CDU-Politiker ganz im Stile von Friedman & Co. Gäste selbst demontieren. Am 20. Januar um 22.05 Uhr fällt der Startschuß für die erste Sendung, aus dem Leipziger Hauptbahnhof. „Beide sind als Querdenker bekannt. In der Kombination der Gastgeber liegt ein ganz besonderer journalistischer Reiz“, meint der Chefredakteur des MDR-Fernsehens, Wolfgang Kenntemich. „Zwei ganz unterschiedliche Lebensläufe und politische Überzeugungen – und doch vereint beide ihre profunde Kenntnis über die politische, soziale und wirtschaftliche Situation im Osten Deutschlands.“ Und gerade wegen dieser „unterschiedlichen Lebensläufe“ sollte man in guter, alter Tradition einen bewährten Namen nehmen. Wie wäre es mit „Der schwarz-rote Kanal“?

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen

Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.

aktuelles