Stereotype

Die Medien unterliegen einem enormen Wandel. Der PC gewinnt hinsichtlich der Übertragung von Bildern, Tönen und Texten immer mehr an Bedeutung. Das neue Betriebssystem Windows XP verdeutlicht dies. Es integriert Multimediaprogramme sozusagen als Grundversorgung. Die Länderchefs planen daher die Integration der Rechner in die GEZ-Zahlung. Ein anderes Beispiel: Der Optimismus der Anbieter von Bezahl-Fernsehen. Liberty-Media-International will demnächst viele Milliarden Mark in Deutschland investieren und in die ehemaligen Kabelnetze der Telekom einspeisen. Der US-Konzern lockt mit kostenlosen Empfangsgeräten und hofft auf zehn Millionen Neu-Kunden. Trotz gravierender Veränderungen bleiben manche Dinge auch immer die gleichen: Nationale Stereotype zum Beispiel. Britische Medienwächter haben die Bezeichnung „Krauts“ für uns Deutsche – trotz des Protestes der deutschen Botschaft! – in einer Werbekampagne gerade als „nicht ehrverletzend“ durchgehen lassen. Die Briten lieben ihre Vorurteile gegenüber uns Deutschen genauso wie ihren Wetteifer und ihren Spieltrieb. Deswegen boomt im Vereinigten Königreich gerade ein Spiel, das „Surrender Control“ heißt und ohne neue Medien undenkbar wäre, dafür aber keinerlei Nutzen hat. Die Spieler liefern sich sinnlosen Befehlen aus, die ihnen auf ihr Handy per Kurznachricht gesendet werden – von „Rempeln Sie jemanden an!“ bis „Trinken Sie einen doppelten Whiskey!“ Das Spiel mag neu sein. Aber es erinnert an ein anderes altes Schimpfwort: Inselaffen.

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