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Serie „The Dropout“: Meisterin der Täuschung

Serie „The Dropout“: Meisterin der Täuschung

Serie „The Dropout“: Meisterin der Täuschung

Amanda seyfried als Elizabeth Holmes in der achtteiligen Miniserie „The Dropout“
Amanda seyfried als Elizabeth Holmes in der achtteiligen Miniserie „The Dropout“
Amanda seyfried als Elizabeth Holmes in der achtteiligen Miniserie „The Dropout“ Foto: picture alliance / Everett Collection/©Hulu/Courtesy
Serie „The Dropout“
 

Meisterin der Täuschung

Gegen Elizabeth Holmes wirken selbst bekannte Betrügerinnen wie Kleinkriminelle. Erst im Februar präsentierte Netflix die Geschichte der Hochstaplerin Anna Sorokin, besser bekannt als Anna Delavey, die Leute aus der New Yorker High Society an der Nase herumführte und über 200.000 Dollar Schaden hinterließ. Der Streamingdienst soll für die Filmrechte mehr als 300.000 Euro bezahlt haben, wovon das meiste wohl an die geprellten Opfer ging. Im Vergleich zu Holmes und ihrer Firma Theranos, die eine Zeitlang eine Bewertung von neun Milliarden Dollar hatte, wirken die Summen im Fall Sorokin wie Peanuts. Letztere wollte nur dazugehören, erstere Milliardärin werden.

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Holmes Fall erzählt nun die achtteilige Miniserie „The Dropout“, die bei Disney+ zu sehen ist. Sie zeigt, wie die junge Amerikanerin, die von Amanda Seyfried verkörpert wird, die Universität ohne Abschluß verläßt – genau wie ihr großes Vorbild Steve Jobs. Auch äußerlich wandelt sie auf den Spuren des Apple-Gründers und trägt in der Serie fast durchgehend schwarze Rollkragenpullover.

Ein einziger Bluttropfen sollte ausreichen

Der Begriff „Dropout“ steht im Englischen für einen Hochschulabgänger beziehungsweise
-Abbrecher. Auf einer Studienreise lernt Holmes den etwa 20 Jahre älteren indischen Investor Sunny Balwani (Naveen Andrews) kennen und geht mit ihm eine toxische Beziehung ein. Im späteren Verlauf arbeitet er zudem in ihrer Firma „Theranos“. Das von Holmes gegründete Unternehmen behauptete, eine Testperson mithilfe eines einzigen Bluttropfens auf über 240 mögliche Krankheiten der Testperson testen zu können und das alles innerhalb weniger Minuten. Eine revolutionäre Idee für die gesamte Medizinwelt, mit der sich viel Geld verdienen ließe.

Zu Beginn arbeitet die Biotechnologie-Unternehmerin mit ein paar Mitarbeitern zwar in keiner Garage, aber doch in einem heruntergekommenen Gebäude, um einen Prototyp zu entwickeln, den sie Pharmakonzernen vorführen kann. So will sie Investoren für ihre Idee gewinnen. Um Erfolgsgeschichte wie Apple oder Facebook zu schreiben, geht Holmes einen Deal mit der amerikanischen Drogeriemarkt-Kette Walgreens ein. Diese wollen in all ihren Filialen Theranos-Test-Stationen aufstellen. Aus der schüchternen Studentin im Schlabberlook aus Folge eins ist an diesem Punkt eine Lippenstift tragende, selbstbewußte junge Geschäftsführerin geworden.

Labore sind Fassade, Tests gefälscht

Das einzige Problem bei ihrem ehrgeizigen Ziel: Der Theranos-Prototyp hat niemals funktioniert. Doch anstatt sich eine Niederlage einzugestehen, führt sie Investoren an der Nase herum, in der Hoffnung, mit mehr Geld doch noch einen funktionierenden Prototyp zu bauen.

Die Labore sind nur Fassade, die Tests gefälscht. Sie werden mit einer Siemensmaschine und natürlich mehr als nur einem Tropfen Blut erstellt. Die aus den Testreihen hervorgehenden Diagnosen sind falsch und bringen Patienten in Lebensgefahr. Holmes merkt, wie ihr Kartenhaus in sich zusammenfällt. In ihrer Panik beginnt sie damit, ihre Belegschaft einzuschüchtern, läßt Mitarbeiter einander bespitzeln und kommt mit immer neuen und obskuren Verschwiegenheitserklärungen um die Ecke. Der tiefe Fall der Elizabeth Holmes beginnt.

Das US-Magazin Time hatte die Selfmade-Milliardärin 2015 zu einer der 100 einflußreichsten Menschen der Welt gekürt. Holmes war es gelungen, zahlreiche Investoren an Bord zu holen. Darunter Größen wie Rupert Murdoch und Henry Kissinger, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Holmes drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis

Schon in der ersten Folge der von dem amerikanischen Streamingdienst Hulu produzierten Miniserie ist der Ausgang der Geschichte bekannt. Die Serie erzählt sie in chronologischer Reihenfolge. Holmes war lange eine Person des öffentlichen Lebens. Einige ihrer öffentlichen Auftritte wurden in „The Dropout“ nachgespielt. Die Serie zeichnet überdies die Umstände nach, die diesen Betrug nach dem Motto „Fake it till you make it“ (Täusche bis du dein Ziel erreichst) erst möglich gemacht haben. Sie deutet nicht mit dem moralischen Zeigefinger auf Holmes, sondern nimmt eine emphatische Haltung ihr gegenüber an.

Der Amerikanerin und ihrem Ex-Partner drohen derweil bis zu 20 Jahre Gefängnis. Mit einem Urteil wird nicht vor September gerechnet. Mittlerweile hat Holmes den Hotelerben Billy Evans geheiratet und mit ihm ein Kind bekommen.

Amanda seyfried als Elizabeth Holmes in der achtteiligen Miniserie „The Dropout“ Foto: picture alliance / Everett Collection/©Hulu/Courtesy
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