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Vom Podcast zum Dauerprogramm: „Wir sind ein solides schweizerisches Unternehmen“

Vom Podcast zum Dauerprogramm: „Wir sind ein solides schweizerisches Unternehmen“

Vom Podcast zum Dauerprogramm: „Wir sind ein solides schweizerisches Unternehmen“

Microphone für Kontrafunk
Microphone für Kontrafunk
Microphone Foto: Pixabay
Vom Podcast zum Dauerprogramm
 

„Wir sind ein solides schweizerisches Unternehmen“

„Kontrafunk“? Ein launiger Spruch besagt: Es gibt nur zwei Meinungen; meine und die falsche. Längst hat sich der Eindruck erhärtet, daß sich die öffentlich-rechtlichen Medien dies als Motto auserkoren haben. Wenngleich ausgestattet mit erklecklichen Geldern aus dem „Rundfunkbeitrag“, von vielen als Zwangsgebühr empfunden, suchen viele in Deutschland Pluralität und Meinungsvielfalt vergebens. Ihrem Auftrag der neutralen Information und Kontrolle staatlichen Handelns kommen die Rundfunkanstalten nur begrenzt nach.

Dem stellt sich eine wachsende Zahl von „Alternativmedien“ entgegen. Zu den Protagonisten dieser neuen Medienwelt gehört auch der versierte Journalist und Radiomoderator Burkhard Müller-Ullrich. Als direkte Reaktion auf die Corona-Maßnahmen etablierte er 2020 den alternativen Polit-Talk „indubio“ im Internetportal „Achse des Guten“ (JF 4/21). Das Ziel: kontroverse Diskussionen für Menschen im Lockdown. Der große Erfolg des Podcasts – man verzeichnete 70.000 bis 100.000 Hörer pro Folge – zeigt den hohen Bedarf der Hörer an unabhängiger Information und widerstreitenden Meinungen.

Folgerichtig und mit unternehmerischer Risikobereitschaft baut Müller-Ullrich nun gemeinsam mit weiteren Medienprofis einen privaten Radiosender auf, der ab Sommer täglich ein 24stündiges Programm via Internet aus der Schweiz heraus senden will: „Kontrafunk. Die Stimme der Vernunft“ tritt für „eine freiheitliche, rechtsstaatliche, demokratische, bürgerliche Gesellschaft“ ein und versteht sich dezidiert als liberal-konservativ und mittelstandsorientiert.

Norbert Bolz, Birgit Kelle und Argo Nerd sind zu hören

„Kontrafunk ist das Radio des bürgerlichen Widerstands. Für Hörer, die noch alle Tassen im Schrank haben“, erklärt der Ex-BR- und Süddeutsche-Mitarbeiter wie stets humorvoll-provokant. Für Hörer, die „nicht glauben, daß die Energieversorgung durch Abschalten von Kraftwerken gesichert wird. Die vermuten, daß die kommende Finanzkrise nicht durch Gelddrucken verhindert wird.“ Auch die Themen rund um die Folgen von Corona-Maßnahmen und mRNA-Impfungen sowie Identitätspolitik, Klimawandel und die Verfaßtheit der etablierten Medien werden durch Positionen aus Medizin, Natur- und Kulturwissenschaft durchleuchtet. Zu den meinungsstarken Stimmen des Senders werden neben dem Medienwissenschaftler Norbert Bolz, der Publizistin Birgit Kelle und dem Twitterer Argo Nerd auch Boris Reitschuster sowie die österreichische Moderatorin Milena Preradovic gehören.

Die ersten Talkrunden und Interviews, die bereits seit April bei „Kontrafunk“ abrufbar sind, erlangen schon jetzt ähnlich hohe Hörerquoten wie die von Müller-Ullrich moderierten „indubio“-Sendungen. Dabei versteht sich „Kontrafunk“ selbstredend nicht als Konkurrenz zu Formaten wie „Achse des Guten“ oder „Tichys Einblick“. Ganz im Gegenteil, so Müller-Ullrich: „Wir kooperieren, was das Zeug hält. Wir sind das erste deutschsprachige Radio, das deren Werte vertritt.“

Werte, denen der Journalist während seiner gesamten Karriere verpflichtet war. 1956 in Frankfurt am Main geboren, schrieb Müller-Ullrich für die großen Zeitungen im deutschsprachigen Raum, darunter Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, Basler Zeitung und Der Standard (Wien). Sein besonderes Interesse aber galt stets dem Hörfunk. Er war als Redakteur beim Schweizer Radio DRS2 und als Redaktionsleiter beim Deutschlandfunk tätig. Vor kurzem erst beendete er seine 30jährige Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk, wo er das SWR2 Forum moderierte. Grund: Müller-Ullrichs Bewertung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und des aktuellen Journalismus (JF 4/21) wurden als enttäuschende „Suggestion“ empfunden.

„Kontrafunk“ will breitere Informationsbasis schaffen

Dabei ist seine Kritik am eigenen Berufsstand bei weitem nicht neu: Bereits 1996 veröffentlichte er das Buch „Medienmärchen. Gesinnungstäter im Journalismus“, in dem er Medienhypes und Berichterstattungen analysiert. Schon damals bezeichnete Müller-Ullrich die Medien polemisch als „Zeitgeistverstärker mit Entrüstungston“. Jüngst initiierte er zudem das Internet-Dokumentationszentrum „Ich habe mitgemacht“, in dem verbale Ausfälle aus Politik, Medien und Organisationen gegen sogenannte „Ungeimpfte“ archiviert werden.

„Kontrafunk“ will zu einer breiteren Informationsbasis beitragen: Eine eigene Nachrichtenredaktion produziert ständig aktualisierte Kurznachrichten sowie eine Morningshow inklusive Kommentar, Kurzinterview sowie einer Medienschau, die gleichermaßen etablierte wie alternative Medien abbilden wird. Eine abendliche Talkrunde greift Themen von Politik über Kultur bis Lebensfragen auf, während – im Sinne der Kooperation – über den Tag hinweg Podcasts anderer Autoren gesendet werden. Musik spielt im Programm eine geringere Rolle.

Gesendet wird als Livestream über die hauseigene Webseite sowie über eine App. Jederzeit abrufbar sind die wesentlichen Programmteile über eine Mediathek sowie über die gängigen Audio-Streamingdienste, darunter auch theplattform.net, dem noch jungen Angebot der freien Medien. Zahlreiche Möglichkeiten also, die Produktionen des Senders zu verfolgen – selbst wenn der eine oder andere Podcast auf den politisch korrekten Diensten gelöscht werden sollte, wie bereits mit „indubio“-Folgen geschehen.

Nicht zur Einhaltung von Pressestandards verpflichtet

Unnötig zu sagen, daß der neue Radiosender keine staatlichen Fördermittel nutzt. „Kontrafunk“ finanziert sich allein aus der Kraft seiner Unterstützer und Hörer: Das Startkapital stammt von mittelständischen Investoren, weitere Einnahmen sollen aus Abonnements, Werbung und Merchandising erzielt werden. Auch Spenden sind gern gesehen.

Von diesen Geldern finanziert sich ein ganzes neues Unternehmen. Auf acht Vollzeitstellen verteilen sich 14 bis 16 Teilzeit-Mitarbeiter; hinzu kommen die Moderatoren der abendlichen Gesprächsrunde. Sie alle werden selbstverständlich entlohnt, denn, so Burkhard Müller-Ullrich: „Wir sind ein solides schweizerisches Unternehmen.“

Und als solches, sei hinzugefügt, steht es außerhalb des neuen, seit 2020 geltenden deutschen Medienstaatsvertrags zur „Einhaltung journalistischer Standards“, aufgrund dessen bereits gegen verschiedene regierungskritische Internetmedien vorgegangen wurde.

kontrafunk.radio

JF 18/22

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