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Nachruf auf Wolfgang Petersen: Herr des Hochseedramas

Nachruf auf Wolfgang Petersen: Herr des Hochseedramas

Nachruf auf Wolfgang Petersen: Herr des Hochseedramas

Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen: Hierzulande wird sein Name vermutlich für immer mit dem Film „Das Boot“ von 1981 verbunden bleiben
Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen: Hierzulande wird sein Name vermutlich für immer mit dem Film „Das Boot“ von 1981 verbunden bleiben
Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen: Hierzulande wird sein Name vermutlich für immer mit dem Film „Das Boot“ von 1981 verbunden bleiben Foto: picture alliance / SvenSimon/ FrankHoermann
Nachruf auf Wolfgang Petersen
 

Herr des Hochseedramas

Nur wer von seiner schweren Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs wußte, war von dieser Nachricht wohl nicht überrascht: Wolfgang Petersen, der weltberühmte deutsche Hollywood-Regisseur, ist in seiner kalifornischen Wahlheimat im Alter von 81 Jahren gestorben. Hierzulande wird sein Name vermutlich für immer mit dem Film „Das Boot“ von 1981 verbunden bleiben, durch den die amerikanische Unterhaltungsbranche auf den Deutschen aufmerksam wurde. Die Verfilmung des 1973 erschienenen Romans von Lothar-Günther Buchheim besticht durch klare Charakterzeichnung und eine beklemmend klaustrophobische Untersee-Atmosphäre. Den epochalen Erfolg des Kriegsfilms über die Feindfahrten der U 96 im Kriegsjahr 1941 dokumentieren Petersens Oscar-Nominierungen für Regie und Drehbuch sowie vier weitere Nominierungen in Nebenkategorien.

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Auch die im ZDF ausgestrahlte TV-Serie „Das Boot“, die eine Weiterentwicklung des Stoffes ist, zeugt von der anhaltenden Popularität des Filmepos. Bereits drei Staffeln wurden seit 2018 produziert. Vom Original-„Boot“ gibt es ebenfalls eine – erheblich längere – Fernsehfassung. Sie wurde erstmals 1985 in der ARD ausgestrahlt. Später konnte Petersen als Regisseur auf die Erfahrungen beim Dreh von „Das Boot“ zurückgreifen: „Der Sturm“ aus dem Jahr 2000 ist ein Hochseedrama das, basierend auf wahren Begebenheiten, den verzweifelten Kampf einer Fischerbootsbesatzung gegen einen „perfekten Sturm“ – so der Originaltitel des Films – schildert. George Clooney spielte die Hauptrolle in dem mitreißenden Katastrophenfilm.

Wer ganz weit zurückblickt, auf die Anfänge der Karriere des 1941 im niedersächsischen Emden zur Welt gekommenen und in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsenen Regie-Titans, der stößt auf „Tatort“-Episoden mit Klaus Schwarzkopf als Kieler Kommissar Finke, die deutlich aus dem Durchschnitt der notorisch überbewerteten ARD-Krimireihe herausragen. Vor allem „Reifezeugnis“ (1977), für viele der beste „Tatort“ aller Zeiten, ist hier zu nennen. Klaus Kinskis Tochter Nastassja Kinski spielte die weibliche Hauptrolle in dem Krimi um eine verbotene Schüler-Lehrer-Beziehung und zeichnete mit ihrem fulminanten Karrierestart die Laufbahn ihres Regisseurs vor.

Petersen arbeitete mit George Clooney, Brad Pitt und Co.

Fürs Kino empfohlen hatte sich der stets stilsicher inszenierende, privat aber ohne Allüren auftretende Filmkünstler bereits mit dem Psychokrimi „Einer von uns beiden“ (1974). Die Hauptrollen spielten Petersens „Tatort“-Kommissar Klaus Schwarzkopf und Jürgen Prochnow, der später den „Kaleu“ in „Das Boot“ gab. Daß er sich auch auf komische Stoffe versteht, bewies der Sohn eines Marineoffiziers mit der Gaunerkomödie „Vier gegen die Bank“ (1976). Mit der Neuinszenierung, bei der der 75jährige 2016 nach vielen erfolgreichen Jahren in Hollywood wieder in einem deutschen Regiestuhl Platz nahm, schloß sich der Kreis seines künstlerischen Schaffens. Mit an Bord waren vier der damals angesagtesten deutschen Schauspieler: Til Schweiger, Bully Herbig, Jan Josef Liefers und Matthias Schweighöfer. Kinogeschichte schrieb auch die von großem medialen Trommelwirbel begleitete Michael-Ende-Verfilmung „Die unendliche Geschichte“ (1984), produziert von Bernd Eichinger.

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In seinen immens erfolgreichen Hollywood-Jahren reihte der Regisseur einen Kassenknüller an den nächsten. Er konnte sich dabei auf sein sicheres Gespür für dramatische Wirkung und Schauspielerführung verlassen. Die Größten ihrer Zunft arbeiteten mit dem Regie-As: George Clooney, Dennis Quaid, Harrison Ford, Dustin Hoffman, Brad Pitt. Seinen Durchbruch verdankte er Clint Eastwood. Der einflußreiche Mime und Filmproduzent war begeistert von „Das Boot“ und setzte sich für den in Hamburg aufgewachsenen Arbeitsmigranten als Regisseur von „In the Line of Fire“ (1993) ein. Eastwood spielte darin einen mächtig unter Druck geratenden Leibwächter des US-Präsidenten. Der Film wurde ein großer Erfolg.

Für einen Deutschen eher unerwartet patriotische Töne schlug er auch in „Air Force One“ (1997) mit Harrison Ford an. Der setzte sich in der Rolle eines US-Präsidenten in höchster Not unter Petersens Regie in der bekannten Boeing 747, die für Flüge des amerikanischen Staatsoberhauptes reserviert ist, erfolgreich gegen Luftpiraten zur Wehr. Dustin Hoffman, der am 8. August sein 85. Lebensjahr vollendet hat, war der Held in „Outbreak – Lautlose Killer“ (1995), dem packenden Pandemie-Drama, das zwar das Ebola-Virus zum Vorbild hatte, ansonsten aber das Phänomen einer rapide um sich greifenden Seuche wie der gerade durchlebten verstörend realistisch vorwegnahm.

„Ich liebe die großen Geschichten“

Brad Pitt griff als Achill in Petersens opulenter Verfilmung des Trojanischen Krieges erfolgreich zum Schwert. „Troja“ (2004) sollte Petersens kommerziell erfolgreichster Film werden. Allerdings waren auch die Investitionskosten mit geschätzten 175 Mio. Dollar beträchtlich. „Ich liebe die großen Geschichten“, sagte Petersen über seinen Hang zum Spektakel, das den Zuschauer an etwas teilhaben läßt, das ihn „für zwei, drei Stunden“ nicht loslasse. Auch seine beiden ersten Hollywood-Produktionen, der ambitionierte Science-Fiction-Film „Enemy Mine – Geliebter Feind“ (1985) und der fintenreiche Krimi „Tod im Spiegel“ (1991), zu dem Petersen auch das Drehbuch schrieb, waren trotz eher mäßigen kommerziellen Erfolgs souverän inszenierte Vertreter ihres Genres und sind noch heute sehenswert.

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Noch ein drittes Mal versuchte sich der Regisseur beim Thema Wasser. Für die Regie beim Neuaufguß des Siebziger-Jahre-Klassikers „Die Höllenfahrt der Poseidon“ (1972) über eine monumentale Schiffskatastrophe erschien der bei der Inszenierung von Dramen auf hoher See so erfahrene Deutschlandimport als Idealbesetzung. Doch aus dem Schatten eines Filmes zu treten, der in den Augen vieler Cineasten bereits Kultstatus genießt und deshalb etliche Male im Fernsehen lief, ist immer ein Wagnis. Petersens „Poseidon“ (2006) gehört zu den wenigen Enttäuschungen in der Karriere des gebürtigen Emdeners. Zwar hatte die Filmlegende den Kopf noch voller Ideen für neue Projekte, doch zuletzt war es ruhiger um ihn geworden. In einer Villa in Brentwood, einem Ortsteil von Los Angeles, wo Petersen residierte, verstarb der Regisseur bereits am vergangenen Freitag im Beisein seiner nächsten Angehörigen.

Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen: Hierzulande wird sein Name vermutlich für immer mit dem Film „Das Boot“ von 1981 verbunden bleiben Foto: picture alliance / SvenSimon/ FrankHoermann
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