Reporter in Venezuela gefangen

Seit 67 Tagen in Haft: Beginnt heute der Prozeß gegen Billy Six?

Die Lage ist dramatisch: Seit dem 9. Januar gibt es kein persönliches Lebenszeichen mehr von Billy Six. Der Kriegsreporter sitzt seit dem 17. November 2018 in Caracas im Gefängnis „El Helicoide“. Das sogenannte Schneckenhaus gehört zum venezolanischen Geheimdienst Sebin. Six wird Rebellion, Überschreiten von Sicherheitszonen und Spionage vorgeworfen.

Am heutigen Mittwoch soll der Prozeß gegen ihn beginnen. Doch weder ist bekannt wo, noch ob und wenn ja, welcher Anwalt ihm beisteht. Seine Eltern sind in großer Sorge. „Die einzig gute Nachricht über Billy ist, daß es ihm gesundheitlich gut gehen soll“, sagte Billys Vater Edward Six der JUNGEN FREIHEIT. „Das ist allerdings eine Information über drei Ecken“, ergänzt der Vater. „Ob diese Information gesichert ist, ist nicht klar.“

Billy Six Wunsch-Anwalt von „Espacio Publico“, eine Partnerorganisation von Reporter ohne Grenzen, konnte ihn noch nicht besuchen. „Noch konnte jemand von der Deutschen Botschaft seit dem 09.01.2019 Billy persönlich sehen oder sprechen“, zeigt sich Edward Six besorgt.

Eigentlich war Botschafter-Besuch für heutigen Mittwoch angekündigt

„Vor Billys Zelle soll ständig ein Wärter sitzen und ihn abschirmen. Die nötige Unterschrift von Billy für die Autorisierung des Anwaltes und damit die Ablösung des staatlichen Pseudo-Verteidigers ist nach wie vor verhindert worden.“ Die deutsche Botschaft ist eingeschaltet.

„Wir wissen nicht, was die Botschaft noch erreichen kann. Wir hatten das letzte Mal Montag früh mit der zuständigen Mitarbeiterin telefoniert. Sie wollte Montag und Dienstag versuchen, auf irgendeinem Weg doch einen Besuch bei Billy genehmigt zu bekommen und ihm dann die nötigen Papiere zur Unterschrift vorlegen. Auch mit Billys Unterschrift ist die Autorisierung des Anwaltes noch nicht durch die Tür. Dies muß erst von einem Gericht bestätigt werden – und das kostet wiederum Zeit.“

Der nächste reguläre Besuch der deutschen Botschaft bei Billy Six war ursprünglich für heute, Mittwoch, beantragt worden. „Da wußte noch keiner etwas von dem Prozeß-Datum“, sagt Edward Six. „Sollte der Prozeß wirklich am 23.01.2019 stattfinden, dann wird dieser Besuch wahrscheinlich nicht zustande kommen“, vermutet er.

Wo der Prozeß stattfindet, ist unklar

Nach wie vor ist ebenfalls unklar, wo der Prozeß stattfinden wird. „Entweder in Caracas oder im Bundestaat Falcon“, schätzt Six. „Wenn letzteres der Fall ist, dann müßte Billy dahin überführt werden. Punto Fijo, wo Billy verhaftet wurde, liegt zum Beispiel 530 km von Caracas entfernt. Die Botschafts-Mitarbeiterin sprach von zehn Stunden Fahrt dorthin.“

Am Dienstag kritisierte die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) den Prozeß scharf. „Das Verfahren gegen Billy Six ist eine Farce“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Nach venezolanischem Gesetz hat jeder Beschuldigte das Recht, vom Beginn der Ermittlungen an von einem Verteidiger seiner Wahl vertreten zu werden. Dieses Recht wird Billy Six seit seiner Festnahme vor mehr als zwei Monaten verwehrt.“

Auch habe Six als Zivilist nichts vor einem Militärgericht zu suchen. „Welchen Zweck verfolgt das Maduro-Regime mit diesem allem Anschein nach politischen Verfahren?“ ROG bestätigen auch, daß ihre Partnerorganisation Espacio Público trotz intensiver Bemühungen bisher keinen Zugang zu den entsprechenden Justizakten erhalten habe.

„Müssen mit dem schlimmsten Fall rechnen“

„Im Moment müssen wir leider mit dem schlimmsten Fall rechnen, daß Billy alleine vor diesem Militär-Tribunal stehen und diesem wehrlos ausgeliefert sein wird“, sagt sein Vater der JF. „Bei seiner ersten Vernehmung vor dem Militär-Gericht am 18. November 2018 gab es damals offiziell einen Dolmetscher von Spanisch-Englisch, doch dessen Englisch war einfach nicht zu verstehen. Wir gehen davon aus, daß es dann bei dem morgigen Prozeß genauso schlimm sein wird.“

Billy Six drohen 28 Jahre Haft. „Die Unterstützung von unserer Regierung, einzelnen angeschriebenen Abgeordneten und Hilfsorganisationen ist gleich Null“, kritisiert Edward Six. „Kollektives Schweigen. Wir können nur noch hoffen, daß von irgendwoher ein ‘Rettungsengel’ auftaucht.“

> Hier geht es zur Kampagnenseite #freebilly.

Billy Six: Saß 119 Tage in Haft Foto: JF

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