Europawahl

Rechtspopulisten spalten Deutschland: Tagesschau verteidigt AfD-Bericht

BERLIN. Die „Tagesschau“ hat ihre Berichterstattung über die AfD nach der Europawahl verteidigt. In der 20-Uhr-Sendug war am Montag abend das überdurchschnittliche Ergebnis der AfD in den östlichen Bundesländern thematisiert worden. Nachrichtensprecher Jens Riewa leitete den Beitrag mit der Aussage ein „Die Ergebnisse für die AfD bei der Europawahl spalten Deutschland.“ Allerdings handelte es sich bei dem Beitrag um einen Bericht und nicht um einen Kommentar.

Auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT, warum das Ergebnis Deutschland spalte und ob möglicherweise auch das starke Abschneiden der Grünen Deutschland spalte und wenn ja, warum die „Tageschau“ in dem Fall dann darauf verzichtet habe, dies zu erwähnen, antwortete der für die „Tagesschau“ verantwortliche Sender NDR, der Beitrag habe keine Bewertung des Wahlergebnisses der AfD beinhaltet.

„Vielmehr macht der Text deutlich, daß die AfD in Deutschland höchst unterschiedliche Ergebnisse erzielt hat und insofern von einem gespaltenen Ergebnis gesprochen werden kann. Während die AfD in vielen ostdeutschen Bundesländern herausragende Ergebnisse erzielte, blieb sie in vielen westdeutschen Bundesländern hinter den eigenen Erwartungen zurück. Dies war der Tenor der genannten Meldung“, teilte ein Sprecher mit. Die Antwort auf die Frage, warum das starke Ergebnis „der rechtspopulistischen Partei“ im Osten Deutschland spalte, blieb der Beitrag jedoch schuldig.

AfD längst als rechtspopulistisch bekannt

Die Formulierung „rechtspopulistische Partei“ ist insofern bemerkenswert, als daß 2016 der damalige Erste Chefredakteur von ARD-Aktuell, Kai Gniffke, versicherte, die „Tagesschau“ werde die AfD künftig nicht mehr als „rechtspopulistisch“ bezeichnen. Doch der NDR hatte auch dafür eine Erklärung. „Der Chefredakteur der ‘Tagesschau’ hat vor längerer Zeit bekundet, daß die ‘Tagesschau’ auf die permanente Hinzufügung des Attributs ‘rechtspopulistisch’ verzichtet, da die AfD in Deutschland längst so bekannt ist, daß eine entsprechende Charakterisierung nicht mehr nötig ist“, erläuterte der Sprecher gegenüber der JF.

Tatsächlich hatte Gniffke 2016 jedoch die Ankündigung, die „Tagesschau“ verzichte künftig auf die Bezeichnung „rechtspopulistisch“, damit begründet, daß viele Zuschauer die Formulierung als belehrend empfunden hätten. Man müsse lernen, die AfD als eine demokratisch legitimierte Partei zu behandeln, sagte Gniffke damals. Die „Tagesschau“ habe auch keine Deutungshoheit über das politische Geschehen: „Wir schreiben den Leuten nicht vor, was sie zu glauben haben.“ Später ergänzte er in einem Statement auf Twitter allerdings, daß er die AfD nach wie vor für eine rechtspopulistische Partei halte, die „Tagesschau“ müsse das aber nicht permanent anführen, da die Partei den meisten Menschen bekannt sei. (krk)

Ausschnitt aus der „Tagesschau“-Sendung zur AfD Foto: ARD-Mediathek

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