Debatte um Kultserie

Rassismus? Nein, Ressentiments gegen weiße Unternehmer!

Fans des Satireklassikers „The Simpsons“ sehen sich derzeit einer Kontroverse gegenüber: Ist der Inder Apu, Besitzer des „Kwik-E-Mart“ Springfields, eine rassistische Karikatur? Das jedenfalls behauptet der indischstämmige Komiker Hari Kondabolu in seinem Film „The Problem With Apu“. Nun haben die Macher der Serie reagiert- und das Internet zeigte sich indigniert.

Wenig subtil fragen die Produzenten durch die Stimmen von Lisa und Marge – ein Bild Apus gut sichtbar –: Wann wurde ein einst gefeierter Witz politisch inkorrekt? Die Antwort liefert die Show gleich mit: Die Frage allein sei Zeitverschwendung. Für das moralisch aufgeladene Internet ist das nicht genug. Die Reaktion der Macher sei „zahnlos“, gar „traurig“.

Stereotype, Spott und Häme

Die Apu-Kontroverse legt einen Finger in die Wunde. Sicherlich, die Simpsons nehmen seit gut 30 Jahren jeden Aspekt der US-Gesellschaft, mit Vorliebe ihren Heimsender Fox, aufs Korn. Aber darf man Schattenseiten nicht ignorieren. Denn es stimmt, die Figuren von Simpsons-Erfinder Matt Groening verbreiten Ressentiments fragwürdiger Natur. So etwa muß der Typus des wohlhabenden Unternehmers in den besten Jahren seit Beginn der Serie bittere Häme ertragen.

Charles Montgomery Burns ist der Gründer und Besitzer des Atomkraftwerks von Springfield, Homer J. Simpson ist dabei nur einer von Hunderten seiner Arbeitnehmer. Burns, dessen Alter zwischen 81 und 104 (wenn nicht älter) changiert, ist in allen Belangen das Musterbild des amerikanischen Millionärs: Yale-Absolvent, Kriegsheld und gewiefter Unternehmer, dessen imposante Villa Springfield überragt. Mit anderen Worten, Burns ist die Summe der Ressentiments und Alpträume der amerikanischen Linken.

Ein Almanach der Schlechtigkeit

„Monty“ Burns kann gar als der Antagonist der Serie gelten, mit einer langen Liste an Vergehen. So hat Burns unter anderem versucht, die Sonne aus Springfield auszusperren, betreibt Umweltzerstörung, besticht Politiker und Kontrolleure und soll gar Waffen für die Nazis gebaut haben. Der Vorsitz der lokalen Republikaner und die Absicht, Windhundewelpen zu einem Mantel zu verarbeiten, runden das Bild des Schreckens ab. Unliebsame Besucher seines Anwesens machen Bekanntschaft mit seinen beißwütigen Wachhunden- und er ist sich nicht zu fein, Babys die Süßigkeiten zu klauen!

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Zu diesem Almanach der Schlechtigkeit gesellen sich aber Tonnen von Häme. Burns erscheint meist als geradezu senil und vollkommen aus der Zeit gefallen. Sein Auto ist antik und hat sich der kulturelle Horizont des raffzähnigen, hakennäsigen Milliardärs seit den 1920ern nicht sonderlich erweitert. Seine körperliche Schwäche ist oft Quelle von Spott- das Auftragen von Zahnpasta stellt für den greisen Menschenschinder eine extreme Belastung dar. Nicht nur ist Mr. Burns der reichste Mann der Stadt, er ist auch der meistgehaßte. Allein sein sehr anhänglicher Sekretär Mr. Smithers hält ihm die Treue. Burns quittiert dies mit Ausbeutung und Sadismus.

Gerade Kritiker sollten umdenken

Dagegen nimmt sich der smarte und überaus fleißige Inder Apu schon wie ein Idealbild aus, auf das man stolz sein kann. Mehr noch: In einer Folge erlangt Apu auf legalem Wege die amerikanische Staatsbürgerschaft und zeigt sich patriotisch. Ein Umdenken ist also erforderlich! Jeder, der sich „soziale Gerechtigkeit“ auf die Fahnen geschrieben hat, sollte sich für die Rehabilitierung des C. Montgomery Burns einsetzen, den alten, weißen, reichen Mann von diesem Stigma befreien.

Und danach eventuell für Chief Wiggum als planlosen, fetten Polizisten, Rektor Skinner als Muttersöhnchen, Hausmeister Willy als streitsüchtigen Schotten oder Dr. Nick als schleimigen Kurpfuscher. Besser noch wäre eine Orientierung an der Serie selbst: Manche Dinge sollte man einfach gar nicht ernst nehmen.

„Monty“ Burns und Apu Foto: Simpsons(c)simsonsworld / JF-Montage

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