Presseschau zu Trumps Wahlsieg

Katzenjammer im Medien-Establishment

Für Deutschlands Stromlinien-Medien war es schlicht undenkbar, daß die Amerikaner es wagen könnten, Donald Trump und nicht die von ihnen favorisierte Establishment-Kandidatin Hillary Clinton ins Weiße Haus zu wählen. Jetzt herrscht Heulen und Zähneklappern. Eine Presseschau:

Nikolaus Blome (Bild): „Diese USA machen Angst!“

„Nicht nur Deutschland brachten die Amerikaner einst die Demokratie zurück. Sie waren DIE Demokratie schlechthin. Aber dieser Wahlkampf war kein Vorbild mehr für echte Demokratien und solche Länder, die es werden wollen.“

Ansgar Graw (Die Welt): „Ein Präsident, so unkalkulierbar wie ein Hurrikan“

„Donald Trump bringt weder Konzepte noch Charakter ins Weiße Haus. Nicht nur die USA zahlen den Preis für das Abenteuer. Wenn in der Leuchtturm-Demokratie ein Trump passieren kann, dann auch bei uns. […] Seit ‚9/11‘ gab es kein schlimmeres Ereignis als die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA. Der Erfolg des unbeherrschten Narzissten am 8. November 2016 läßt den Glauben der Welt an die Vernunft der amerikanischen Demokratie zerbröseln. Er wirft grundsätzliche Fragen auf, darunter die nach Washingtons globaler Führungsrolle und der Zukunft des transatlantischen Bündnisses.“

Klaus-Dieter Frankenberger (FAZ): „Der Rächer im Weißen Haus“ – „Aufstand des Populismus“

„Es ist so gekommen, weil der ‘Aufstand des Populismus’ mächtiger war als alle Warnungen vor Trumps Unberechenbarkeit; weil die weißen Arbeiter von der globalisierungskritischen, den internationalen Handel geißelnden Botschaft des Demagogen in republikanischen Kleidern angezogen wurden. […]Für Amerikas Freunde und Verbündete heißt es jetzt, sich mit der neuen Lage vertraut zu machen und sich ganz fest anzuschnallen!“

Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung): „Trumps Aggressivpopulismus zerstört die politische Kultur“

„Der Trump’sche Populismus, der nun weltweit giftig strahlt, ist ein anderer Populismus als der, der in Deutschland lange als solcher bezeichnet wurde; da galten und gelten ja Politiker wie Roland Koch oder Oskar Lafontaine oder Peter Gauweiler als Populisten. Aber diese Populisten wußten und wissen ganz gut: Wer stets nur simplifiziert, wird selbst zum Simpel. In den USA ist damit soeben ein Simpel, ein Aggressivpopulist, auf diese Weise Präsident geworden. […] Sein Wahlerfolg macht Trump zu einer globalen Leitfigur des neuen Aggressivpopulismus.

Sein Rassismus, sein Nationalismus, seine Xenophobie und seine Verfassungsverachtung sind aufreizend und ansteckend. Der Erfolg, den Trump damit gehabt hat, stachelt Nationalisten und Rassisten auch in Europa an – dazu, jede Zurückhaltung fallen zu lassen, bisherige Grenzen des Anstands zu durchbrechen und den Tabubruch als politisches Rezept zu verkaufen. Trump hat die politische Feinderklärung in die Demokratie getragen. Das ist ein tödliches Gift. Bei Trump hat sich gezeigt, daß der mediale und digitale Tanz, der um seine Tabubrüche aufgeführt wird, dem Tabubrecher letztendlich hilft – weil die Dauerpräsenz, die er damit genießt, ihn wie mit einem Panzer umgibt.“

Sebastian Gierke (Süddeutsche Zeitung): „Sieg des Enthemmten“

„Für viele ist die schlimmste Furcht zur Wirklichkeit geworden. Die USA wenden sich einer autoritären Führungsfigur zu – die Demokratie steht vor einer historischen Herausforderung. […] Ein Narzißt, ein notorischer Lügner, ein Sexist, ein Rassist, ein Chauvinist, ein Populist, ein Demagoge – vielfach belegt in diesem anderthalbjährigen Wahlkampf, so drastisch es auch klingen mag – ist nun das, was man gemeinhin mächtigster Mann der Welt nennt.“

Roland Nelles (Der Spiegel): „Sieg des Zerstörers“

„Das ist eine politische Katastrophe ­ für Amerika, für die Welt. Es ist wirklich passiert, er hat es getan, Donald Trump hat alle Experten widerlegt. Alle angeblich sicheren Vorhersagen, er könne gar nicht US-Präsident werden, sind in dieser Wahlnacht ad absurdum geführt worden. Ein Mann, der Ausländer, Frauen und Behinderte beleidigt, der Haß predigt und wichtige Partner Amerikas in der Welt vor den Kopf stoßen will, wird das mächtigste Land der Erde regieren. Es ist eine politische Katastrophe. Plumper Populismus hat über die Vernunft gesiegt.“

Carsten Luther (Die Zeit): „Die Immunkräfte haben versagt“

„Ein totalitärer Blender und betrügerischer Dilettant hat es geschafft, sich ins Weiße Haus wählen zu lassen. Donald Trump ist ein epochales Desaster, das nicht nur dieses große Land und seine Demokratie auf Jahre hinaus verändern wird.

Die ganze Welt wird die Auswirkungen dieses Fehlers spüren. Viele hielten es für einen Scherz, als Trump im vorigen Jahr seine Kandidatur ankündigte […]. Jetzt steht ein sexuell übergriffiger Rassist, pathologischer Lügner und nervöser Egomane an der Spitze der Vereinigten Staaten: Indiskutabel für alle, die an Demokratie und Menschenrechte oder wenigstens an den gesunden Verstand der Menschen im Allgemeinen, der Amerikaner im Besonderen glauben.

Verdammt, sie hatten nur einen Job: diesen Mann zu verhindern! […] Es gibt keine Ausrede für die Entscheidung der Mehrheit. Und doch haben die Immunkräfte versagt, die gesunde Demokratien bislang gegen den hohlen Populismus geschützt haben. […] Sieg oder Untergang – darauf hat Trump seine Anhänger eingeschworen. Das ist der Weg aller totalitären Bewegungen. Deshalb ist Trump so gefährlich. Alle Szenarien sind wertlos, weil sie diesem irrationalen, affektgetriebenen, empathielosen Selbstdarsteller nicht gerecht werden können.“

Martin Ganslmeier (Tagesschau): „Daß nach dem Brexit erneut ein Populist triumphiert, sollte liberalen Politikern weltweit eine Lehre sein“

„Zum ersten Mal in der Geschichte Amerikas ist ein autoritärer Rechtspopulist zum Präsidenten gewählt worden. Jemand, der sich abfällig über Latinos und Behinderte geäußert hat, der sich Frauen gegenüber sexistisch verhalten hat und Muslime nicht ins Land einreisen lassen will. Daß dies in der ältesten und bislang stabilsten Demokratie der Welt möglich sein könnte, das hätte ich bis gestern nicht für möglich gehalten. Ja, auch wir Journalisten müssen einräumen: Wir haben ganz offensichtlich die wahre Stimmungslage im Land bis zuletzt nicht richtig eingeschätzt.“

Julia Friese (Die Welt): „Der einzige Trump-Fan in der ARD ist eine Frau“

„Die ARD zeigt eine Hillary-Clinton-Wahlkampfsendung, die im Wahlkampfgebiet nicht ausgestrahlt wird, während der Wahlkampf vorbei ist. […] Fragen über Fragen. Eine, die sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen stellen sollte: Wäre es vielleicht besser, weniger tendenziös über Wahlen zu berichten?“

Michael Knigge (Deutsche Welle): „Triumph eines aufrührerischen, teils menschenverachtenden Vulgär-Populismus“

„Mit seinem auf persönlichen Beleidigungen, Arroganz und Unwissenheit aufgebauten Wahlkampf hat er es nicht nur geschafft, die niedersten Instinkte einer von der Politik enttäuschten Wählerklientel zu aktivieren, sondern mit dieser Strategie hat er auch noch die Wahl gewonnen. […] Trumps Erfolg ist der Triumph eines aufrührerischen, teils menschenverachtenden Vulgär-Populismus und eine schallende Ohrfeige für das Establishment und die politische Elite in den USA und für dessen Repräsentantin, Hillary Clinton.“

Damir Fras (Stuttgarter Nachrichten): „Schlimmster Fall eingetreten“

„Der schlimmste aller denkbaren Fälle ist eingetreten. Der Trumpismus hat gesiegt. Die Amerikaner haben einen Populisten zum Nachfolger von Präsident Barack Obama gewählt. […]Der Narzißt aus New York ist ein lupenreiner Populist, der seinen Anhängern mal dieses, mal jenes verspricht. Im Wahlkampf hat er beständig die Fakten verdreht und gelogen. Er hat Wahrheit und Wunschvorstellung miteinander verwoben. Es ist kaum fassbar, dass er die Wahl zum Präsidenten gewonnen hat. Aber leider wahr.“

Jakob Augstein (Freitag): „Die Wahl Donald Trumps ist das Ende des Westens“

„Das Unverständnis, mit dem die etablierten Klassen dem Phänomen Trump begegnet sind, war beängstigend. Es war ein Beweis dafür, wie weit sie sich von der Masse der Menschen entfernt haben. Wir haben in Deutschland das selbe Phänomen mit der AfD erlebt. Die USA sind uns voraus. […] In einer Art und Weise, die sie sich jetzt noch gar nicht vorstellen können, werden die Deutschen bald selbst für sich verantwortlich sein. Man mag das bedauern, wie der Autor dieser Zeilen, oder sich darüber freuen, als Rückgewinnung der Reste von Souveränität, die heute noch möglich sind. Es ist paradox: Das kurze Zeitalter der Globalisierung mündet in eine Rückbesinnung auf das Nahe, die Heimat, die Nation. Was denn sonst?“

Geknickte Clinton-Anhänger in Washington Foto: picture alliance / Michael Reynolds/EPA/dpa

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