Filmszene: Uli Hoeneß (rechts) im Gespräch mit seinem Vater, Fotos (2): ZDF/Janett Kartelmeyer
Filmszene: Uli Hoeneß (rechts) im Gespräch mit seinem Vater Foto: ZDF/Janett Kartelmeyer
Filmtipp

Uli Hoeneß ist „Der Patriarch“

Der 16jährige Uli Hoeneß räumt nach Ladenschluß die väterliche Metzgerei auf. Er und sein Vater diskutieren, wie sich das familiäre Wurstgeschäft erweitern ließe. „Wir müssen investieren“, fordert Uli. Darauf fragt der Vater, woher das Geld kommen solle. Uli antwortet „die Bank“, aber das Familienoberhaupt schneidet ihm das Wort ab: „Die Metzgerei Hoeneß macht keine Schulden.“ Stattdessen rät er seinem Sohn, lieber etwas zurückzulegen. „Für schlechte Tage“, fügt er hinzu.

Uli Hoeneß hat sich den Rat seines Alten Herrn zu Herzen genommen und tatsächlich etwas zurückgelegt. Als er 2013 eine Selbstanzeige wegen seiner Schweizer Bankkonten machte, da war die Steueraffäre Hoeneß geboren, die die Deutschen bis heute beschäftigt und dem Wurstfabrikanten eine Gefängnisstrafe einbringen sollte. Von all dem handelt die ZDF-Dokumentation „Der Patriarch“, in der auch zu Beginn das Zwiegespräch zwischen Vater und Sohn geschildert wird.

Filmszene: Uli Hoeneß mit Ehefrau in einer Verhandlunghspause am Münchener Landgericht
Filmszene: Uli Hoeneß mit Ehefrau in einer Verhandlunghspause am Münchener Landgericht ZDF/Janett Kartelmeyer

Als Mischung aus nachgestellten Szenen und Berichten von realen Personen wie Wegbegleitern und Journalisten arbeitet der neunzigminütige Film den Fall Hoeneß auf. Gezeigt wird ein Junge, für den die Schule das Wichtigste ist und der mit seinen Vereinskameraden Latein sprach. Ein Mann, der es gelernt hat, hart zu arbeiten, und der sich ärgert, daß trotzdem oft zuwenig übrigbleibt.

Der seine Jugend dem Erfolg opfert und mit 22 Jahren durch einen von „Tempo und Power“ geprägten Einsatz Fußball-Weltmeister wurde. Der nach seinem verletzungsbedingten Ausscheiden aus der Mannschaft seine Karriere abrundete, indem er zu einem Top-Manager des deutschen Fußballs aufstieg. Der eine „besondere Fürsorglichkeit für eigene Leute“ entwickelte, so Münchens Ex-Oberbürgermeister Christian Ude. Der Millionen für gemeinnützige Zwecke gespendet hat, aber dessen Spekulationsverluste vom Finanzamt ebensowenig zu seinen Gunsten berücksichtigt wurden wie seine Selbstanzeige.

Gezeigt wird auch der ehrgeizige Geschäftsmann. Der Strippenzieher, der Christoph Daum als Nationaltrainer in spe zu Fall brachte – sicherlich das schwärzeste Kapitel in Hoeneß’ Biographie. Hoeneß’ Bild bleibt aber sympathisch.

Der „Patriarch“ will beiden Seiten gerecht werden

Seine Gegner werden als strikte Exekutoren des Steuerstaats gezeigt: griesgrämige und mißmutige Vertreter der Justiz, unerbittliche Staatsbeamte bei Hausdurchsuchung und Festnahme des Delinquenten. Die Vertreter der Staatsanwaltschaft sind so seelenlose Apparatschiks, daß sie alle auch gut unter Erich Honecker hätten Karriere machen können. Und zwar sowohl die gespielten als auch die echten. Leider gibt es nach der Hälfte des Films einen Bruch: Plötzlich werden all die bösen Vorwürfe erhoben, die Hoeneß seit zweieinhalb Jahren zu Unrecht gemacht werden – vorneweg „Gier“ (Ude) oder „asoziales Verhalten“ (Stern-Journalist Hans-Ulrich Jörges). Es kann daher erwogen werden, die ZDF-Doku nach der Halbzeitpause abzuschalten. (rg)

„Uli Hoeneß – Der Patriarch“ läuft am Donnerstag, den 27. August 2015, um 20.15 Uhr im ZDF.

Lesen Sie die ganze Filmbesprechung und weitere Details über den Sat1-Spielfilm „Udo Honig – kein schlechter Mensch“, der ebenfalls von Uli Hoeneß handelt, in der aktuellen JF (36/15), ab morgen am Kiosk.

 

 

Filmszene: Uli Hoeneß (rechts) im Gespräch mit seinem Vater Foto: ZDF/Janett Kartelmeyer

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