Alle Jahre wieder bemühen wir uns darum, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Wir pflegen liebgewonnene Traditionen, wie das Aufstellen des Weihnachtsbaums, die Weihnachtsfeier mit den Kollegen oder den Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt – sofern dieser nicht aufgrund zu hoher Kosten für die Terrorabwehr entfallen muß. Doch aller Bemühungen um weihnachtliche Gefühle zum Trotz bleibt die emotionale Erfahrung meist oberflächlich. Wieso ist das so? Ich denke, es liegt daran, daß Traditionen, die ihr Fundament, ihre sinnstiftenden Wurzeln, verlieren, zu einer leeren Hülle verkommen, die nicht liefern kann, was wir uns von ihr erhoffen.
Dieses Phänomen beobachten wir nicht nur an Weihnachten, sondern in nahezu allen Lebensbereichen. Die traditionellen Werte unseres Landes, die vielen von uns lieb und teuer sind, geraten immer mehr ins Wanken: Sicherheit, Recht, Freiheit, Frieden. Die erstarkende politische Rechte möchte diese Werte konservieren. Aber wie konserviert man etwas, wenn das Fundament verloren gegangen ist? Wie konserviert man die Frucht eines Baumes, wenn die Wurzel nicht mehr da ist?
Weihnachtliche Traditionen und die traditionellen Werte unseres Landes haben ein gemeinsames Fundament, eine gemeinsame Wurzel, das Christentum, das seit über 2.000 Jahren das christliche Abendland und seine Kultur prägt. Wenn dieses Fundament wegbricht, verkommen Traditionen und Werte zu einer leeren Hülle, die langsam zerfällt. Wenn wir unsere christlich geprägte Kultur konservieren und vor den immer stärker werden Einflüssen anders geprägter Kulturen schützen wollen, müssen wir zurückkehren zu ihren Wurzeln, nämlich zum christlichen Glauben. Ohne die Wurzel des christlichen Glaubens können wir nicht die Segnungen des Christentums konservieren.
Kein Mensch kann den Maßstäben Christi komplett gerecht werden
Als vor zwei Jahrtausenden ein Engel einigen Hirten auf einem Feld bei Betlehem erschien und ihnen die Geburt Jesu verkündigte, sprach er zu ihnen die bekannten Worte: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird; denn euch ist heute in der Stadt Davids ein Erretter geboren, welcher ist Christus, der Herr“ (Lukas 2,10-11). Das ist die Botschaft, die auch heute noch Weihnachten seine Bedeutung verleiht und das Fundament unserer christlich geprägten Kultur bildet: Jesus ist Erretter, und Er ist Christus, der Herr.
Was bedeuten diese beiden Bezeichnungen? Zum einen ist Jesus Erretter. Aber wovor errettet er uns? Müssen wir überhaupt errettet werden? Die Bibel lehrt, daß alle Menschen Sünder sind, weil wir alle Gottes Gebote übertreten haben. Jesus faßt die Gebote Gottes in den zwei großen Geboten der Liebe zusammen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand, und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lukas 10,27).
Kein Mensch kann aufrichtig von sich behaupten, diesem Maßstab vollkommen gerecht geworden zu sein. Das ist ein Problem, denn die Bibel lehrt auch, daß Gott am Ende der Zeit alle Menschen richten wird und daß der Lohn der Sünde der ewige Tod ist. Aber Jesus, der Sohn Gottes, ist gekommen, um uns vor diesem Urteil zu retten. Als er am Kreuz von Golgatha starb, nahm er die Sünden der Welt auf sich, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht gerichtet wird, sondern Vergebung der Sünden und ewiges Leben hat.
Christus bringt den Menschen dennoch Errettung und Segen
Zum anderen ist Jesus Christus der Herr. Christus bedeutet „der Gesalbte“ und meint einen König, ebenso wie Herr einen Herrscher meint. Jesus ist der Sohn Gottes, der über alles als König regiert. Deswegen sollen wir nicht nur an ihn glauben, sondern auch auf das hören, was er sagt. Die Gebote Jesu sind es, die unsere Kultur geprägt haben und auf deren Grundlage ein Land entstanden ist, in dem Sicherheit, Recht, Freiheit und Frieden für alle gelten sollen. Darum ist die Geburt Jesu Grund zu großer Freude, denn sie bringt den Menschen Errettung und Segen für das ganze Volk.
Wenn wir diese christlichen Werte in unserem Land konservieren wollen, müssen wir zurückkehren zu ihren Wurzeln, zu dem Fundament des Christentums: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird; denn euch ist heute in der Stadt Davids ein Erretter geboren, welcher ist Christus, der Herr“.
Tobias Riemenschneider ist Jurist und Pastor einer freikirchlichen Gemeinde bei Frankfurt am Main.





