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Debatte vor der EM: Verschwindet jetzt „Frauen“ aus „Frauen-Fußball“?

Debatte vor der EM: Verschwindet jetzt „Frauen“ aus „Frauen-Fußball“?

Debatte vor der EM: Verschwindet jetzt „Frauen“ aus „Frauen-Fußball“?

Sieg vor leeren Rängen: Deutschlands Fußball-Frauen schlagen die Schweiz vergangene Woche mit 7:0. Geringes Interesse am Frauen-Fußball.
Sieg vor leeren Rängen: Deutschlands Fußball-Frauen schlagen die Schweiz vergangene Woche mit 7:0. Geringes Interesse am Frauen-Fußball.
Sieg vor leeren Rängen: Deutschlands Fußball-Frauen schlagen die Schweiz vergangene Woche mit 7:0. Foto: picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt
Debatte vor der EM
 

Verschwindet jetzt „Frauen“ aus „Frauen-Fußball“?

FRANKFURT AM MAIN. Eine Woche vor dem Start der Europameisterschaft der Frauen ist eine Diskussion über ungleiche Bezahlung und fehlende Geschlechter-Gerechtigkeit im Fußball entbrannt. Deutschlands Ersatztorhüterin Almuth Schult – bei der Männer-EM im vergangenen Jahr als ARD-Expertin hochgelobt – fordert, das Wort „Frauen“ aus „Frauen-Fußball“ zu streichen.

Die Sportlerin, die in der neuen Saison vom Deutschen Meister VfL Wolfsburg in die USA wechselt, bemängelte jetzt in einer Journalistenrunde: „Diese Betonung auf Fußball und Frauenfußball habe ich selber sehr oft erfahren.“ Die 31jährige fragt: „Warum heißt es nicht bei beiden einfach Bundesliga? Oder: Männer-Bundesliga und Frauen-Bundesliga?“

Mit ihrem Kampf für geschlechtergerechte Sprache will Schult ganz oben anfangen. Sie kritisiert, daß sowohl der Weltverband Fifa als auch die europäische Uefa von der „Frauen“-Weltmeisterschaft bzw. der „Frauen“-Champions League sprechen: „Warum muß das extra ausgewiesen werden? Das ist genau diese Abwertung, die man nicht braucht.“

Frauen-Fußball ist ein Zuschußgeschäft

Die Probleme des Frauen-Fußball liegen jedoch deutlich tiefer als angeblich sprachliche Ungerechtigkeiten weismachen wollen. Die Spiele der Bundesliga finden im Schnitt vor nicht einmal tausend Zuschauern statt. Finanziell ist der Spielbetrieb ein Desaster. Die durchschnittlichen Kosten für jeden der zwölf Bundesligisten sind mit 2,46 Millionen Euro doppelt so hoch wie die Einnahmen in Höhe von 1,26 Millionen Euro.

Dieses Zuschußgeschäft können sich zunehmend nur noch Vereine leisten, die im Männerfußball erfolgreich sind. Die Klub-Namen in beiden Bundesligen haben sich angeglichen. Der Frauenfußball wird mangels Werbe- und Zuschauereinnahmen mit jenem Geld finanziert, das im Männer-Bereich erwirtschaftet wird.

So erklärt sich auch die unterschiedliche Bezahlung. Sollten die DFB-Frauen den EM-Titel holen, erhält jede Spielerin eine Prämie von 60.000 Euro. Wären die Männer 2021 Europameister geworden, hätte der DFB pro Kopf 400.000 Euro springen lassen.

DFB-Frauenanteil liegt bei 8,5 Prozent

Gut möglich, daß diese Differenzierung künftig verboten wird. Denn in den USA war kürzlich eine Sammelklage gegen den Fußballverband erfolgreich. Ein Gericht entschied, daß Fußballerinnen und Fußballer gleich bezahlt werden müssen. Alles andere sei Diskriminierung. Dies hält aber selbst Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg für unangemessen: „Zur Wahrheit gehört auch, daß die Vermarktungserlöse von Männern und Frauen, aus denen sich auch die Turnierprämien ergeben, bei uns in der Bundesliga und den Nationalmannschaften extrem weit auseinanderliegen.“

Allen Hoffnungen und Appellen zum Trotz interessieren sich nur wenige Menschen für die Sportart. Insgesamt bleibt Fußball in Deutschland ganz eindeutig Männersache. Nur 8,5 Prozent aller 2,2 Millionen beim DFB organsierten Fußballer sind Frauen. 91,5 Prozent sind Männer.

Der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf bezeichnet die Zahlen als „alarmierend“. Er hofft nun, daß von der EM in England ein Schub auf Bundesliga und die Lust von Mädchen und Frauen, Fußball zu spielen, ausgeht. Doch diese Hoffnungen haben sich weder nach den Welt- noch nach den zahlreichen Europameistertiteln der Frauen in der Vergangenheit erfüllt. (fh)

Sieg vor leeren Rängen: Deutschlands Fußball-Frauen schlagen die Schweiz vergangene Woche mit 7:0. Foto: picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt
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