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Auftritt in Berlin: Jordan Peterson: Der Superstar der Anti-Wokeness

Auftritt in Berlin: Jordan Peterson: Der Superstar der Anti-Wokeness

Auftritt in Berlin: Jordan Peterson: Der Superstar der Anti-Wokeness

Der kanadische Psychologe Jordan Peterson bei einem früheren Auftritt
Der kanadische Psychologe Jordan Peterson bei einem früheren Auftritt
Der kanadische Psychologe Jordan Peterson bei einem früheren Auftritt Foto: picture alliance/Mikko Stig/Mikko Stig/dpa
Auftritt in Berlin
 

Jordan Peterson: Der Superstar der Anti-Wokeness

Man kann ihn lieben, man kann ihn hassen, aber was man nicht kann, ist ihn zu ignorieren. Die Rede ist von Jordan Peterson. Seine Selbsthilfe-Bücher „12 Rules For Life:“ und dem Nachfolger „Beyond Order“ machten den klinischen Psychologen aus Kanada zum Beststellerautoren und zum weltweit gefeierten Star in den sozialen Medien. Allein auf YouTube hat er über fünf Millionen Abonnenten. Daß ihn kürzlich dasselbe Schicksal wie Donald Trump ereilte und er vom Kurznachrichtendienst Twitter verbannt wurde, ließ seinen Bekanntheitsgrad nur noch weiterwachsen.

Peterson hatte es wiederholt „gewagt“ den transsexuellen Schauspieler Elliot Page mit den falschen Pronomen und mit seinem früheren Namen, dem „Deadname“ anzusprechen. Das Faß zum Überlaufen brachte sein Tweet, in dem er das Aussehen eines „Plus-Size-Models“ mit „Verzeihung, nicht schön“ kommentierte. Twitter hatte genug und sperrte Peterson. Daraufhin wechselte er kurze Zeit später zum US-Nachrichtenportal „Daily Wire“, dessen Inhaber der konservative Kommentator Ben Shapiro ist.

Peterson gilt als Kämpfer gegen politische Korrektheit, Wokeness und Gender-Theorien. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Kritiker werfen ihm vor, vor allem Anhänger in der Neuen Rechten zu haben. Es sind jedoch wahrlich keine „alten weißen Männer“, die am Donnerstagabend zum Berliner Tempodrom pilgerten, um sich Petersons einzigen Deutschlandauftritt während seiner Europatournee anzusehen.

Im Publikum sind eher elegant gekleidete Männer vertreten. Viele sind in weiblicher Begleitung. Die beiden kroatischstämmigen Besucher Jakob und Franjo sind extra aus Frankfurt angereist sind, um Peterson live zu erleben. Letzterer erzählt der JUNGEN FREIHEIT, der Ratschlag des kanadischen Professors, immer eine aufrechte Haltung anzunehmen, weil man sonst eine falsche Grundhaltung an den Tag lege, habe ihm sehr geholfen.

300 Demonstranten protestieren gegen Auftritt

Doch auch Personen, die Peterson weniger wohlgesonnen sind, haben sich auf den Weg nach Berlin gemacht. Vor dem Tempodrom sammeln sich Anhänger des Bündnisses „Keine Bühne für Täter“. Polizeikräfte trennen die etwa 300 Demonstranten von den Peterson-Fans. Auf einem Transparent steht „Ersticke an deinem Hummer“, was auf Petersons Erklärung zu Regel Eins mit der aufrechten Haltung anspielt. Wenn man nach einer Niederlage seine Fassung verliert, ist jeder weitere Kampf laut dem Psychologen zum Scheitern verurteilt. Und das Leben ist bekannterweise ein Kampf.

Das Tempodrom füllt sich derweil. Es gibt eine strenge Sicherheitskontrolle. Taschen müssen draußen abgegeben werden. Knapp 70 Euro kostet der Eintritt. Drinnen können Zuschauer für 200 Euro einen VIP-Paß erwerben, der ein kurzes „Meet and Greet“ nach der Vorstellung ermöglicht. Wahrscheinlich gerade genug Zeit, um das Buch signieren zu lassen und ein Selfie mit Peterson zu machen. Kurz nach 20 Uhr gehen die Lichter aus. Es folgt ein kurzes Solo-Gitarrenkonzert. Foto und Videoaufnahmen sind strengstens untersagt, doch hier und da sieht man doch das ein oder andere Handy in die Höhe schießen.

Als nächstes betritt Tammy Peterson, die Ehefrau des Kanadiers, die Bühne und kündigt zunächst weitere unternehmerische Pläne und den weiteren Verlauf des Abends an. In den kommenden Monaten soll eine Online-Akademie gegründet werden. Peterson will zudem ein neues Buch mit dem Titel „Die mit Gott ringen“ vorlegen, was eine Übersetzung des Wortes Israel ist.

Die Zuschauer konnten vorab über eine App Fragen einsenden, die seine Frau ausgewählt und ihrem Mann explizit nicht gezeigt hat. Dann endlich betritt der konservative Rockstar mit grau meliertem Haaren, grauer Krawatte und natürlich stilecht in einem Maßanzug die Bühne. Die Zuschauer hält es nicht auf ihren Stühlen und der Saal erhebt sich unter tosendem Applaus. Immer wieder wird er es schaffen, mit kleinsten Gesten und Sätzen den Jubel aufflammen zu lassen. So wie man es von einem Weltstar gewohnt ist. Peterson selbst sind die Demonstranten draußen nicht verborgen geblieben, worauf er das Publikum auch anspricht. Dieses antwortet mit lautem Johlen.

Peterson: „Darauf habe ich keine Antwort“

Auf der Bühne befinden sich zwei Ledersessel, dazwischen ein Tisch, auf dem Wasser der Marke San Pellegrino steht. Nachdem Peterson einen einleitenden Vortrag gehalten hat, nimmt er neben seiner Frau Platz. Diese stellt ihm die vorher eingereichten Fragen. Es werden insgesamt keine fünf Fragen werden und auf eine bezüglich des Ukraine-Krieges antwortet er: „Ich habe darauf keine Antwort“, was ihn noch souveräner erscheinen läßt.

Auf die restlichen Fragen geht er in minutenlangen und ausschweifenden Monologen ein, denen zeitweise schwer zu folgen ist und die nur sehr wenig mit der Ausgangsfrage zu tun zu haben scheinen. Anschließend handelt der Professor seine altbekannten Themen von Selbstoptimierung ab und bewirbt seinen kostenpflichtigen Online-Schreibkurs, der einen noch produktiver, gesünder und glücklicher machen soll. Besonders viel Zustimmung bekommt, wenn er gegen seine linken Gegner austeilt. Es fallen Sätze wie, Identität sei nichts, was man fühle oder daß es so etwas wie einen progressiven Intellektuellen überhaupt nicht gebe. Doch auch auf den richtigen Umgang der eigenen Kinder mit Mobiltelefon und Erziehung im Allgemeinen geht er ein. Das tägliche Zusammenkommen am Eßtisch sei etwas Fundamentales, was nicht verloren gehen dürfe.

Es kommt die Frage, was er zum deutschen Schulsystem sagen könne, wo eine – je nach Sichtweise – eher offene Sichtweise auf Geschlechter gelehrt werde und es wird schnell klar, daß er damit bei seinem Lieblingsthema ist: nämlich dem Unterschied zwischen Frauen und Männern. Peterson bekundet, daß manche Männer feminin und manche Frauen maskulin auftreten, aber Menschen, die im falschen Körper geboren seien – so etwas existiere nicht. Punkt. Diese Negierung brachte ihm weiteren Applaus ein.

Anti-Baby-Pille sei womöglich Gefahr für die Menschheit

Danach spricht er von der Erfindung der Anti-Baby-Pille und über die damalige Zeit der „freien Liebe“. Der Begriff klang ihm zufolge gut und aufregend bis das HI-Virus entdeckt wurde. Doch er geht noch weiter: Diese Verhütungsmethode sei womöglich eine Gefahr für die Menschheit zu, da man erstmals in der Geschichte der Menschheit den Frauen die Macht über die Fortpflanzung gegeben habe und die hieraus resultierenden Auswirkungen überhaupt noch nicht abzuschätzen seien.

Zudem erzählt er von seinem Besuch des Holocaust-Mahnmals am Brandenburger Tor vor dem Auftritt. Deutschland zerreiße sich innerlich durch die Schuld der Last der Schrecken des 20. Jahrhunderts. Ähnlich sei es in seiner Heimat Kanada, die angefangen habe, die europäische Besiedlung des Landes als Genozid zu bezeichnen. Er verwehre sich gegen eine inflationäre und leichtsinnige Verwendung des Begriffs.

Nach ungefähr anderthalb Stunden stehen die Petersons plötzlich auf, verabschieden sich kurz unter tosendem Applaus und das Spektakel ist beendet. Draußen warten die VIP-Zuschauer derweil auf ihr Selfie.

Der kanadische Psychologe Jordan Peterson bei einem früheren Auftritt Foto: picture alliance/Mikko Stig/Mikko Stig/dpa
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