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„Demografischer Winter“: Kinder statt Katzen: Papst Franziskus bläst eisiger Nordwind entgegen

„Demografischer Winter“: Kinder statt Katzen: Papst Franziskus bläst eisiger Nordwind entgegen

„Demografischer Winter“: Kinder statt Katzen: Papst Franziskus bläst eisiger Nordwind entgegen

Papst Franziskus: „So viele Paare haben keine Kinder, weil sie keine wollen“
Papst Franziskus: „So viele Paare haben keine Kinder, weil sie keine wollen“
Papst Franziskus: „So viele Paare haben keine Kinder, weil sie keine wollen“ Foto: picture alliance / Pressebildagentur ULMER | ULMER
„Demografischer Winter“
 

Kinder statt Katzen: Papst Franziskus bläst eisiger Nordwind entgegen

Wessen Worte auch noch Tage nach deren Äußerung für Diskussionen sorgen, der hat wahrscheinlich etwas unsagbar Dämliches gesagt – oder hat einen Nerv getroffen. Im Fall von Papst Franziskus dürfte letzteres zutreffen. Bei seiner Generalaudienz am vergangenen Mittwoch kritisierte er bewußt kinderlose oder -arme Paare und ermunterte junge Eheleute, sich für Kinder zu entscheiden. „So viele Paare haben keine Kinder, weil sie keine wollen, oder sie haben nur eins, weil sie nicht mehr wollen, aber sie haben zwei Hunde, zwei Katzen“, unterstrich das Kirchenoberhaupt.

„Hunde und Katzen nehmen den Platz der Kinder ein. Ja, ich verstehe, das bringt einen zum Lachen, aber das ist die Realität.“ Die Zivilisation werde immer älter und es fehle ihr an Menschlichkeit, weil der Reichtum der Elternschaft verlorengehe, warnte der Südamerikaner. Angesichts der niedrigen Geburtenraten in Europa sicher eine treffende, aber keine provokative Darlegung.

Ob Deutschland, Spanien, Finnland, Slowenien, Österreich oder viele weitere europäische Länder: Sie alle eint die Zahl der Lebendgeburten je tausend Einwohner unter zehn liegt. Italien, das Land der „Bambini“, ist seit Jahren trauriges Schlußlicht in der Statistik. 2020 lag die Geburtenrate gerade einmal bei 6,8.

Kritik an kinderlosem Papst

Doch in Italien sorgten die Äußerungen des Papstes für wenig Aufsehen. Anders dagegen in Großbritannien und in Deutschland. Dort diskutieren Kirchenkenner und Kirchengegner, Verbände, Journalisten und Autoren nach wie vor über die Worte Franziskus’.

Der deutsche Familienbund der Katholiken warf dem Papst vor, Familien und Kinderlose „in ein Verhältnis der Polarisierung zu rücken“, wie Bundesgeschäftsführer Matthias Dantlgraber es dem Nachrichtenportal katholisch.de gegenüber ausdrückte. Andere waren deutlich direkter und kritisierten, der Papst, selbst kinderlos und Oberhaupt einer Organisation, deren wichtigste Mitarbeiter ebenso kinderlos bleiben müßten, dürfe sich nicht auf die Art und Weise über Menschen äußern, die entschieden haben, keinen oder wenig Nachwuchs zu bekommen. Ebenso sei es verwerflich, Haustierbesitzer zu kritisieren.

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Der Vatikanexperte Christopher Lamb beschwichtigte. Franziskus sei es weniger um Haustiere als um Prioritäten gegangen. Mit der Äußerung in der Generalaudienz habe er „einen Lebensstil des konsumorientierten Materialismus in Frage“ gestellt, „der keinen Platz für die Opfer läßt, die die Erziehung von Kindern erfordert“, sagte Lamb in der BBC.  Der „demografische Winter“, von dem der Papst regelmäßig spreche, treibe Franziskus schon länger um.

Es geht um verantwortungsvolle Elternschaft

Tatsächlich sind die Äußerungen bei Lichte betrachtet weder skandalös noch aggressiv bestimmten gesellschaftlichen Gruppen gegenüber, sondern schlicht katholisch. Im Katechismus heißt es: „Durch ihre natürliche Eigenart sind die Ehe als Institution und die eheliche Liebe auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet und finden darin gleichsam ihre Krönung.“ Kinder seien „die vorzüglichste Gabe für die Ehe und tragen zum Wohl der Eltern selbst sehr viel bei“.

Wer Papst Franziskus regelmäßig zuhört, der weiß auch, daß es ihm nicht darum ging, Paare zur Geburt möglichst vieler Kinder zu bewegen, sondern um verantwortungsvolle Elternschaft. Auch der Blick auf die restlichen Äußerungen vom vergangen Mittwoch, in der sich der Papst mit Josef, dem Ziehvater Jesu, beschäftigt hatte, belegt dies.

Denn bei der Generalaudienz sprach er auch von den vielen Kindern weltweit, die dringend pflichtbewußte Eltern bräuchten, also über Adoptiv- und Pflegeeltern. „Eine solche Entscheidung gehört zu den höchsten Formen der Liebe sowie von Vater- und Mutterschaft.“ Gerade auch weil sie riskant sei. Deshalb plädiere er für vereinfachte Adoptionsregeln.

Doch diese Forderung fand nicht Eingang in die deutsche Empörungskakophonie, obwohl sie ebenso katholisch und damit für einen Papst ebenso wenig skandalös ist, wie jene nach mehr Kindern.

Papst Franziskus: „So viele Paare haben keine Kinder, weil sie keine wollen“ Foto: picture alliance / Pressebildagentur ULMER | ULMER
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