Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linkspartei) will die Rückführung von Kolonialgut vorantreiben Foto: picture alliance/dpa | Fabian Sommer
Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linkspartei) will die Rückführung von Kolonialgut vorantreiben Foto: picture alliance/dpa | Fabian Sommer

Humboldt-Forum
 

Berliner Kultursenator will Rückgabe von Kolonialkunst vorantreiben

BERLIN. Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linkspartei) hat weitere Anstrengungen in der Rückgabe von Kolonialkunst angemahnt. Die Restitution von Raubkunst sei keine „Frage des Ablaßhandels“. „Es geht nicht darum, mit großer symbolischer Geste einzelne ausgesuchte Sammlerstücke zurück zu geben und danach einen Haken an die Sache zu machen,“ betonte der Politiker am Sonntag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Die für 2022 geplante Rückgabe eines Teils der sogenannten Benin-Bronzen an Nigeria sei in diesem Zusammenhang ein Meilenstein. Die ungefähr 1.100 altertümlichen Statuetten befinden sich derzeit im Besitz von etwas 20 deutschen Museen.

Lederer kritisiert Stadtschloß

Des Weiteren kritisierte Lederer das Erscheinungsbild des Berliner Stadtschlosses. Mit Blick auf dessen Fassade sprach er von einem „eklatanten Widerspruch zwischen der baulichen Hülle und dem inhaltlichen Anspruch der Einrichtung. Den kann man nur produktiv machen, wenn man nicht versucht, diesen Widerspruch wegzudiskutieren oder zu relativieren.“

Heute sei das Humboldt-Forum im Stadtschloß ein „Aushängeschild der auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik, das Weltoffenheit und Diversität charakterisieren soll.“ Damals sei der Entschluß zur Neuerrichtung aber gefaßt worden, „ohne daß zu dem Zeitpunkt klar war, was man mit dem Haus eigentlich will.“ Letztlich könnten sich alle Beteiligten glücklich schätzen, daß anschließend die Idee entstanden sei, das Humboldt-Forum in den historischen Räumlichkeiten anzusiedeln.

Zuletzt hatte die Institution angekündigt, die Bibelinschrift auf der Kuppel des Prunkbaus nachts mit Zitaten aus dem Grundgesetz zu überstrahlen. Grund für die Entscheidung war die Kritik an dem „Alleingültigkeits- und Herrschaftsanspruch“ der christlichen Botschaft.

Kulturministerin fordert Offenheit bei Kunst-Rückführung

Auch die nordrhein-westfälische Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensge (parteilos) plädierte für Offenheit bei der Rückführung von Kolonialkunstwerken. „Dieser Prozeß muß fortgesetzt werden: aufklären, Kontakte finden – gerade bei Kunst im kolonialen Kontext ist es wichtig, die richtigen Partner zu identifizieren, an die etwas zurückgegeben werden kann“, unterstrich sie.

Zuvor hatte Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) eine Konferenz deutscher Museen im Januar zu dem Thema anberaumt. Für sie gebe es „einen weißen Fleck in unserer Erinnerungskultur. Das sind die Themen Kolonialismus und Dekolonialisierung.“ (fw)

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linkspartei) will die Rückführung von Kolonialgut vorantreiben Foto: picture alliance/dpa | Fabian Sommer
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