Schauspieler Volker Bruch: „Wenn ich Mißstände sehe und sie nicht benenne, dann stimme ich zu“
Schauspieler Volker Bruch: „Wenn ich Mißstände sehe und sie nicht benenne, dann stimme ich zu“ Foto: picture alliance/dpa | Christian Charisius

„Alles auf den Tisch“
 

Volker Bruch: „Meine Politisierung bezüglich Corona sehe ich als Notwehr“

BERLIN. Der Schauspieler Volker Bruch hat seine Teilnahme an der Aktion „Alles auf den Tisch“ verteidigt. „Wenn ich Mißstände sehe und sie nicht benenne, dann stimme ich zu und akzeptiere sie. Das möchte ich nicht. Ich möchte mich zu Wort melden, wenn ich eine Diskrepanz zwischen der in den Medien abgebildeten Meinung und den verfügbaren Informationen sehe“, sagte Bruch der Berliner Zeitung, der unter anderem als Gereon Rath in der Serie „Babylon Berlin“ bekannt ist.

„Meine Politisierung bezüglich Corona sehe ich als Notwehr. Die Maßnahmen wurden immer widersprüchlicher und gleichzeitig wurde die Kritik an ihnen immer mehr kriminalisiert“, erklärte Bruch. Ziel der Aktion sei, die Kritik an der Regierung „wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückholen“ und zu verhindern, „daß jeder, der Kritik übt, automatisch als Nazi bezeichnet wird“. Denn dies sei „völlig absurd“.

Bruch beklagt „massiven Druck auf Ungeimpfte“

Die Initiatoren von „Alles auf den Tisch“ hatten vergangene Woche 55 Videos veröffentlicht, in denen Künstler und Wissenschaftler über verschiedene Aspekte der Corona-Pandemie sprechen. Neben Bruch waren auch die Schauspieler Wotan Wilke Möhring, Nina Proll und Miriam Stein sowie der Virologe Klaus Stöhr, der Infektiologe Matthias Schrappe, der Lungenmediziner Dieter Köhler und der Neurobiologe Gerald Hüther beteiligt. Die Kampagne forderte einen Runden Tisch zum Corona-Management der Regierung.

Bruch beklagte nun außerdem einen „massiven Druck auf Ungeimpfte“. Dabei besage die Datenlage, „daß eine Impfung nur einen selbst vor einem schweren Verlauf schützt“. Eine Herdenimmunität werde es nicht geben, obwohl diese als Argument für die Impfung aus Solidarität angegeben worden. Der Künstler sprach sich dafür aus, jeden frei entscheiden zu lassen, ob er eine Impfung möchte oder nicht.

Auf die Anmerkung der Berliner Zeitung, es hätten sich auch einige durchaus dubiose Figuren unter die Maßnahmen-Kritiker gemischt“, antwortete der 41jährige:Zunächst finde ich es anmaßend, wenn man sagt: Der und der ist der Abschaum, mit dem rede ich nicht. Es ist meine Grundhaltung, daß ich zunächst mit jedem reden will, um mir meine Meinung zu bilden.“

„Aktuell kommen nicht alle Informationen zu den Bürgern“

Ziel der Aktion sei es, „daß jeder sich eine eigene Meinung bilden kann, aber es kommen aktuell nicht alle Informationen zu den Bürgern“. Die Künstler hätten den Wissenschaftlern „Fragen gestellt, die die Journalisten aktuell zu wenig stellen“. Es sollten auch „Wissenschaftler der Regierungsseite“ zu Wort kommen, „aber leider kamen hier keine Gespräche zu Stande“.

Bruch sehe sich aber nicht als Aktivist. „Aber wenn mich eine Ungerechtigkeit anbrüllt, kann ich nicht anders. Das war schon bei meiner Aktion ‘Los für Lesbos‘ so.“ Damit wollten Bruch und andere auf die aus ihrer Sicht unmenschlichen Bedingungen beim Umgang mit Migranten aufmerksam machen. „Ich war damals genauso regierungskritisch wie heute“, unterstrich der Schauspieler und gab an, er sei damals wie heute in sozialen Medien angefeindet worden. „Ich glaube, daß man seine Überzeugungen nicht aufgeben sollte, nur weil es Druck, egal von welcher Seite, gibt. Das Beste ist, die Kommentare einfach nicht zu ernst zu nehmen.“ (ls)

Schauspieler Volker Bruch: „Wenn ich Mißstände sehe und sie nicht benenne, dann stimme ich zu“ Foto: picture alliance/dpa | Christian Charisius
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