Moslems an der Uni
Moslems an der Uni: „Sie wollten darauf Einfluß nehmen, mit wem ich meine Freizeit verbringe und wie ich muslimische Feiertage begehe“ Foto: dpa
Naïla Chikhi

Kulturwissenschaftlerin: „Mit dem Kopftuch ist es wie mit der Prostitution“

BERLIN. Die Kulturwissenschaftlerin Naïla Chikhi hat ein Kopftuchverbot für Minderjährige gefordert. „Man muß eine gewisse Reife erreichen, um bestimmte Entscheidungen treffen zu können. Daher bin ich bei Mädchen definitiv für ein Kopftuchverbot bis zur Volljährigkeit“, sagte Chikhi am Dienstag der Neuen Zürcher Zeitung.

„Wenn erwachsene Frauen ein Kopftuch tragen, muß ich es akzeptieren“, ergänzte die algerischstämmige Frauenrechtlerin. Doch die Mehrzahl der Frauen setze sich nicht grundlegend mit seiner Bedeutung auseinander. „Mit dem Kopftuch ist es wie mit der Prostitution: Die meisten machen das nicht freiwillig.“

„Patriarchales Symbol“ und „die Fahne des politischen Islam“

Die moslemische Kopfbedeckung sei ein „patriarchales Symbol“ und „die Fahne des politischen Islam“. Wenn man keine andere Wahl habe, weil bestimmte Normen das Leben bestimmten, sei man nicht frei. „Ich glaube nicht, daß Gott mich mit Haaren erschaffen hat, damit ich sie verdecke. Falls ein Mann sich nicht kontrollieren kann, wenn er meine Haare sieht, ist es nicht an mir, ihm einen Gefallen zu tun und mich seinetwegen zu verstecken.“

Chikhi war am vorvergangenen Donnerstag Teilnehmerin einer Podiumsdiskussion zum Thema Kopftuch an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, als es zu Protesten und Handgreiflichkeiten kam. Die linksradikale Gruppe „Studis gegen rechte Hetze“ störte die Veranstaltung mit Plakaten und lautstarken Zwischenrufen. Zudem soll es laut Zeugen zu Rangeleien gekommen sein.

Darauf angesprochen erklärte sie, es gäbe eine Allianz zwischen Teilen der Linken und dem Islam. „Zumindest dienen die identitären Linken dem politischen Islam – womöglich ohne es zu wollen.“ An der Universität Mainz sei sie immer wieder von moslemischen Studenten angesprochen worden, die sie hätten maßregeln wollen.

„Nicht normal, daß man eine Religion nicht kritisieren darf“

„Sie wollten etwa darauf Einfluß nehmen, mit wem ich meine Freizeit verbringe und wie ich muslimische Feiertage begehe“, schilderte Chikhi. Beispielsweise sei sie einmal in der Bibliothek gewesen, als ein Moslem zwischen den Bücherregalen gebetet habe. „Ich bin deswegen nicht an ein Buch herangekommen und habe zu ihm gesagt: ‘Sorry, da störst du.’ Andere Studenten sprangen ihm bei und sagten, ich sei eine Rassistin.“

Gruppen wie „Studis gegen rechte Hetze“ würden vor Islamophobie warnen. „Der Begriff wird benutzt, um gegen Kritiker des Islams vorzugehen. Es ist aber nicht normal, daß man eine Religion nicht kritisieren darf. Ich habe zum Beispiel noch nie von Christophobie gehört – obwohl natürlich Kritik an der Kirche geübt wird, und auch viele Christen bedroht und verfolgt werden.“ (ls)

Moslems an der Uni: „Sie wollten darauf Einfluß nehmen, mit wem ich meine Freizeit verbringe und wie ich muslimische Feiertage begehe“ Foto: dpa

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