Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), stellt den Jahresbericht vor Foto: picture alliance/Gregor Fischer/dpa
Bericht des Wehrbeauftragten

Bürokratie und Fehlplanung: Bundeswehr beklagt Personal- und Materialmangel

BERLIN. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), hat in seinem Bericht zur Situation der Streitkräfte erneut Personal- und Materialmangel beklagt. „Insgesamt waren im Dezember 2019 21.000 Dienstposten oberhalb der Laufbahn der Mannschaften nicht besetzt“, heißt es in dem Schreiben.

Zudem beschwerten sich Vorgesetzte häufig über den Zustand der Rekruten. „Bei Truppenbesuchen wird nicht selten von Vorgesetzten, Kompaniefeldwebeln oder Ausbildern bemängelt, die ‘Qualität‘ der Soldaten sei schlechter geworden, vereinfacht gesagt, sie seien ‘dicker, schwächer und dümmer‘ als früher.“ Geeignetes Personal fehle vor allem bei der Luftwaffe, im Gesundheitswesen sowie den technischen Berufen. Im Gegensatz dazu bewerte das Verteidigungsministerium die Personalgewinnung 2019 als „sehr gut“.

Bartels kritisierte, die Personalbearbeitung bei der Truppe sei unklar. Vermutlich verrichteten mehr als 10.000 Bundeswehrangehörige ihren Dienst im Personalmanagement. Das sei ein Beispiel für die „Überorganisation des gesamten Apparats“.

Nur ein Bruchteil der Kampfflugzeuge ist einsatzbereit

Die angekündigte „Trendwende Material“ sei ebenfalls bislang ausgeblieben. Laut Bericht des Wehrbeauftragten gibt es auf diesem Gebiet seit Jahren keine wesentlichen Verbesserungen. „Danach soll 2019 zum Beispiel von 284 eingekauften neuen Schützenpanzern PUMA nur ein Viertel einsatzbereit gewesen sein. Der PUMA steht beispielhaft für den Kummer der Truppe mit dem anscheinend unbeherrschbar gewordenen Rüstungsprozeß.“ Ersatzteile für Panzer würden häufig aus anderen Modellen geholt. Es gelte das Motto „aus zwei mach eins“.

Trotz gegenteiliger Berichte sei nur ein Bruchteil der Tiger-Hubschrauber und Kampfflugzeuge vom Typ Tornado einsatzbereit sein. Von angeblich 15 größeren Kriegsschiffen seien in Wirklichkeit nur neun vorhanden.

Versorgungsengpässe gebe es auch bei der individuellen Ausrüstung der Soldaten. So müßten sie sich häufig Rucksäcke, Jacken und Hosen privat kaufen. Auch nach Jahren seien nicht alle mit den neuen Stiefeln ausgerüstet. Der Bericht hält fest: „In den 1980er Jahren rüstete die Bundeswehr 1,3 Millionen Soldaten für den Mobilmachungsfall aus. Das mußte damals funktionieren. Darüber können die heute gut 180.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten nur staunen.“ (ag)

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