„Black Lives Matter“-Proteste in Atlanta Foto: picture alliance / newscom
Beurlaubter Wirtschaftsprofessor

Ökonom Uhlig rechtfertig sich für „Black Lives Matter“-Kritik

CHICAGO. Der deutsche Ökonomieprofessor Harald Uhlig hat Kritik an seinen „Black Live Matter“-Tweets zurückgewiesen. Eine freie Gesellschaft zeichne sich dadurch aus, kontrovers miteinander reden zu können. Meinungsfreiheit müsse als „hohes Gut“ verteidigt werden, sagte er Welt.

Der Ökonom, der an der US-Universität von Chicago lehrt, hatte sich zuletzt mehrfach kritisch zu den Plünderungen während der Proteste in den USA geäußert. „Wenn Menschen mit Pick-Up-Trucks Geschäfte demolieren, um Waren zu klauen, wenn sie Werkzeug mitbringen, um Fahrzeuge aufzubrechen, dann ist das eine geplante Plünderung und kein Einsatz für ein politisches Thema“, schrieb er Anfang Juni auf Twitter.

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 Professoren-Kollegen fordern Uhligs Absetzung

Er rief dazu auf, Demonstrationen umgehen zu verlassen, bei denen geplündert werde. Statt dessen sprach Uhlig sich für friedlichen Protest gegen Rassismus aus. Er schlug vor, sich mit der Polizei wegen geplanten Kundgebungen abzusprechen, um Konfrontationen zu vermeiden.

Der Nobelpreisträger Paul Krugmann, der Ökonomie an der US-Universität Princeton lehrt, nannte Uhlig auf Twitter einen „weiteren privilegierten weißen Mann, der seinen Drang, die Sorgen von weniger Glücklichen, zu schmälern, nicht kontrollieren kann“.

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Krugmann und weitere Wirtschaftswissenschaftler forderten Uhlig auf, seinen Lehrstuhl aufzugeben. Die Ökonomie-Professoren Maximilian Auffhammer und Justin Wolfers hatten sogar eine Unterschriftenliste initiiert, um Uhlig als Herausgeber der wirtschaftswissenschaftlichen Fachzeitung Journal of Political Economy abzusetzen.

Uhlig nun beurlaubt

Nun wurde Uhlig tatsächlich beurlaubt, jedoch in seiner Funktion als Professor. Grund dafür sei ein Vorfall, der sich 2014 ereignet haben soll. Ein dunkelhäutiger Student wirft dem Ökonom vor, sich auf ironisch-scherzhafte Weise über den Bürgerrechtler Martin Luther King geäußert zu haben. Anschließend habe er den besagten Studenten gefragt, ob er nun beleidigt sei.

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Uhlig gibt in der Welt an, sich nicht mehr an den Vorfall zu erinnern. Er habe aber nicht vorgehabt, den Studenten zu beleidigen und habe Mitgefühl für ihn.

Meinungsfreiheit gehöre zu einer freien Gesellschaft

Er finde jedoch nicht, mit seinen „Black Lives Matter“-kritischen Tweets etwas falsch gemacht zu haben. Er habe viele E-Mails von Menschen bekommen, die seiner Meinung seien, sich aber nicht trauten, dies öffentlich zuzugeben. Möglicherweise falle es den Leuten schwer, sich zu äußern.

Die Rücktrittsforderungen seiner Kollegen seien für ihn erschreckend. „Ich bin sehr dafür, daß sich Leute äußern – egal wie, und auch wenn es für mich schmerzhaft ist. Ich würde nie sagen, sie sollten sich nicht äußern. Das gehört dazu in einer freien Gesellschaft“, betonte er. (zit)

„Black Lives Matter“-Proteste in Atlanta Foto: picture alliance / newscom

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