Torjubel des deutschen Nationalspielers Ilkay Gündogan beim Spiel gegen Estland Foto: picture alliance/Federico Gambarini/dpa
Nach „Like“ für Solidarität mit türkischer Militäroffensive

Löw verteidigt Gündogan und Can gegen Nationalismusvorwürfe

BERLIN. Bundestrainer Joachim Löw hat die türkischstämmigen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can gegen Nationalismusvorwürfe in Schutz genommen. Beide Spieler hatten ein Foto des türkischen Nationalspielers Cenk Tosun auf Instagram geliked, auf dem die türkischen Fußballer vor dem Spiel gegen Albanien salutierend zu sehen sind. Dazu schrieb Tosun: „Für unsere Nation, vor allem für jene, die für unser Land ihr Leben riskieren.“

Dabei bezogen sich Tosun und seine Mitspieler auf den Einmarsch türkischer Truppen im Nordosten Syriens vergangene Woche. „Wer die beiden Spieler kennt, der weiß, daß sie gegen Terror und Krieg sind“, verteidigte Löw Gündogan und Can.

Foto mit Erdogan

Beide hätten deutlich gemacht, „daß es kein politisches Statement war“. Damit sei es auch gut. Seine Spieler hätten vielmehr Tosun mit dem Gefällt-mir-Klick zu seinem Tor gegen Albanien gratulieren wollen.

Zuvor hatte Gündogan erklärt, er habe das „Like“ zurückgenommen, „als ich gesehen habe, daß es politisch gewertet wurde“. Can betonte: „Ich bin ein absoluter Pazifist und gegen jede Art von Krieg.“ Auch er zog sein „Like“ später zurück.

Bereits vergangenes Jahr hatte Gündogan für Schlagzeilen gesorgt, als er sich zusammen mit seinem damaligen Nationalmannschaftskollegen Mesut Özil in einem Londoner Hotel mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan traf und diesem ein Trikot seines Vereins Manchester City überreichte. Gündogan schrieb damals zusätzlich auf sein Trikot: „Mit großem Respekt für meinen Präsidenten.“

Auch Düsseldorfer Profis betroffen

Nach dem neuerlichen Vorfall sieht sich Gündogan allerdings als Opfer einer Medienkampagne. „Es ist kraß, was heutzutage für Geschichten geschrieben werden“, schrieb er in einer Stellungnahme, die dem Kicker vorliegt. „Ich dachte, ich like ein Foto von einem sehr guten Freund, mit dem ich zeitweise in Manchester zusammengelebt habe.“

200.000 Personen hätten das Foto mit einem Gefällt-mir-Klick versehen, „darunter Fußballer aus der ganzen Welt. Daß dann gerade wir zwei herausgepickt werden und so eine Geschichte daraus gemacht wird, ist ein bißchen schade.“

Auch zwei Düsseldorfer Fußballprofis, Kaan Ayhan und Kenan Karaman, sind wegen des Salutierens beim Spiel der Türkei gegen Albanien in die Kritik geraten. Der Sportvorstand des Vereins, Lutz Pfannenstiel, habe daraufhin „umgehend das Gespräch mit den Spielern gesucht“, heißt es in einer Stellungnahme des Vereins.

St.Pauli-Ultras fordern Rauswurf von Sahin

Beide hätten versichert, „daß es sich lediglich um eine Solidaritätsbekundung für Soldaten und ihre Angehörigen handelte, verbunden mit dem Wunsch, daß sie wieder gesund zu ihren Familien zurückkehren können“. Zudem stünden die beiden Profis „für die Werte, die unser Verein lebt“. Unterdessen hat die UEFA Ermittlungen gegen die türkischen Nationalspieler wegen des militärischen Grußes eingeleitet.

Vergangene Woche hatte bereits St-Pauli-Profi Cenk Sahin mit einem Instagram-Post für Wirbel gesorgt, in dem er den türkischen Einmarsch verteidigt hatte. „Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs und den Armeen. Unsere Gebete sind mit euch“, schrieb er.

Die Ultras des Vereins forderten daraufhin seinen Rauswurf, da er sich „pronationalistisch, regimetreu und verächtlich über das Sterben der kurdischen Bevölkerung“ geäußert habe. Der Verein distanzierte sich. Sahins Post sei „mit den Werten des Vereins nicht vereinbar“. Man werde den Fall intern aufarbeiten. Sahin, der derzeit in der Türkei Urlaub macht, hat im Interview mit dem Radiosender Radyospor seinen Post verteidigt. Es habe deswegen Probleme mit Klub und Fans gegeben. „Die wollten, daß ich das lösche – ich habe es aber nicht gemacht.“ Sobald er wieder in Deutschland sei, werde sich alles klären, gab er sich zuversichtlich. (tb)

Torjubel des deutschen Nationalspielers Ilkay Gündogan beim Spiel gegen Estland Foto: picture alliance/Federico Gambarini/dpa

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