St. Pauli-Spieler Cenk Sahin bejubelt eines seiner Tore Foto: picture alliance/xim.gs
Nach Lob für Erdogans Einmarsch in Syrien

St.-Pauli-Fans fordern Rauswurf von türkischem Spieler

HAMBURG. Fans des FC St. Pauli haben die Entlassung des türkischen Profis Cenk Sahin gefordert. Sahin, der seit dem Sommer 2016 bei dem Verein unter Vertrag steht hatte auf Instagram den Einmarsch des türkischen Militärs im Nordosten Syriens bejubelt. „Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs und den Armeen. Unsere Gebete sind mit euch“, schrieb er.

Für die Ultras des Vereins ein Entlassungsgrund. Sahin habe sich bereits in der Vergangenheit „pronationalistisch, regimetreu und verächtlich über das Sterben der kurdischen Bevölkerung“ geäußert, heißt es in einem auf einer Fanseite veröfentlichten offenen Brief. „Für uns Ultras steht deshalb fest, daß Cenk Şahin nicht mehr im Trikot des FC Sankt Pauli aufläuft“, steht dort weiter. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan führe in Syrien einen Angriffskrieg „mit dem Ziel der vertreibung der kurdischen Bevölkerung und der Auslöschung selbstverwalteter, basisdemokratischer ideen in der Region“. Wie man sich „mit diesem ekelhaften Wahnsinn solidarisieren“ könne, „ist uns schleierhaft“.

Antifaschistisches Duschgel

Am Freitag vormittag distanzierte sich der Verein auf seiner Homepage von seinem Spieler. Dessen Post sei „mit den Werten des Vereins nicht vereinbar“. Man werde die Thematik intern aufarbeiten.

Der FC St. Pauli ist für seine politisch linke Ausrichtung bekannt und hat aus seiner Sympathie für die linksradikale Szene nie ein Geheimnis gemacht. Unter anderem brachte der Verein im vergangenen Jahr ein „Duschgel mit antifaschistischer Haltung“ mit der „wilden Frische der Straße“ auf den Markt. Der Geschäftsführer des Zweitligisten, Andreas Rettig, hatte erst im Juni vorgeschlagen, Lizenzen im Propfifußball auch nach den Kriterien Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung zu vergeben. Dies zeige sich unter anderem darin, „Teilhabe am Vereinsleben für alle gesellschaftlichen Gruppen zu öffnen oder Flüchtlinge besser zu integrieren“, sagte er der taz. (tb)

St. Pauli-Spieler Cenk Sahin bejubelt eines seiner Tore Foto: picture alliance/xim.gs

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