Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth Foto: picture alliance / Sven Simon
Evangelischer Regionalbischof

Kritik aus der Kirche an politischen Äußerungen Bedford-Strohms

REGENSBURG. Für seine politischen Äußerungen hat der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm nun auch Kritik aus den eigenen Reihen erhalten. „Wir wünschen uns, daß er da zurückhaltender agiert und seine moralische Autorität nicht so vor sich herträgt, wie das mittlerweile in der Öffentlichkeit berechtigterweise kritisch wahrgenommen wird“, sagte der wegen Krankheit aus dem Amt scheidende Regionalbischof des Kirchenkreises Regensburg, Hans-Martin Weiss, der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

Bedford-Strohm solle sich mehr mit der Frage beschäftigen: „Was tue ich wann? Wann rede ich, wann schweige ich? Er weiß, daß sein Vorgehen sehr differenziert und unterschiedlich wahrgenommen wird.“

Bedford-Strohm freute sich über niedriges AfD-Ergebnis

Weiss betonte, daß die Kirche in der Flüchtlingsfrage eine Verantwortung habe. Aber: „Pfarrer, die auf der Kanzel stehen und meinen, sie könnten jedes politische Geschehen kommentieren, finde ich schwieriger als Politiker, die mal bei einem Thema ins Stottern geraten.“

Bedford-Strohm hatte sich immer wieder mit politischen Forderungen in die Flüchtlingspolitik eingeschaltet. Zuletzt mahnte er, es könne nicht sein, daß die Seenotrettungsschiffe von Organisationen wie Sea-Watch nicht in italienische Häfen einlaufen dürften. Außerdem beklagte er, daß Flüchtlingsfamilien bei ihrer Ankunft in Italien getrennt würden, „weil die italienischen Behörden etwas anderes nicht zulassen“.

Im Ausgang der bayerischen Landtagswahl vergangenen Oktober sah Bedford-Strohm ein „Zeichen gegen Hetze“. Es habe sich „nicht ausgezahlt, auf Parolen zu setzen, die Ängste eher schüren als Ängste zugunsten von Lösungen zu überwinden“, sagte er mit Blick auf das Abschneiden der AfD. Im März lobte Bedford-Strohm die neuseeländische Premierministerin, die nach dem Anschlag von Christchurch demonstrativ ein islamisches Kopftuch getragen hatte.

Lob für „Fridays for Future“

Zu den „Fridays for Future“-Demonstrationen sagte er: „Es ist für mich ein großes Hoffnungszeichen, daß, ausgehend von einer hartnäckigen Jugendlichen in Schweden, inzwischen Schülerinnen und Schüler in aller Welt auf die Straße gehen, um für wirksame Maßnahmen des Klimaschutzes zu demonstrieren.“ In dem Zusammenhang pries Bedford-Strohm auch das Klimaschutzkonzept seiner Kirche. Dieses setzt sich unter anderem zum Ziel, bis 2020 die CO2-Emissionen im Vergleich zu 2005 um 40 Prozent zu senken. (tb)

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth Foto: picture alliance / Sven Simon

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

aktuelles

All articles loaded
No more articles to load