Durs Grünbein bei der Diskussionsveranstaltung in Dresden Foto: picture alliance/dpa
Diskussion um Meinungsfreiheit

Grünbein wirft Tellkamp Islamophobie und Verschwörungsphantasien vor

HAMBURG. Der Schriftsteller Durs Grünbein hat seinem Kollegen Uwe Tellkamp Pegida-Nähe vorgeworfen. Was Tellkamp während der Diskussion mit ihm in der vergangenen Woche gesagt habe, „ist uns seit Jahren von den Teilnehmern der Pegida-Demonstrationen bekannt: Islamophobie, Furcht vor dem Anderen, Verschwörungsphantasien, diffuse Ängste“, sagte Grünbein der Zeit.

Hintergrund ist die Diskussionsveranstaltung „Streitbar!“ der beiden Schriftsteller im Kulturpalast Dresden über Meinungsfreiheit. In deren Verlauf hatte Tellkampf die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung kritisiert und eine Einschränkung der Meinungsfreiheit sowie einen Gesinnungskorridor beklagt. Der Suhrkamp-Verlag, in dem unter anderem Tellkamps Bestseller „Der Turm“ erschienen ist, distanzierte sich daraufhin von seinem Autor.

Grünbein bestritt jedoch, daß es in Deutschland Einschränkungen der Meinungsfreiheit gebe. „Wer sich in dieser Gesellschaft unfrei fühlt, wird seine Gründe dafür haben.“ Er empfinde sich nicht als unfrei. „Ich arbeite aber auch nicht an der Abschaffung der Demokratie“, betonte der Schriftsteller. Wer rassistisch und antihumanistisch argumentiere, stoße zu Recht auf Widerstand. Die „Gesinnungskritiker“ dagegen hätten schlicht Angst. „Angst vor der eigenen inneren Leere und moralischen Apathie.“

Gerechtigkeit für Sarrazin

Kritik äußerte Grünbein aber auch am Suhrkamp-Verlag. Dessen Distanzierung sei das „absolut falsche Signal“ gewesen. Mit dieser Reaktion habe der Verlag Tellkamp nur bestätigt, der beklagt hatte, man könne sich zu bestimmten Themen nicht frei äußern. „Nun steht der Verlag wie eine Gouvernante da, ein linksliberaler Spießerverein.“

Grünbein forderte zudem eine Rehabilitierung Thilo Sarrazins. Der Umgang mit dem einstigen SPD-Politiker und dessen Buch „Deutschland schafft sich ab“ sei 2010 quasi „die Ursünde“ gewesen, wenn es um die Diskussion strittiger Themen gehe. „Statt sich mit dem Buch, in dem es viel Diskriminierendes gab, auseinanderzusetzen, wurde der Autor dämonisiert. Ein langgedienter Berufspolitiker, Muster an Staatstreue und bürokratischer Pedanterie wurde über Nacht zur Persona non grata erklärt. Der Vorgang hat mich damals fassungslos gemacht. Ich wünsche mir dringend eine Rehabilitierung von Sarrazin als Menschen.“ (krk)

Durs Grünbein bei der Diskussionsveranstaltung in Dresden Foto: picture alliance/dpa

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