„Death Wish“

Ein solider Actionfilm – mehr nicht

Manche Filme gewinnen ihre Anziehungskraft durch schlechte Publicity, sie sind „Skandalfilme“. Wodurch der „Skandal“ entsteht, ist dabei immer eine Frage des jeweiligen Zeitgeschmacks. Was die Kritik an „Death Wish“, Eli Roths Remake des Charles-Bronson-Klassikers von 1974, über unsere Zeit aussagt, ist da schon beachtlich. „Verherrlichung der Selbstjustiz“, „NRA-Propaganda“ liest man da, „a sick joke“ sei der Film des notorischen Provokateurs Roth, „das habe Bruce Willis nicht verdient.“

Auch ein Blick auf die einschlägigen Seiten von „Rotten Tomatoes“ bis „Imdb“ zeichnet ein klares Bild: Die Kritiker wünschen diesem „Death Wish“ ein schnelles Ableben. Interessanterweise aber reagiert das Publikum deutlich anders. Entgegen der Bewertungen der Kritiker, welche Rotten Tomatoes auf lediglich 18 Prozen, also schlecht, bewerten, stellen 84 Prozent der bewertenden Zuschauer dem Film ein gutes Zeugnis aus. Man kann durchaus spekulieren, was an diesem Film gefallen könnte.

Immerhin erzählt es die Geschichte eines mutigen Mannes, der sich gegen Verbrechen und Gewalt gegen Unschuldige erhebt, weil der Staat sein Gewaltmonopol nicht mehr durchzusetzen weiß. Ist es nicht das, was man in diesen unsicheren Zeiten ersehnt? Oder aber, und das erscheint viel wahrscheinlicher: Wer hat nicht manchmal Lust auf einen soliden Actionfilm?

Gewalt und AC/DC

Denn das ist „Death Wish“. Bruce Willis gibt Dr. Paul Kersey, einen mustergültigen „mild-mannered“ Chirurgen und Familienvater. Wie erwartet, werden Frau und Tochter Opfer eines brutalen Einbruchs und aus Kersey wird im Kapuzenpullover und mit gestohlener Glock der „Grim Reaper“ genannte Vigilant. Bis zum Ende folgen viele Szenen des gewaltvollen Tötens. Abspann, „Back in Black“ von AC/DC. Sequel möglich.

Wer ein ausgefeiltes Drama über Pro und Contra der Selbstjustiz und die Psychologie des Vigilanten, ein neuen „Taxi Driver“, „Falling Down“ oder auch das Original, der wird enttäuscht. Bruce Willis findet, nach einiger Trauer, schnell zum Evangelium des Schießeisens und zeigt keinerlei moralische Bedenken beim Töten von Kriminellen.

Wenn es hier so etwas wie einen politischen Subtext geben soll, so ist er allenfalls plakativ: Ein Polizeibeamter (Dean Norris), dem das „System“ die Hände bindet und gar dem Gluten entsagen muß, eingeblendete Radio-Jockeys, welche die Diskussion um den „Grim Reaper“ abbilden sollen und eine wohlgeformte Blondine, die Kersey ein Schnellfeuergewehr verkauft.

Nicht anders als andere Actionfilme

Wenn das die gescholtene NRA-Propaganda sein soll, so ist sie viel zu cartoonhaft und herkömmlich, um zu wirken. Auch könnte man es als „Ansage“ bezeichnen, daß Roth die Handlung in Chicago, mit seiner besonders hohen Bandenkriminalität, ansiedelt.

Aber, und das wird sehr bald augenscheinlich, es könnte jede andere amerikanische Großstadt sein, wobei Roth sich das Verbrecherpersonal aus einem sehr diversen Cast aussucht. Zudem: Der Vorwurf der „Verherrlichung“ ist dann doch recht erheiternd. Immerhin verdienen etwa Marvel Studios mit ihren Geschichten über bedeutend heroischere Selbstjustizler ungebrochen Vermögen, und deren Gewalt ist stets „clean“ – eine Kritik wie bei „Death Wish“ wurde dort aber noch nicht laut. Neben einigen markigen Sprüchen liefert der Film auch kaum intellektuelles Rüstzeug für den entschlossenen Individualisten.

Nein, „Death Wish“ ist kein mutiges Statement. Es ist ein solider, handelsüblicher Actionfilm, mehr nicht – man kann entspannt warten, bis er auf Netflix auftaucht. Wer schlicht einen Haudegen wie Bruce Willis in einer besseren Rolle erleben will, dem sei „Death Wish“ empfohlen. Für handfeste Propaganda ist dieser Film zu zahm und letztlich nicht anders als andere Actionfilme. Und ein tiefes, psychologisches Moral-Drama endet eher selten mit „Back in Black“.

Bruce Willis in seinem neuesten Actionfilm Foto:

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