„I love Porno“ – aber bitte nur fair trade Foto: picture alliance/Photoshot
Gender-Gaga

Feministinnen verleihen Porno-Preis

BERLIN. Am kommenden Wochenende wird in Berlin der PorYes-Award verliehen – die feministische Qualitätsauszeichnung für Pornofilme. PorYes-Filme legen unter anderem ihren „Schwerpunkt auf weibliche Lust und deren Vielfalt“. Sex sei keine Naturgewalt, sondern genauso wie Geschlecht und Identität konstruiert, schreiben die Veranstalter auf ihrer Internetseite.

Los geht’s am Freitag mit einem „Freundensalon“ im Sexshop „Sexklusivitäten“. Hier wird ein „Meet and Greet“ der Pornostars in Aussicht gestellt. „Alle, die Lust auf gemeinsame Vorfreude, persönliches Kennenlernen und anregenden Austausch mit den Stars haben, sind ganz herzlich und vulvarisch willkommen.“

Doch bei der dreitägigen Veranstaltung geht es nicht nur um Lust und Sex. Um sich einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben, haben die Veranstalter auch zwei Podiumsdikussionen angesetzt. Am Sonnabend wollen sie in der Berliner Urania der Frage nachgehen: „Brauchen wir feministische Pornographie und hat sie sogar einen Bildungsauftrag?“

„Vulva University“

Im Zeitalter des Internets bezögen die meisten Porno-Konsumenten ihre Inhalte aus dem Internet. Doch hier werde vor allem ein „stark normiertes, kategorisiertes und betont leistungsorientiertes Verständnis von Lust und Liebe, das zudem kommerziellen Zwecken dient“, vermittelt, beklagen die Veranstalter. Dem wolle der „sex-positive Feminismus“ nicht nur positive und nicht diskriminierende Ansätze aufzeigen, sondern konkretes sexuelles Wissen vermitteln.

Geladen hierzu sind unter anderem die feministische Filmemacherin und Regisseurin Ula Stöckl, die Kulturwissenschaftlerin Corinna Rückert, die mit einer Arbeit über Frauenpornographie promoviert wurde, und die Amerikanerin Dorrie Lane, die unter anderem eine „Vulva University“ ins Leben gerufen hat.

Am Montag dann steht ein „Porn Talk“ auf dem Programm – und zwar in der Humboldt-Universität Berlin. Auch hier ist wieder Ula Stöckl geladen, die unter anderem gemeinsam mit der Rechtswissenschaftlerin Anja Schmidt und dem „genderqueeren Performer“ Bishop Black die Frage diskutieren soll, wie faire Pornographie aussehen soll.

„Sexuelle Mutterschaft“

Pornographie diene sowohl als „Mittel der Unterdrückung oder Behinderung nicht heteronormativer und selbstbestimmter Sexualitäten“ als auch als „Mittel der Förderung vielfältiger und selbstbestimmter Sexualitäten“. „Im Podiumsgespräch soll die Grenzlinie zwischen Mainstreampornographie und fairer/sexpositiver Pornographie insbesondere anhand der Absicherung von Konsensualität bei der Produktion von Pornographie und der Darstellung von Konsensualität in Pornographie sowie die Darstellung sexueller Vielfalt ausgelotet werden.“

Bishop Black gehört auch zu den für den diesjährigen PorYes-Award Nominierten. In der Darstellung der Nominierten heißt es über ihn: „Bishop Black bringt als provokativer Performer* und Künstler* genderqueere Darstellungen auf die Bühne und in den Film. Eine Person of Colour zu sein war ein wichtiger Antrieb, die ethische Pornbewegung mitzugestalten und Sexualität_en fluid und kreativ darzustellen.“

Ebenfalls nominiert ist María Llopis. Sie wird wie folgt vorgestellt: „Die queere Künstlerin und Aktivistin beschäftigt sich mit Pro Sex- und Transfeminismus. Intimität ist für sie schöpferische Kraft und wichtiges politisches Mittel zur Veränderung der Gesellschaft. Mit Águeda Bañón zusammen gründete sie 2002 Girlswholikeporn, um sexuelle Alternativen zu erforschen. Ihr aktueller Fokus liegt auf sexueller Mutterschaft und orgasmischem Gebären.“ (krk)

„I love Porno“ – aber bitte nur fair trade Foto: picture alliance/Photoshot

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