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Betreuungsstaat
 

Mutter Staat zeigt Krallen

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Krallen einer Katzenpfote: Gegen die Familie als Verantwortungsgemeinschaft Foto: www.pixelio.de/Erika Hartmann

Einer „Krallenpfote“ gleiche die Vorsilbe „be-“. Das Wort „betreuen“ sei ein „kräftiges Tätigkeitswort“ des Unmenschen. „Die Betreuung ist diejenige Art von Terror, für die der Jemand – der Betreute – (auch noch) Dank schuldet.“ So schrieb es Dolf Sternberger mit drastischen Worten in seinem „Wörterbuch des Unmenschen“ von 1957: „Man betreut jemanden und damit basta.“ Wer betreut, übt Macht aus. Und diese Macht kann mißbraucht werden.

Daß Deutschland auf dem Weg zum Betreuungsstaat ist, muß daher Unbehagen hervorrufen. Nach dem Willen von Mutter Staat sollen Krippen, Kindergärten und Schulen die Kinder möglichst ganztags betreuen. Schritt für Schritt übernimmt der Staat diejenigen Aufgaben, die traditionell die Familie leistete. Wohin wird das führen? Gewiß, die Großfamilie, die ihren einzelnen Mitgliedern vom Säugling bis zum Greis menschliche Bindungen und ein soziales Netz gewährleistet, ist kaum noch anzutreffen.

Gegen die Familie als Verantwortungsgemeinschaft

Doch selbst die Kleinfamilie wird heute in Frage gestellt, obwohl auch sie noch unerläßliche Grundlagen für das Zusammenleben schaffen kann. Arbeitsteilung, Bindungsfähigkeit, Verantwortung und Rücksichtnahme kann auch der kleine Familienverband sehr gut vermitteln. Statt dessen scheint jedoch der konsumfreudige und selbstbezogene Einzelgänger das erwünschte Leitbild zu sein; ein Mitläufer, der keine kritischen Fragen stellt, einfach seine Arbeit macht und letztlich austauschbar ist. Behörden erhalten sogar handfeste Anweisungen, in Veröffentlichungen „Rollenklischees“ zu vermeiden. Das richtet sich auch gegen die Rollenaufteilung in der Familie als Verantwortungsgemeinschaft.

Ab dem 1. August können Eltern 100 Euro Betreuungsgeld für unter Dreijährige erhalten. Damit soll ausgeglichen werden, daß der Staat jeden Krippenplatz mit rund 1.000 Euro subventioniert, während Familien, die diese Arbeit selbst leisten oder Großeltern und Tagesmütter einsetzen, bislang leer ausgingen. Doch die SPD-regierten Bundesländer bevorzugen die Staatsbetreuung und erschweren bewußt die Antragstellung, etwa indem es Auskünfte nur auf Nachfrage gibt.

Die Arbeitswelt ist familienfeindlich

Familienarbeit wird verstaatlicht, damit die Eltern voll in der Berufsarbeit aufgehen können. Arbeits- und Steuerbelastung sind derart gestiegen, daß ein einziges Einkommen in der Regel nicht mehr ausreicht, um eine Familie zu ernähren; es sei denn, sie schraubt ihre materiellen Ansprüche stark zurück, um mehr Familienarbeit leisten zu können. Die Arbeitswelt ist familienfeindlich. Für Mütter gibt es etwa kaum Halbtags-, sondern meist nur Teilzeitstellen, die drei Tage Vollzeit in der Woche bedeuten.

Wozu für familienfreundliche Arbeitszeiten kämpfen? Der Staat kümmert sich doch darum, daß die Kinder immer früher und immer länger in den Betreuungseinrichtungen bleiben können. Inzwischen eröffnen bereits die ersten 24-Stunden-Kindertagesstätten. Die Berliner SPD erhebt die Forderung, Kinder ab drei Jahren zwangsweise in den Kindergarten einzuweisen. Eine Kindergartenpflicht ist derzeit zwar noch grundgesetzwidrig, denn Artikel 6 gewährleistet: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“

Ein lästiges Grundrecht

Dieses lästige Grundrecht wollen die Sozialisten jedoch aushöhlen, indem sie Kindergärten für Kinder ab dem vierten Lebensjahr zu Vorschulen erklären. Dort würde dann nämlich die Schulpflicht gelten. Einzelne Eltern seien mit der Erziehung überfordert. So werden alle Eltern unter Generalverdacht gestellt, ihren Kindern zu schaden, wenn sie diese nicht dem Staat überlassen.

Berufsarbeit und Familienarbeit werden gegeneinander ausgespielt. Der Arbeitgeber fragt verständnislos: „Was, Sie wollen zu Hause bleiben, bis Ihr Kind drei Jahre alt ist?“ Und er erinnert nachdrücklich daran: „Sie haben doch einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz!“ Man halte zudem das Kind von Bildung fern. Das setzt viele Familien unter Druck. Doch die scheinbare „frühkindliche Bildung“ ist eine Mogelpackung. In Wirklichkeit gibt es zuwenig Erzieherinnen, die zudem häufig überfordert sind. Der Staat belastet diese mit Verwaltungskram, der ihnen die Zeit für ihre pädagogische Arbeit wegnimmt. Für Bindung und Bildung bleibt kein Platz, es zählt nur noch die Betreuung.

Betreute Ferien sind kontrollierte Ferien

Mit all den staatlichen Betreuungsmaßnahmen steigen aber auch die Ansprüche. Eine Initiative von Grundschuleltern fragt etwa im Hinblick auf die Sommerferien: „Haben Sie die sechs Wochen schon durchorganisiert? Wie damit umgehen, wenn beide Eltern ihren beruflichen Pflichten nachgehen müssen?“ Nun sollen alle Eltern den Bürgermeister auffordern, ein „Feriencamp“ für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren einzurichten. Das Landratsamt ist begeistert und verspricht Geld. Der Bürgermeister meint: „Die Kinder müßten auch pädagogisch betreut werden.“

Doch bedeutet die Betreuung auch in den Ferien nicht, daß diese letztlich abgeschafft werden? Kinder brauchen echte Ferien, in denen sie sich zurückziehen und auch einmal für sich sein können. Werden die Kinder daran gewöhnt, daß jemand sie ständig bespaßt, verlieren sie ihre Selbständigkeit und die Möglichkeit, aus eigenem Willen Neugier zu entwickeln. Erfindergeist ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg unseres Volkes. Dieser Geist entsteht durch Freiheit, nicht durch Vergemeinschaftung der Kindheit.

Im Grunde findet nur eine Umverteilung von Geld zu Lasten der Kinder statt. Denn die Betreuungsangebote finanzieren sich nicht aus der Luft. Sie werden auch mit jenem Steuergeld bezahlt, das die Eltern in der Zeit erwirtschaften, in der sie ihre Kinder in staatliche Obhut geben. Die Ausweitung staatlicher Kinderbetreuung führt letztlich für alle zur Verlängerung der Arbeitszeiten und zu höheren Steuern – und zu weniger Freiheit. Zieht also Mutter Staat die Krallen!

JF 32/13

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