Karl-May-Museum in Radebeul will Ausstellung sensibler gestalten Foto: picture alliance/Thomas Lehmann/ZB – Fotoreport
„Kulturelle Besitzerrechte“

Karl-May-Museum will Skalp an Indianerstamm zurückgeben

RADEBEUL. Das Karl-May-Museum in Radebeul hat beschlossen, einen Skalp an Ojibwa-Indianer in Nordamerika zurückzugeben. Das Kuratorium berate derzeit darüber, wie das Vorhaben umgesetzt werden könne, sagte ein Sprecher des Museums der JUNGEN FREIHEIT. Der Prozeß sei aufwendig.

Skalp der Ojibwa-Indianer im Karl-May-Museum in Radebeul Foto: picture alliance/dpa

Das Gremium und Museumsdirektor Robin Leipold seien sich einig, daß die Ausstellung „etwas professioneller, etwas zeitgemäßer angepasst“ werden müsse. Beispielsweise würde mit ethnographischen Sammlungen künftig sensibler umgegangen, „als das in kolonialen Zeiten der Fall war“, schilderte das Kuratoriums-Mitglied Florian Schleburg dem MDR.

Grund dafür sei die „heutige Zeit, in der man Minderheitenrechte ganz anders sieht“. Auch „kulturelle Besitzerrechte“ an Artfakten betrachte man differenzierter als dies noch vor 100 Jahren der Fall gewesen sei, merkte er an.

Deutschland gibt mumifizierte Köpfe an Neuseeland zurück

Zudem müsse „Winnetou“-Autor Karl May ein bisschen von seinem „Heldensockel“ heruntergeholt werden. Die Klischees, die über ihn in den vergangenen Jahren verbreitet worden seien, griffen zu kurz, verdeutlichte Schleburg. May sei ein Mann mit „ganz großen Schwächen“ gewesen.

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Zeremonie für die Rückführung der mumifizierten Māori-Köpfe im Ethnologischen Museum in Berlin Foto: SPK/photothek.net/Florian Gaertner

Unterdessen hat das Ethnologische Museum in Berlin zwei mumifizierte Māori-Köpfe an Neuseeland zurückgegeben. Die Rückführung sei ein „Zeichen der Versöhnung an die vom Kolonialismus betroffenen Gesellschaften“, teilte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) mit. Die Rückgabe menschlicher Überreste habe bei der „Aufarbeitung kolonialen Sammlungsguts“ oberste Priorität. (zit)

Karl-May-Museum in Radebeul will Ausstellung sensibler gestalten Foto: picture alliance/Thomas Lehmann/ZB – Fotoreport

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