Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Wissen in Flammen

Alexandria, 371 nach Christus: Das Christentum, das den Okzident in die kulturelle Umwälzung treibt, läßt es auch in der ägyptischen Metropole kräftig köcheln. Es kommt zum Bürgerkrieg, dem Alexandriens legendäre Bibliothek – Wissenszentrale des römischen Imperiums – zum Opfer fällt: ein Thema wie geschaffen für einen Monumentalfilm.

Der chilenische Regisseur Alejandro Amenábar („The Others“, „Das Meer in mir“) führt mit der 50 Millionen Euro teuren Produktion „Ágora“ einen Konkurrenten zu Hollywoods Antiken-Blockbustern „Gladiator“ und „Troja“ ins Feld. Im Zentrum der Handlung steht Hypatia, frühe Philosophin und Astronomin, deren Existenz historisch verbürgt ist. Die versucht vergeblich, den Untergang der Bibliotheksschätze zu verhindern.

Entgegen den Regeln der gängigen Hollywood-Dramaturgie verzichtet der Film auf die Einbettung historischer Ereignisse in ein Liebesmelodram. Denn laut Quellenangabe starb die historische Hypatia – obwohl inmitten einer Männerwelt tätig – als Jungfrau. Deshalb läßt Hauptdarstellerin Rachel Weisz sie sämtliche Libido in die Astronomie, in die Sternenwelt projizieren. In deren mathematischer Erfassung bündelt sie alle Willenskraft und Emotionalität – während um sie herum die alte Weltinterpretation unrestaurierbar überrannt wird.

Im Mai kam „Ágora“ in Cannes zur Uraufführungen – die Reaktion auf das dreistündige Epos fiel zwiespältig aus. Womöglich trug seine Verweigerung kommerzieller Erzählformen – keine Liebesgeschichte, vergleichsweise wenige Action-Szenen – dazu bei. Nach dem Kinostart im Spanien vor einer Woche wird der Monumentalfilm Anfang 2010 auch in Deutschland sehen sein. Im Internet verschaffen Trailer und Szenenfotos einen ersten Eindruck.

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