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Pankraz, das Wissen und der Preis des Glaubens

Aus aktuellen Gründen möchte Pankraz heute einige Gedanken über Glaube und Wissen, Unglaube und Nichtwissen vortragen. Wissen bezieht sich auf Tatbestände, respektive Sachverhalte, Glaube auf Überzeugungen. Wenn sich jemand auf den Marktplatz stellt und laut verkündet: „Ich weiß, daß Gott lebt“, so begeht er eine Begriffsverwechslung. Denn er weiß nicht, daß Gott lebt, sondern er ist „nur“ überzeugt davon. Gott ist kein Tatbestand, kein Sachverhalt. Er kann weder verifiziert noch falsifiziert, weder bewissen noch widerlegt werden.

Außer an Gott kann man an vieles glauben, muß aber dann damit rechnen, widerlegt, mit Zweifel überzogen und in wissenschaftliche Diskurse verwickelt zu werden. Zwischen Glaube und Wissen besteht ein natürliches Spannungsverhältnis, zumindest im Abendland. De omnibus dubitandum, an allem ist zu zweifeln – das ist der Kernsatz der abendländischen Geisteskultur spätestens seit der frühen Neuzeit. Wer ihn ignoriert, legt die Axt an die Wurzeln der Wissenschaft selbst.

Der wissenschaftliche Zweifel erstreckt sich sowohl auf natürliche wie auch auf historische Tatbestände. Überall wogt der Kampf zwischen Verifizierungs- und Falsifizierungsversuchen, und es ist nicht nur ein Kampf um Ja oder Nein, sondern auch um Valeurs, um Abschattungen und moralische Bewertungen, um Zahlen und Handlungsmotive. Jeder, der hier, ausgestattet mit politischer und/oder medialer Macht, Denk- und Forschungsverbote aufrichtet, Wissenschaftler zu Kriminellen erklärt und staatlich verfolgt, Forschungsergebnisse totschweigt und Themen mit strafhaltigen Tabus belegt, der ist kein Glaubensheld, sondern gehört in die Reihe brutaler und dummer Diktatoren, die nur Unheil anrichten.

Natürlich ist Wissenschaft kein keimfreies Laboratorium, das total von der sie umgebenden Gesellschaft abgeschottet ist, Soziale und politische Interessen spielen in sie hinein, Lobbyisten und Agenten, Provokateure und Scharlatane sind in ihren Instituten unterwegs, mit angeblich endgültigen und unanfechtbaren „Ergebnissen“ wird Handel und Unfug getrieben. Um so wichtiger das Urprinzip des generellen Zweifels und der jederzeit möglichen Falsifizierung. Nur mit deren Hilfe kann schwerem Mißbrauch Einhalt geboten, können die Prinzipien der „scientific community“ einigermaßen sauber gehalten werden.

Freiheit der Wissenschaft nennt man das üblicherweise, und ihr korrespondiert – gleichsam als notwendiges Korrelat – die Freiheit des Glaubens. Jeder muß seinen Glauben bekennen und erklären dürfen, nur darf er ihn nicht anderen aufzwingen. Glaubensprediger sind nur „glaubhaft“, wenn sie zu überzeugen verstehen, durch die Glut ihrer Rhetorik etwa, ihr persönliches Vorbild, die von eigener Vorteilssuche freie Reinheit ihrer Absichten. Kommen sie mit Polizei und Staatsanwalt, verdunstet sofort jedes Charisma.

Etwas anders steht es mit den Insignien des Glaubens, mit seinen Riten und Gesängen. Der Mensch ist nicht nur ein Verstandestier, fast im Gegenteil. Wohl mehr als wissenschaftlichem Diskurs und Kalkül vertraut er der Macht der Musik und dem Glanz und der Innigkeit traditionsgesättigter, Gemeinschaft stiftender Rituale und Symbole.

Pankraz hat einen russischen Freund, der erzählt folgendes: In Sowjetzeiten waren die damaligen Reste der orthodoxen Kirche durchsetzt mit Priestern, die in Wirklichkeit kommunistische Agenten waren und den Parteiauftrag hatten, das Leben der Gemeinde sowohl zu überwachen als auch zu schwächen und zu zersetzen. Aber indem sie im Gottesdienst die alten Riten und Gesänge zelebrierten (zur Tarnung wohl oder übel zelebrieren mußten), wurden sie selber „zersetzt“ und in ihrem parteiamtlichen Dogmenglauben geschwächt. Sie wurden allmählich zu wirklichen Priestern und bilden heute eine Kerntruppe der neuerblühten Kirche.

Hier wurde also die „wissenschaftliche Weltanschauung“ der Partei durch die machtvolle Symbolik des Glaubens buchstäblich überwunden. Allerdings war das nur möglich, vermutet Pankraz, weil es mit der Wissenschaftlichkeit der Parteithesen nicht weit her war. Wissenschaft und Glaube stehen, wie gesagt, in einem natürlichen Spannungsverhältnis. Hinzuzufügen wäre: Sie schließen sich nicht gegenseitig aus, sie ergänzen sich vielmehr. Sie helfen einander, ihre jeweiligen existentiellen und erkenntnishaften Grenzen zu entdecken, erziehen den jeweils anderen zu Bescheidenheit und Liberalität und leisten, jeder auf seine Art, einen notwendigen Beitrag zum würdigen Überleben und Widerstehen des einzelnen wie der Gemeinschaft.

Von schwerem Übel ist die mutwillige Vermischung beider Geistesbezirke, besonders wenn es dabei lediglich um bloßen Machtgewinn und egoistische Herrschaftssicherung geht. Sowohl Wissenschaft als auch Glaube verwandeln sich dann in häßliche Karikaturen ihrer selbst, die Wissenschaft in einen Laufstall, wo promovierte und habilitierte Mediengrößen „Forschungsergebnissen“ hinterherhecheln, die – von wissenschaftsfremden Kräften vorgegeben – längst feststehen und bei Strafe des bürgerlichen Untergangs weder angezweifelt noch im mindesten modifiziert, gar falsifiziert und geleugnet werden dürfen.

Noch schlimmer als die Wissenschaft jedoch leidet der Glaube. Glaubenssätze werden als wissenschaftliche Erkenntnisse ausgegeben, die man dennoch nicht bezweifeln darf, denen aber gerade deswegen jeglicher Glanz und jegliche versöhnende, universelle, in Gott geeinte Symbolik fehlen. Die Priester verwandeln sich in zeternde Zeloten, die Gemeinde in eine ängstliche Schafherde, die insgeheim das baldige Ende des „Gottesdienstes“ herbeisehnt.

Getröstet wird niemand, geschweige denn erlöst. Und dabei ist es doch das wahre Anliegen des Glaubens seit Anbeginn, den Menschen über die Unsicherheit und Bezweifelbarkeit seiner wissenschaftlichen Anstrengungen hinwegzutrösten und ihm das wahre Heil in Aussicht zu stellen.

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