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Mit dem Führer im Bett

Die Schrillsten, Vulgärsten und Skrupellosesten kommen am weitesten: so lautet das Dschungelgesetz des Marketings. Insofern haben der Aids-Selbsthilfe-Verein „Regenbogen“ aus Saarbrücken und die Hamburger Agentur „das comitee“ erstklassige Arbeit geleistet: Ihr Anti-Aids-Spot mit dem Slogan „AIDS ist ein Massenmörder“ war „Skandal“-Thema Nummer eins der letzten Woche.

Dabei haben die Macher schlicht auf die deppensichersten aller „attention getters“ gesetzt: Sex und „Nazis“. In diesem lupenrein pornographischen Filmchen sieht man ein heißes Paar beim Durchdeklinieren sämtlicher Stellungen, und während die lustvoll stöhnende Frau (selbstverständlich knackig, jung und gut gebaut) ausgiebig ins Bild gerückt wird, bekommt ihr Beglücker als allegorisch personifizierter HI-Virus erst am Schluß seine Großaufnahme: es ist unser altbekannter Adolf, der trotz seines schlechten Rufs in Sachen Sex offenbar doch eine wahre Bombe im Bett ist. Das Motiv kann man auch als Plakat bestellen, inklusive Varianten, in denen sich nackte Girls in den Armen von Stalin und Saddam Hussein räkeln.

Das finden nun manche ungeheuer „mutig“, andere wie die Deutsche Aids-Hilfe oder die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eher „geschmacklos“ bis „schockierend“, oder gar wie Stephan Kramer vom Zentralrat der Juden als „Beleidigung der Opfer des Nationalsozialismus“. Der Internetkanal Youtube hat das Video jedenfalls inzwischen gesperrt. Über das eigentliche Ärgernis, die beschämende Hypersexualisierung der Werbung, wird in Zeiten der geschmacklichen und sittlichen Immunschwäche natürlich kein Wort mehr verloren. Dabei haben die Macher offenbar vergessen, daß was verboten auch sexy ist, und gerade die Kombination „die Schöne und das Biest“ ist als einschlägige Phantasie geradezu ein Klassiker.

Auch was die Darstellung der Zielgruppe betrifft, waren die PR-Genies nicht allzu „mutig“: etwa drei Viertel aller Infizierten in Deutschland sind männlich, und gut zwei Drittel aller Infektionen sind auf Sex zwischen Männern zurückzuführen. Vielleicht sollte man noch eine Alternativfassung mit Ernst Röhm in der Hauptrolle anregen.

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