Die Apokalypse hat schon lange begonnen

Gabriele Kuby ist den Lesern dieser Zeitung bekannt als eine aufrechte Katholikin, die mit Klarheit und Verve gegen die feministische und moralische Verblendung unserer Tage ankämpft. Dies war nicht immer so. Die Tochter von Erich Kuby war lange Zeit fasziniert vom Feminismus und vom Gedankengut der 68er. Doch sie war zugleich religiös auf der Suche und arbeitete als Übersetzerin esoterischer Literatur. 1997 hat sie mit ihrem Übertritt zur katholischen Kirche eine radikale Wende vollzogen. Mit ihrer neugewonnenen Glaubensüberzeugung kehrt sie nun zu ihrer alten Tätigkeit als Übersetzerin zurück und möchte den Leser mitreißen, mit ihr den Pfad des christlichen Glaubens zu beschreiten. Sie hat sich entschieden für „Father Elijah“, einen Roman des kanadischen Schriftstellers Michael D. O’Brian, der schon 1996 in den USA veröffentlicht wurde und dort als meistverkaufter katholischer Roman der letzten Jahrzehnte gilt. Ihre Entscheidung begründet sie mit den Worten: „Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, daß Literatur, Film und Theater das Böse und Amoralische als das Normale darstellen, daß wir gar nicht mehr erwarten, durch einen Roman Orientierung auf das Wesentliche zu gewinnen. Doch dies gelingt Michael O’Brian mit ‘Father Elijah’ meisterhaft.“ Der Roman trägt den Untertitel „Eine Apokalypse“ und lehnt sich stark an das letzte Buch der Bibel an, die Offenbarung des Johannes. Zumindest eine Grundkenntnis dieses apokalyptischen Buches wird beim Leser vorausgesetzt. Deutliche Parallelen sind auch vorhanden zum bedeutendsten katholisch-apokalyptischen Roman der Weltliteratur „Die kurze Erzählung vom Antichrist“ von Wladimir Solowjew aus dem Jahr 1900. Weitere Zitate und Anspielungen beziehen sich auf die großen katholischen Autoren englischer Sprache, so G. K. Chesterton, C. S. Lewis und J. R. R. Tolkien. Nach christlicher Auffassung leben wir schon seit Jesus Christus in der Endzeit und alle ihre Kennzeichen sind bereits vorhanden. Doch treten sie zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich stark hervor. Wenn sie immer stärker werden, ist das Weltende nicht mehr fern. Dann wird Christus wiederkommen; zuvor aber kommt der Antichrist, der den Menschen und vor allem sich selbst an die Stelle Christi setzt. Die zentralen Figuren dieses Romans sind oftmals Konvertiten. Hauptperson ist der Jude David Schäfer, der den Holocaust überlebt hat und jetzt als katholischer Pater mit dem Namen Elijah in einem Karmeliterkloster lebt. Aus dieser Abgeschiedenheit wird er herausgerufen, weil der Papst einen Spezialauftrag für ihn hat. Er wird zum „Welt-Präsidenten“ gesandt, der danach trachtet, die allumfassende Herrschaft zu erringen und eine Welteinheitsreligion zu schaffen. Vor allem die katholische Kirche mit ihrem Wahrheitsanspruch ist ihm dabei ein Dorn im Auge. Wie sich sehr bald zeigt, sind aber einige hochrangige Mitarbeiter des Vatikan den Versprechungen des Präsidenten erlegen. Viele einfache Gläubige haben sich von seinen Predigten verführen lassen und haben Gottesglauben durch Humanismus ersetzt. O’Brian bietet eine schonungslose Analyse der Kirche unserer Zeit. Er zeigt auf, wie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil innerhalb der Kirche gefährliche Wege beschritten wurden: Eine überstrapazierte Kollegialität läßt die Autorität des Papstes schwinden, ein falsch verstandener interreligiöser Dialog läßt alle Religionen als gleichwertig scheinen, und eine kritische Bibelexegese entzieht dem christlichen Glauben sein Fundament. Die heutige Glaubenskrise wird hier sehr realistisch gezeichnet. Der Kampf zwischen Glauben und Anti-Glauben spitzt sich immer mehr zu. Während die einen auf ihre Macht und Intrigen vertrauen und dabei selbst vor Mord nicht zurückschrecken, setzen die anderen auf das Gebet und auf die Hilfe Gottes. Wo aber das Böse immer stärker wird, werden auch die Zeichen der Gegenwart Gottes immer deutlicher. Etwas surrealistischen Charakter gewinnt der Roman gegen Ende, wenn Father Elijah nach Don-Camillo-Manier Zwiesprache mit Gott hält und Engel leibhaftig in das irdische Geschehen eingreifen. Mag dies auch manchem Leser des Guten zuviel erscheinen, so wird er doch entschädigt durch tiefe Einblicke in die menschliche Seele, wie sie nur ein praktizierender Christ geben kann. Wenn die Handlung oft nur stockend vorangeht, wird das innere Suchen des Menschen nach dem rechten Weg und sein Kampf gegen die eigenen Schwächen beleuchtet. Die Lektüre dieses Romans lohnt sich daher für jeden religiös sensiblen Menschen. Michael O‘Brian: Father Elijah. Eine Apokalypse. Fe-Medienverlag, Kißlegg 2008, gebunden, 544 Seiten, 19,95 Euro

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