Bildungsrisiken

Leidtragende der Wirtschaftskrise scheinen insbesondere Menschen mit Hochschulreife zu sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erstellt hat. Ihr zufolge stieg die Zahl der Erwerbslosen mit Abitur binnen eines Jahres um nahezu 25 Prozent an. Deutlich besser kamen Menschen davon, die einen Hauptschulabschluß oder eine Mittlere Reife vorzuweisen haben. In diesen Gruppen nahm die Arbeitslosigkeit lediglich um 10,8 bzw 5,4 Prozent zu. Nahezu verschont wurden auch Personen, die über gar keinen Schulabschluß verfügen. Hier beschränkte sich der Zuwachs der Jobsuchenden auf 5,5 Prozent.

Auch das Armutsrisiko wird, so die DGB-Untersuchung, durch eine höhere schulische Qualifikation immer weniger gemindert. Die Zahl der Empfänger von Arbeitslosengeld II mit Abitur hat in den vergangenen zwölf Monaten um fast 14 Prozent zugelegt, während etwa jene der Schulabbrecher unter den Hartz-IV-Beziehern mit 1,4 Prozent kaum merklich stieg.

Hinter die Auffassung, durch bessere Bildung  eröffneten sich ohne weiteres auch bessere Chancen im Berufsleben, ist somit ein Fragezeichen zu setzen. Diese Einsicht liefert im übrigen nicht nur die Statistik, sondern auch die Alltagserfahrung. So müssen beispielsweise immer mehr Juristen und Mediziner heute Arbeitsbedingungen und Einkommen hinnehmen, die für ihre Vorgängergeneration undenkbar gewesen wären. Langzeitpraktika sind in manchen Branchen unabdingbar, um als Hochschulabgänger überhaupt einen Einstieg in den Beruf zu finden. Werdegänge ohne gravierende, kaum zu retuschierende Brüche werden immer seltener.

Das Kalkül, durch eine höhere Qualifikation mehr Einkommen zu erzielen, wird damit nicht hinfällig. Es wächst nur das Risiko, daß es nicht aufgeht. Fest steht, daß der Bedarf unserer Wirtschaft nach Spezialisten wächst. Leider kann niemand vorhersagen, was genau in Zukunft gefragt sein wird. Wer sich heute notgedrungen in seiner Ausbildung festlegt, muß daher damit rechnen, daß er auf das falsche Pferd gesetzt hat. Sichere Erwartungen dürfen hingegen jene hegen, die darauf verzichten, etwas zu lernen: Sie entsagen zwar der Hoffnung, ihren Lebensstandard nennenswert steigern zu können, dürfen aber darauf vertrauen, daß es für sie immer irgend etwas zu tun geben wird. Die pauschale Wertschätzung der Bildung ist folglich irrational. Die beste Voraussetzung für ein erfolgreiches und erfülltes Berufsleben ist immer noch ein Vermögen, das einen unabhängig vom Arbeitseinkommen macht.

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