Worte des Bewahrens

Nicht weniger als fünfzehn Bücher, darunter Romane, Kurzprosa­bände, Lyrik, Hörbücher sowie Sach- und Kinderbücher, dazu zahlreiche Erzählungen und Essays in Sammelbänden und Literaturzeitschriften, die unter anderem ins Französische, Englische, Dänische und Rumänische übersetzt wurden, stammen aus der Feder von Rolf Stolz, zu der er immer wieder auch als Kolumnist dieser Zeitung greift. Mit der phantastischen Kindheitsgeschichte „Das Haus auf der anderen Seite“, die von der in Heidelberg lebenden russischen Illustratorin Marina Volkova um sanft-unwirkliche Bilder bereichert wurde, legt der Autor nun eine Erzählung vor, deren Fantasy-Elemente ebenso irritieren wie faszinieren. Dabei evoziert Stolz eine Atmosphäre äußerster gewollter hermetischer Abgeschiedenheit von allem, was Zeitablauf signalisieren könnte. Doch konkretisiert die Intimität des provinziellen Interieurs auf nahezu hypnotisch wirksame Weise den psychischen und spirituellen Grenzbereich, in dem sich das Ganze bewegt. Wider die ablenkende Überinformation und den Verlust des Geheimnisvollen gelingen Stolz hier Bildkompositionen von oft beklemmend-mysteriöser Intimität, die schließlich in einer personalisierten Auseinandersetzung mit dem Tod gipfeln. Am Ende steht der Protest gegen das Sichabfinden mit dem Verlust geliebter Menschen, der Weigerung, zu vergessen und damit erst eigentlich zu töten. Gewidmet hat der Autor seine Erzählung dem Germanisten Claus Sommerhage, einem „halb unbekannten Bekannten“, der mit nur 52 Jahren einer schweren Krankheit erlag. Ein weiteres Mal setzt der Autor hier gegen den üblichen Bilder-, Informations- und Gefühlsverbrauch asketisch-schlichte Worte des Bewahrens. Dem großen Tabu, der letzten Instanz im Leben — dem Tod — wird seine Macht bestritten. Rolf Stolz: Das Haus auf der anderen Seite. Eine phantastische Kindheitsgeschichte. Mit einem Essay über Claus Sommerhage (1950—2003), Edition Bärenklau, Bärenklau 2008, kartoniert, 8 Euro

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