Vita des Theodor Groppe

Es war recht mutig vom Seelsorger einer Jugendstrafanstalt, die Herausgabe eines Buches über einen deutschen Soldaten zu wagen, der als einziger Offizier der Wehrmacht von Papst Pius XII. 1952 „in Anerkennung der hohen Verdienste um die Kirche und seines charaktervollen Verhaltens zur Zeit des Nationalsozialismus“ mit dem Komturkreuz des Gregoriusordens ausgezeichnet wurde. In der damaligen Zeit der Hetze gegen alle Soldaten erregte diese Ehrung großes Aufsehen in den Medien. Thomas Marin möchte in einer Zeit, da allenthalben Zivilcourage gefordert wird, die überwiegende Mehrheit sich jedoch der Political Correctness unterwirft, diesen Mann der Vergessenheit entreißen, der unbeirrt seinem Gewissen folgte. Marin macht früher erschienene Quellen, die heute nur noch schwer zu erreichen sind, einer breiteren Leserschaft zugänglich. Es sind die Erlebnisse des Generals mit Wehrmacht, Partei und Gestapo, sodann das Lebensbild, das sein Sohn Lothar 1977 in der Wiener Katholischen Akademie veröffentlichte. Deren Leiter, Professor Loidl, erklärte dazu: „In der modernen Zeit sind uns nur ganz vereinzelt Persönlichkeiten vom Rang eines Theodor Groppe begegnet, deren Leben so aus einem Guß war, die dem Kaiser gaben, was des Kaisers, und Gott, was Gottes war.“ – Wer soll denn für die Armee in einer Demokratie beispielhaft sein, wenn nicht ein Offizier, der im Krieg und Frieden hervorragende Tapferkeit und die so seltene Zivilcourage bewies? Als herausragendes Ereignis im Leben dieses „Schwarzen Generals“ ist vor allem der Schießbefehl in seinem Kommandobereich gegen die Verfolgung von Juden am 12. Dezember 1939 zu nennen (JF 39/08). Keinem Juden sollte von der Armee ein Haar gekrümmt werden. Gravierend war auch sein scharfer Protest gegen den „Befehl für die gesamte SS und Polizei“ vom 28. Oktober 1939, in dem Himmler zur Zeugung von Kindern auch außerhalb der Ehe ermutigte und damit „unsere Frauen und Töchter zum Freiwild für die SS und Polizei stempelte“. Offensichtlich handele es sich, so Groppe, um ein Flugblatt des feindlichen Nachrichtendienstes, das im Ausland den Eindruck erwecken soll, als ob „das deutsche Volk aus der Reihe der Kulturnationen ausgeschieden sei“. Dieser Protest führte zur Absetzung des Generals, zum Ausstoß aus der Wehrmacht und schließlich zur Verhaftung. Dem tollkühnen Einsatz eines Offiziers ist es zu verdanken, daß Groppe trotz zweimaliger Weisung zu seiner Liquidierung durch Kaltenbrunner und Himmler das Kriegsende überleben konnte. Er starb 1973. Thomas Marin (Hrsg.): Theodor Groppe – der „Schwarze General“. Gerhard Hess-Verlag, Bad Schussenried, broschiert, 173 Seiten, 14,80 Euro

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