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In Wartestellung für die Totalrevolution

Wehrwolf“ ist ein Begriff, der sehr verschiedene Assoziationen weckt, vom „Mannwolf“ uralter religiöser Vorstellungen bis zum „Werwolf“, dem mißglückten Versuch einer nationalsozialistischen Guerilla. Nur wenigen ist heute noch bewußt, daß das Wort in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem an einen populären Roman von Hermann Löns erinnerte, der die Selbstverteidigung von Heidebauern während des Dreißigjährigen Krieges beschrieb. Der Wehrwolf  war bei Löns ein Schutzverband, und wenn nicht jedes Schulkind, so wußten doch die Wandervögel, Jungdeutschen, Völkischen des Wilhelminismus sicher um diese Bedeutung. Das erklärt weiter, warum der Name nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und der Niederlage von 1918 für eine paramilitärische Organisation verwendet werden konnte und man sicher sein durfte, daß der Sinn des Namens verstanden würde. Der Geschichte des Wehrwolfs ist Dietrolf Berg in seiner Dissertation, die jetzt in gedruckter Fassung vorliegt, nachgegangen und hat ein umfassendes Bild des Führers Fritz Kloppe, der Gründung, Entwicklung, Krise und Auflösung gezeichnet. Seine Arbeit wird in Zukunft nicht nur  unverzichtbare Grundlage für jede Beschäftigung mit dem „Wehrwolf“ sein, sondern darüber hinaus dazu beitragen, ein umfassenderes Bild der nationalrevolutionären Kampfbünde in der Weimarer Republik zu liefern. Der Wehrwolf entstand „verspätet“, wie Berg schreibt, nämlich nicht in Fortsetzung eines Freikorps, sondern als Jugendverband des „Stahlhelm“ im Raum Halle an der Saale. Seine Größe blieb auf 60.000 Mitglieder beschränkt, was den Abstand zu anderen Organisationen wie etwa dem Jungdeutschen Orden deutlich macht, aber auch erkennen läßt, daß er nicht bedeutungslos war. Die Ursache für seine letztliche Erfolglosigkeit sieht Berg im fehlenden Charisma Kloppes, aber auch in der Rigidität der von ihm formulierten Weltanschauung des „Possedismus“ begründet. Beides trug wesentlich zu den Schwierigkeiten des Wehrwolfs bei, seinen Führungsanspruch durchzusetzen oder Allianzen mit Gruppen der revolutionären Rechten einzugehen. Eigentlich gab es nur vorübergehend gute Beziehungen zu den Nationalbolschewisten um Ernst Niekisch und der Schwarzen Front Otto Strassers. Schon aus diesem Grund war das Verhältnis zu Hitler und zur NSDAP gespannt. Zwar hatte Kloppe 1923 den Putsch befürwortet, aber danach – ähnlich wie die Führer der Freikorps Oberland und Roßbach – nicht nur die Person Hitlers, sondern auch den Legalitätskurs der Partei abgelehnt. Den Aufstieg der Partei kommentierte man trotzig und verharrte in der eigenen „militaristischen“ Haltung, die es ablehnte, die Massen zu gewinnen, aber eben auch nicht in der Lage war, jene revolutionäre Situation zu fördern, die das eigene „Jakobinertum“ zur Geltung hätte bringen können. Deshalb befand sich der Wehrwolf bei der Machtübernahme 1933 in einer prekären Lage: Gerade noch hatte man in höhnischem Ton die Anpassung der Nationalsozialisten an das verhaßte „System“ und den Kapitalismus gegeißelt, jetzt war man von den neuen Herren ganz abhängig und suchte sich als „alter Kamerad“ anzudienen. Kloppes Taktik, den Wehrwolf als eine Art selbständige Teilorganisation der SA erscheinen zu lassen, entsprach ganz dem, was auch andere Führer von Wehrverbänden oder Jugendbünden versuchten. Aber nach Ablauf der Übergangszeit 1933/34 wurde solches Bemühen durchkreuzt vom immer unbedingteren Machtwillen der Partei und ihrer Verbände. Bemerkenswerterweise resignierten Kloppe und Teile seiner Gefolgschaft nicht, sondern suchten den Zusammenhalt mit Hilfe verschiedener Tarnungen (besonders grotesk die Unterwanderung der Philatelisten zu diesem Zweck) zu erhalten, immer in der Annahme, daß, nachdem das Regime abgewirtschaftet haben würde, die eigentliche „Totalrevolution“ der „Possedisten“ kommen werde. Auch für solche Illusionen gab es Parallelen bei anderen Protagonisten der Konservativen Revolution, und ähnliches kann man sagen in bezug auf den Versuch, die Deckung der Abwehr zu nutzen, und in bezug auf die völlige Aussichtslosigkeit entsprechender Pläne. Obwohl die Gruppe Kloppes niemals unter den Verfolgungsdruck geriet, dem Niekisch und seine Widerstandsbewegung ausgesetzt waren – die Festnahme und Verurteilung einzelner „Possedisten“ während des Krieges ist im einzelnen schwer beurteilbar -, versuchte er sich und den Wehrwolf nach 1945 als Regimegegner darzustellen. Viel Erfolg hatte er damit verständlicherweise nicht. Das Buch von Berg über den „Wehrwolf“ ist hinsichtlich seiner Gründlichkeit kaum zu überbieten, das verarbeitete Material – Quellen genauso wie Fotografien -, das zu einem erheblichen Teil aus privaten Beständen kommt, beeindruckt jeden Kenner der Materie. Vor allem aber ist die wohltuende Nüchternheit der Darstellung hervorzuheben, das heute fast schon irritierende Interesse eines Historikers an der Sache selbst. Dietrolf Berg: Wehrwolf 1923-1933. Vom Wehrverband zur nationalpolitischen Bewegung. Uwe Berg Verlag, Toppenstedt 2008, gebunden, 440 Seiten, Abbildungen, 30 Euro Foto: Kyffhäuser-Treffen des Wehrwolfs am 27. und 28. April 1929: Die Anpassung der Nationalsozialisten an das verhaßte „System“ gegeißelt

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