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Glucken, auf zur Gegenwehr!

Wenn Dichtung von dicht kommt, dann muß man Ellen Kositzas Westentaschenbuch im Hardcover als solche bezeichnen. „Gender ohne Ende oder Was vom Manne übrigblieb“ ist eine brillante, kenntnisreiche Bloßstellung des 130 Jahre alten Feminismus und seiner Gegenwartssumpfblüte des Gender Mainstreaming — seit Ende der 1990er Jahre Leitprinzip internationaler und deutscher Politik mit einzigartiger gesell-schaftlicher Durchschlagskraft. In vier Kapiteln beschreibt sie die Demontage des Mannes durch den Feminismus und den Aufstieg der Frau zu selbstherrlicher Alleinherrschaft. Frau braucht Mann nicht mehr, nicht einmal mehr zum Kinderzeugen, seit Lesbenpaare Leihsperma fürs Designerbaby im Internet bestellen können, und auch nicht mehr zum Versorgen, denn das übernimmt im Zweifel Vater Staat. Die „Alten Zöpfe“ eines Wesensunterschiedes zwischen Mann und Frau, an denen Alice Schwarzer jahrzehntelang gerissen hat, werden nun unter der „Regentschaft Schwarzer/von der Leyen“ bereits im Kindergarten durch „geschlechtersensible“ Sprache und Pädagogik gekappt. „Was vom Manne übrigbleibt“, sind „Frauenversteher, Zahlväter, Familientrottel“. Überwiegend kollaborieren Männer aufgrund patriarchalen Schuldbewußtseins mit den gegenderten Dominas, und wenn sie doch verzweifelten Protest artikulieren (Arne Hoffmann, Miachil A. Xenos), bleibt er ohne Widerhall in Medien und Realität. „Es ist zum Heulen. Zum Verrücktwerden“, meint Ellen Kositza. Mit Lust an der Sprache, die trotz aller witzigen Akrobatik doch den Punkt trifft, beschreibt sie den kümmerlichen „Markt der innergeschlechtlichen Möglichkeiten“ des Mannes, der nur drei Typen zuläßt: Den „bewegten Tränenmann, auch als Softie und ‘bester Freund’ gehandelt“, darauf spezialisiert, es den Frauen „zu besorgen“, den „halbwegs entzivilisierten Gewaltmenschen (Macho, Pascha, Straßengangster)“ und das „metrosexuelle Modeäffchen, Verkörperung des androgynen Idealtyps“, der sich damit auch Magersucht und Schönheitsoperationen eingehandelt hat. Die „klassischen Patriarchen und unemanzipierten Versorger“ sind zu „Schwundformen“ geworden — mit ernsten Folgen: „emotionale Verrohung bei gleichzeitigem Memmentum, sexuelle Desorientierung und Ausartung, Bindungsunfähigkeit, Schul-, Berufs- und Eheversagen“. Das alles war nur möglich, weil die Frau dem Fanfarenruf Simone de Beau­voirs und ihrer Musterschülerin Alice Schwarzers gefolgt und der „Sklaverei der Mutterschaft“ entflohen ist. Die ungewollte Frucht befreiter Sexualität wird verhütet, notfalls getötet und, falls trotz allem ein Kind das Licht der Welt erblickt, schnellstmöglich „Wickelvätern“ oder Ersatzvater Staat überlassen. Dazu mußte die Valenz von Worten umgedreht werden: Die Mutter wurde zur „Glucke“ und die „Rabenmutter“ zum positiv besetzen Kampfbegriff gegen das „Heimchen am Herd“. Entschlossen schreitet die Autorin zur Rückdeutung: „Wir Gluckenmütter, die wir uns den vorgehaltenen Brutbatterien und Aufzuchtsvorrichtungen entziehen, sind im leidigen Hennenrennen die wahren Sieger, obwohl wir nie behaupten würden, Mutterschaft sei ein Wolkenkuckucksheim.“ Hoffnung macht die Erfahrung mit realen Glucken und ihrem Nachwuchs in der eigenen Federviehhaltung der Autorin: „Sie verhalten sich ähnlich, wie es die Mehrzahl der höheren Lebewesen tut: Allein die ersten Wochen (auf Menschenjahre umgerechnet also die Kleinkindphase) wird alles Tun und alle Sorge auf die frischgeschlüpfte Brut verwendet. Unsere selbstbewußten Glucken nehmen es im Wochenbett mit jeder Katze, selbst mit Rotmilanen auf. (…) Im Jahr darauf stehen neue Glucken neben ihren Nestern und Mutterfreuden ins Haus. Brutlust gegen Modefrust: Die Glucke, sie lebe hoch!“ Es braucht keinen Scharfsinn, um als eine Ursache der rapiden biologischen Dezimierung der Bevölkerung die Diskriminierung der Mutter zu erkennen — notwendige Folge der Diffamierung des Mannes. „Gender ohne Ende“ zeigt, daß Vernunft oder Menschenliebe oder Zukunftswillen einer Ideologie keine Grenzen setzen können. Die Politik benutzt die Mittel der Macht, um die „gebärmüde und zeugungsfaule“ androgyne Menschin zu schaffen. Dagegen das Bekenntnis zur Mutterschaft zu setzen, fällt selbst Ellen Kositza nicht ganz leicht. „Zu gebären ist eine natürliche Bestimmung der Frau. Allein diesen nicht neuen Satz zu Papier zu bringen, kostet Kraft, dutzendfache Selbsthinterfragung und ein Aufatmen über die Möglichkeit per unbestimmtem Artikel zu differenzieren: Mutterschaft ist ein Weg zur Selbstverwirklichung unter viele anderen, die oft verlockender erscheinen.“ Sie hat diesen Verlockungen widerstanden und sich entschlossen, einen Mann Vater und einen Vater Mann sein zu lassen, sechs Kinder zu bekommen, Bücher zu schreiben und sogar noch Federvieh zu halten. Wir warten auf das Buch, das dieses Kunststück beschreibt — es darf ruhig länger werden! Ellen Kositza: Gender ohne Ende oder Was vom Manne übrigblieb. Band 7 der Reihe Kaplaken, Edition Antaios, Schnellroda 2008, 72 Seiten, gebunden, 8 Euro Gustav Klimt, Die drei Lebensalter der Frau, Öl auf Leinwand 1905: Gebärmüde, zeugungsfaule, androgyne Menschin gefordert

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