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Den Osten erobern

Spanien, das lange Zeit als Musterbeispiel für den sanften Übergang von der Diktatur zur Demokratie gelten konnte und dessen ehemals so heftig verfeindete Parteien zu einem stillschweigenden Konsens gekommen schienen, die Schrecken des Bürgerkriegs ruhen zu lassen, sieht sich neuerdings mit einer Vergangenheitsbewältigung konfrontiert, die immer stärker deutschen Mustern entspricht. Dabei spielen symbolpolitische Maßnahmen eine wichtige Rolle, und die betreffen nicht nur den öffentlichen Raum – gerade entfernte man die letzten Standbilder Francos -, sondern auch den privaten. Jedenfalls wurde durch das spanische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das etwa die Kirche zwingen könnte, alle Embleme aus ihren Gebäuden zu entfernen, die in irgendeiner Weise an das frankistische Regime oder die „nationale“ Seite des Bürgerkriegs erinnern. Das betrifft vor allem das Abzeichen der alten Staatspartei, der Falange: Joch und Pfeile. Joch und Pfeile waren ursprünglich „Bilddevisen“ Isabellas von Kastilien und Ferdinands von Aragon. Sie, die „Katholischen Könige“, hatten durch Heirat ihre Länder zum spanischen Reich vereinigt und wählten das jeweilige Emblem, weil dessen Anfangsbuchstabe dem im Namen ihres Ehegatten entsprach: Isabella führte also ein Pfeilbündel, spanisch flechas (für Fernando), Ferdinand ein Joch, spanisch yugo (für Ysabella). Beide Symbole hatten eine bis in die Antike zurückreichende Geschichte: das Pfeilbündel als Sinnbild der Einigkeit, das jetzt besonders gut auf das größere Spanien bezogen werden konnte, während das Joch keineswegs auf Demut verwies, sondern gerade im Gegenteil einen imperialen Anspruch zum Ausdruck brachte. Es sollte nämlich Bezug nehmen auf die sagenhafte Geschichte von Alexander dem Großen, der einen an Joch und Deichsel durch den „Gordischen Knoten“ festgebundenen Wagen losgemacht hatte, indem er den Knoten mit dem Schwert durchschlug. Das geschah, weil ein Orakel dem, der den Knoten lösen könnte, verhieß, er werde den Osten erobern. Ferdinands Ehrgeiz ging nach der Vertreibung der Mauren aus Granada und dem Auftrag an Columbus, einen Seeweg nach Indien zu finden, darauf aus, ein neuer Alexander zu werden und den Orient zum Ruhm Spaniens und der christlichen Religion zu unterwerfen. Ferdinand und Isabella ließen Joch und Pfeile neben den „Johannisadler“ setzen – einen schwarzen Adler mit Nimbus, das biblische Symbol des Evangelisten -, der auf seiner Brust das Staatswappen trug. Aber nach ihrem Tod kamen die Embleme rasch außer Gebrauch und wurden erst durch den modernen spanischen Nationalismus wiederentdeckt, der an eine große Vergangenheit anknüpfen und das mit den fast vergessenen Symbolen zum Ausdruck bringen wollte. Zuerst sollen zwei Journalisten, Rafael Sanchez Masas und Gimenez Caballero, die Wiedereinführung propagiert haben, und 1931 ließ der Nationalsyndikalist Ramiro Lesdesma Ramos Joch und Pfeile in den Kopf seiner Wochenzeitung La Conquista del Estado setzen. Im selben Jahr gründete er die Juntas de Ofensiva Nacional Syndicalista (JONS), die „Nationalsyndikalistischen Angriffsgruppen“, die die rot-schwarzen Farben der Anarchosyndikalisten verwendeten, sie aber mit Joch und Pfeilen (rot auf einem rot-schwarz-rot gestreiften Tuch) ergänzten, um sich von der Symbolik der Linken deutlich abzusetzen. Die JONS wurden 1934 mit der von José Antonio de Primera gegründeten Falange vereinigt, und auch die neue Organisa­tion führte Joch und Pfeile. Die Gruppierung hatte einen deutlich faschistischen Charakter und übte erhebliche Anziehungskraft auf die junge Generation Spaniens aus. Allerdings wurde José Antonio schon im März 1936 verhaftet, dann zu Beginn des Bürgerkriegs in einem Schauprozeß zum Tode verurteilt und schließlich im November erschossen, so daß die Falange ohne Führer war und von Franco mit den Monarchisten zur Falange Española Tradicionalista y de las JONS, der Monopolpartei des frankistischen Spanien, vereinigt werden konnte. Die Embleme Joch und Pfeile behielt er allerdings bei, wie er auch sonst gern symbolisch an die glorreiche Zeit des spanischen Imperiums anknüpfte. Mit Wirkung vom 20. August 1936 wurden sie in das Staatswappen aufgenommen und wie zu Zeiten der Katholischen Könige an die Seiten des Johannisadlers gestellt. Dieser optischen Unterordnung entsprach in gewisser Weise die faktische Einflußlosigkeit des authentischen Falangismus im Franco-Regime. Die JF-Serie „Politische Zeichenlehre“ des Historikers Karlheinz Weißmann wird in zwei Wochen fortgesetzt. Foto: Propagandazeichnung mit Joch und Pfeilen

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