Frau von heute …

Daß Zeitreisen nie ohne allerhand Komplikationen abgehen, weiß jeder regelmäßige Kinogänger. Man denke nur an den Ärger, den sich Michael J. Fox als Marty McFly in Steven Spielbergs „Zurück in die Zukunft“-Filmen aufhalst, als sich seine eigene Mutter in ihn verliebt. Oder an den New Yorker Polizisten, der in Gregory Hoblits Thriller „Frequency“ (2000) entdeckt, daß er über CB-Funk mit seinem verstorbenen Vater kommunizieren kann – auch hier zeitigen Bemühungen, die Vergangenheit zu verändern, schwerwiegende Konsequenzen für die Gegenwart. Wer solcher Gehirnakrobatik wenig abgewinnen kann, wird erleichtert zur Kenntnis nehmen, daß derlei „Schmetterlingseffekte“ in Alejandro Agrestis schmalziger Liebesgeschichte „Das Haus am See“ kein Thema sind. Noch ist hochentwickelte Zeitmaschinentechnologie vonnöten, sondern ein einfacher Briefkasten im ländlichen Illinois dient als Portal zwischen zwei Welten, durch das Alex Wyler (Keanu Reeves) und Kate Forster (Sandra Bullock) miteinander kommunizieren können, obwohl sie ihm zwei Jahre voraus ist. Eine wehmütige Kate zieht am Anfang des Films aus dem Stahl-und-Glas-Kasten aus, der auf Stelzen in den Michigan-See ragt. Bevor sie nach Chicago aufbricht, um eine neue Stelle anzutreten, hinterläßt sie dem neuen Bewohner dieses eigenwilligen Bauwerks einen Zettel im Briefkasten – sehr zur Verwirrung des so talentierten wie launischen Architekten Alex, der glaubt, sie müsse sich in der Adresse geirrt haben, da sein neues Zuhause jahrelang leergestanden habe. Den Brief, in dem er den Irrtum aufzuklären versucht, beantwortet sie postwendend, und alsbald drängt sich die offensichtliche Erklärung auf: Kate lebt im Jahr 2006, Alex im Jahr 2004. Keiner von beiden läßt sich von diesem supernatürlichen Detail im geringsten beirren – schließlich haben Reeves und Bullock in den „Speed“-Filmen schon viel haarsträubendere Abenteuer miteinander erlebt! Auch ihr jeweiliges Umfeld nimmt die Nachricht gelassen zur Kenntnis, und sogar die traditionell an amerikanischen Briefkästen angebrachte rote Fahne spielt fröhlich mit, indem sie sich ganz von alleine nach oben reckt, sobald Post aus der Zukunft oder Vergangenheit eingetroffen ist. So entspinnt sich mit Hilfe von Split-Screen-Technik eine innige Brieffreundschaft. Dummerweise hat der Film außer seiner durchaus reizvollen Prämisse rein gar nichts zu bieten. Diese aber artet schnell in ein völliges Wirrwarr aus, je eifriger das Paar sich bemüht, die Physik zu überlisten und ein Rendezvous in Echtzeit zu arrangieren. Daß zwischen den beiden Hauptdarstellern keinerlei Funken fliegen, macht ihre triviale Liebesgeschichte nicht sehenswerter. Lee Hyeon-Seungs Film „Il Mare“ (2000), der hier als Vorlage diente, ist im wesentlichen ein Zweipersonenstück. Der Argentinier Agresti und sein preisgekrönter Drehbuchautor David Auburn („Der Beweis“) waren schlecht beraten, es mit weiteren Figuren und Nebenschauplätzen zu befrachten. Als einziger Lichtblick in dem unausgegorenen Skript, das Alex einen Rivalen um Kates Zuneigung sowie eine stürmische Beziehung zu seinem Vater (gespielt von einem komatösen Christopher Plummer) anhängt, fällt eine Nebenrolle für Shoree Aghdashloo („Haus aus Sand und Nebel“) als Kates Kollegin ab. Foto: Kate Forster (Sandra Bullock)

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