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Die triste Zeit zwischen Halloween und Fasching

Kein "Merry Christmas", sondern prosaische "Season’s greetings" hat der britische Premier Tony Blair unter seine diesjährigen Weihnachtskarten gesetzt. Den Adressaten einen christlichen Hintergrund zu unterstellen, wäre politisch inkorrekt und womöglich geeignet, religiöse Identitäten zu beleidigen.

Wer im Internet der Nachricht auf den Grund gehen will, wonach außerdem zwei Drittel aller Arbeitgeber in Großbritannien mit Rücksicht auf Andersgläubige betriebliche Weihnachtsfeiern sowie das Anbringen von Adventsschmuck untersagt, stößt vor allem auf diverse Listen mit Verhaltensregeln für Angestellte bei ebensolchen Feiern: Wie schaut’s aus mit dem Duzen, wie mit dem Knutschen unter Kollegen, wieviel Alkohol darf sein und was, wenn der Weg zum Büroschreibtisch diesmal aus dem Bett des Chefs heraus unternommen wird? Soviel zunächst zum Stellenwert gängiger Adventsfeiern außerhalb kirchlicher Institutionen.

Noch etwas derber – sprich: alkoholgesättigter und zotiger – pflegen sich die Briten auf den Höhe- beziehungsweise Tiefpunkt ihrer ganzjährigen Schlechtwetterphase einzustimmen. Daß dieser trotz weihnachtlicher Dekoration überaus säkulare Usus möglicherweise die religiösen Gefühle frommer Mitarbeiter verletzt, stand nie zur Diskussion. Während Chinesen dieses Jahr erneut eine Rekordsumme für weihnachtliches Beiwerk ausgeben – das Fest, wenigstens dessen glitzernde Außenhaut ist seit einigen Jahren schwer angesagt in den Metropolen des Reichs der Mitte -, erfährt in der westlichen Welt die Debatte um das Beleidigungspotential christlicher Bräuche Hochkonjunktur.

Niemand hat etwas gegen "Jahresabschlußfeiern"

Vor den Debatten jedoch stehen entsprechende Reglementierungen im Namen einer rücksichtsvollen, gleichberechtigenden Weltoffenheit: Im britischen Fernsehen wird die traditionelle Weihnachtsansprache der Queen durch die Rede einer verschleierten Muslima ergänzt, in Wiener Kindergärten hat man – angeblich wegen dessen unzeitgemäß autoritärer Anmutung – dem Nikolaus abgesagt und veranstaltet statt dessen ein Verkleidungsfest mit Geschenken. In Chicago, dessen Christkindlmarkt zwischen Wolkenkratzern alljährlich von einer Million Gästen besucht wird, wurde Werbung für den Kinofilm "Es begab sich aber zu der Zeit …" aus Gründen religiöser Rücksichtnahme verboten. Der Präsident des Schweizer Dachverbands der Lehrer, Beat Zemp, soll ebenfalls ein Verbot schulischer Weihnachtsfeiern ausgesprochen haben. Nachdem das Boulevardblatt Blick tagelang zu diesem Thema schlagzeilte, ruderte Zemp nun zurück. Mit beachtlicher Wortwahl: Es habe doch niemand etwas gegen "Jahresabschlußfeiern"…

Hierzulande verläuft der entsprechende Streit parallel zu dem um jene Formel Kardinal Meisners, wonach multireligiöse Feiern wider den katholischen Glauben seien. Dabei hat sich ein "interreligiöses" Praktizieren christlicher Feste in großstädtischen Tageseinrichtungen mit hohem Ausländeranteil längst unter der Hand etabliert; auch dort, wo man unter christlicher Trägerschaft arbeitet. Bereits vor acht Jahren strichen evangelische Tagesstätten im hessischen Offenbach bewußt die Martinsgeschichte aus ihren herbstlichen Laternenumzügen, andernorts stehen Zucker- und Laubhüttenfest gleichberechtigt neben christlichem Brauchtum im Jahreskreis.

Nebenbei: Es sind nicht allein die multiethnischen Ballungszentren, in denen christliche Bräuche gefährdet sind. Weder Andersgläubige noch Amtsmenschen mit vorauseilendem Gehorsam gegenüber religiösen Empfindlichkeiten braucht es im autochthon bevölkerten Mitteldeutschland, um St. Nikolaus und Christkind als eher uncoole Fantasy-Gestalten aussehen zu lassen, wo doch das rot-weiße Zipfelmützenbrimborium nur schwer unterscheidbar ist von den Umtrieben um Halloween und Fasching. Sachsen-Anhalt: Kurzkontrolle (Ankreuztest!) im winzigen Religionskurs, der aus vier Grundschulklassen zusammengewürfelt ist. Wo Jesus geboren wurde? Sieben machten ihr Kreuz an der falschen Stelle.

Ob Weihnachtsengel oder Jahresendzeitfigur, ob Christ- oder Tannenbaum: Konsum braucht keine religiöse Begründung, und sein X-mas-Shopping jedenfalls läßt sich das nominell christliche Abendland nicht nehmen.

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