Außer Schäden nichts gewesen

Die vierteljährlich im 121. Jahrgang erscheinenden und von der Deutschen Burschenschaft (DB) herausgegeben Burschenschaftlichen Blätter beschäftigen sich in ihrer aktuellen Ausgabe schwerpunktmäßig mit der sich 1967/68 an den Universitäten formierenden kulturrevolutionären Bewegung. Diese trat an, wie Schriftleiter Herwig Nachtmann schreibt, „Politik und Gesellschaft, die sie als kleinbürgerlich geprägt empfand, grundlegend zu verändern“. Dabei wurden – taktisch geschickt – verschiedene Strategien angewandt, um den Staat und die bürgerliche Gesellschaft umzugestalten. Ein Teil der Bewegung begann den sogenannten „bewaffneten Kampf“, der schließlich im offenen Terror der Roten Armee-Fraktion (RAF) mündete, oft mit finanzieller Unterstützung östlicher Geheimdienste und arabischer Guerilla-Organisationen, während ein anderer Teil die erfolgreichere Variante des „langen Marsches durch die Institutionen“ wählte. In seinem Beitrag „Das geschönte Bild der 68er – Mythos und Wirklichkeit der studentischen Revolution“ beschreibt der ehemalige Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Georg Turner, anschaulich die damalige Situation an den Hochschulen. Eindeutig kriminelle Aktionen wie Besetzungen von Hörsälen, Verwüstung von Bibliotheken, Meinungsterror zur Behinderung wissenschaftlicher Freiheit bis hin zu Bombenanschlägen auf politisch mißliebige Professoren gehörten zu den schlimmeren Erscheinungsformen, während ein fälschlicherweise als „Vorlesungsstreik“ bezeichneter Vorlesungsboykott vergleichsweise noch die harmlosere Variante der studentischen „Rebellion“ war. Keineswegs, resümiert der Autor, hätten die Exzesse und dauerhaften Beschädigungen durch die 68er-Bewegung „eine positiv zu bewertende Reform an den Universitäten in Gang gesetzt“. Da kann man nur zustimmen. „Achtundsechzig verweht“ nennt Rolf Stolz seinen „Rückblick auf eine gewesene Bewegung“. Diese habe sich „gleichzeitig bedient aus dem Fundus des amerikanischen Ostküstenliberalismus wie auch aus der Rhetorik, der Symbolik und den Denkmustern sowohl der faschistischen Aufmarschorganisation wie auch der stalinistischen Kaderarbeit“. Indes sei die „große Idee einer Erneuerung des Bildungswesens in den Betonburgen riesiger Gesamtschulen zu einer elite- und bildungsfeindlichen Anbiederungs- und Kuschelpädagogik und Leistungsverhinderung verkommen“, während „die antiautoritäre Pädagogik endgültig im Chaos des verbrecherischen Menschenexperiments namens ‚multikulturelle Gesellschaft‘ scheiterte, angesichts einer Welle dumpfer Rückständigkeit, pseudoreligiösem Fanatismus und importiertem Minderheitenchauvinismus“. Bernd Rabehl ruft noch einmal den „Nationalrevolutionär“ Rudi Dutschke in Erinnerung, der nach seiner Genesung daran interessiert war, „eine radikaldemokratische und zugleich nationalbetonte, grüne Partei zu gründen“. Nach seinem frühen Tod schufen die Nachfolger um Joseph Fischer „eine Kollaborationspartei, die Anteil hatte an der Zerstörung der deutschen Kultur und Selbstbehauptung“. Anschrift: Claus Burghardt. Unter den Linden 7, 36214 Nentershausen. Einzelheft 6,65 Euro. Jahresabo 21 Euro. Internet: www.burschenschaftliche-blaetter.de

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