Mit Respekt, Taktgefühl und Konsequenz

Inmitten der geladenen Gästeschar in der Botschaft vom Heiligen Stuhl in Rom trifft man immer wieder auf Kardinal Bernard Law. Jovial lächelnd und parlierend sieht man diesen hohen vatikanischen Würdenträger auf zahlreichen Veranstaltungen. Niemand würde jetzt den engen Bogen schlagen zwischen dem amerikanischen Kardinal Law und der neuen Instruktion des Vatikans, die eine scharfe Ablehnung bzw. totale Suspendierung von homosexuellen Priestern beinhaltet und erheblichen Wirbel ausgelöst hat. Doch letztendlich waren es Vorgänge in den USA, insbesondere in der Diözese Boston, die den Vatikan nicht nur alarmierten, sondern zum konsequenten Handeln anregten. Denn die Verwundungen von Boston, die noch immer anhaltenden Prozesse wegen des sexuellen Mißbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Priester haben die katholische Kirche in Amerika in eine der tiefsten Krisen seit Jahrzehnten gestoßen. Nicht nur die moralische Integrität der Kirche wurde schwer erschüttert, sondern auch ein finanzieller Ruin ging damit Hand in Hand, verlangen doch die damals zahlreichen jungen Opfer heute Schadensersatzzahlungen in Millionenhöhe. Zu spät hatte die Diözese Boston unter Kardinal Law reagiert. Er trat zurück und wurde noch unter Papst Johannes Paul II. 2002 nach Rom abberufen, wo er heute als Erzpriester in der Basilika Santa Maria Maggiore amtiert. Folgerichtige Reaktion auf die Pädophilie-Skandale In folgerichtiger Reaktion auf die Pädophilie-Skandale in den USA veröffentlicht die vatikanische Kongregation für katholische Erziehung jetzt eine „Instruktion über Kriterien zur Unterscheidung der Berufung (zum Priestertum) bei Personen mit homosexuellen Neigungen in bezug auf ihre Zulassung zum Seminar und zu den heiligen Weihen“. Diese hatte Papst Benedikt XVI. bereits Ende August angeordnet. In dem Dokument wird die Anweisung den zuständigen Bischöfen und Verantwortlichen für die Priesterausbildung verbindlich mitgeteilt. Die Instruktion legt fest, daß Personen, die ihre Homosexualität leben, tief verwurzelte homosexuelle Neigungen aufweisen oder die Gay-Kultur unterstützen, nicht zur Ausbildung in Priesterseminaren und zur Priesterweihe zugelassen werden dürfen. Nach dem Text können Männer zwar auch dann zur Priesterweihe zugelassen werden, wenn ihre homosexuellen Tendenzen bloß vorübergehender Natur waren, wie zum Beispiel bei einer noch nicht abgeschlossenen Adoleszenz. Diese Tendenzen müßten aber spätestens drei Jahre vor der Weihe zum Diakon klar überwunden sein, so die Instruktion. Ferner heißt es darin, daß der Katechismus klar zwischen den in jedem Fall verwerflichen homosexuellen Handlungen und homosexuellen Neigungen unterscheide. Auch bekräftigt diese neue Anweisung, daß Homosexuelle nicht diskriminiert werden dürften, sondern ihnen vielmehr mit Respekt und Taktgefühl zu begegnen sei. Im übrigen wird geltend gemacht, daß das neue Dokument bloß eine Bekräftigung der bisherigen Doktrin sei. Trotzdem folgte der Aufschrei der Homosexuellen-Lobby prompt. Sie warf dem Vatikan vor, der Diskriminierung von Schwulen Vorschub zu leisten. Demgegenüber unterstützt vor allem die katholische Elternschaft in Italien diese neue Instruktion. Denn noch immer findet dort die schulische Erziehung vor allem durch kirchliche Institutionen statt. Ob nun Fausto Bertinotti, der kommunistische Parteichef, oder Piero Fassino, Parteiführer der Linken, und Ministerpräsident Silvio Berlusconi – sie alle besuchten Klosterschulen.

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