Patriotismus der Zukunft

„Was Deutschland jetzt braucht“ lautet das Schwerpunktthema der im 59. Jahrgang monatlich erscheinenden Zeitschrift Universitas – Orientierung in der Wissenswelt. In seinem Einführungstext „Das dressierte Subjekt“ zieht Reinhard K. Sprenger den anthropologischen Schluß, daß die Deutschen zunehmend als Wesen zu definieren seien, die, „solange es irgendwie geht, dem Erwachsenwerden ausweichen“. Dieser mentale Zustand werde „von oben“ nach Kräften gefördert. Im Gegensatz zu den USA, wo die Bürger dem Staat weitgehend mißtrauen, werde man hier seit Jahrzehnten von Administrationen regiert, die den Bürgern nicht viel zutrauen und deshalb auch nichts zumuten. Vom Arbeitsmarkt über das Bildungswesen bis zur Steuerpolitik sei alles „Zielgebiet staatlicher Intervention“ und „dirigistischer Exzesse.“ Paul Nolte versucht eine Neudefinition des Begriffs „Patriotismus“, den er mit „Selbstachtung und Selbstverbesserung als Nation“ beschreibt. Dazu müsse eine „immer noch wachsende und immer noch vernachlässigte Migrationsbevölkerung“ integriert und für ein gemeinsames „Projekt Deutschland“ gewonnen werden. Mit „deutscher Abstammung, deutschem Blut“ habe ein solcher „Patriotismus der Zukunft“ nichts zu tun, er binde sich vielmehr an „bestimmte politische Grundüberzeugungen“. Wie diese aussehen, bleibt allerdings recht vage, wenn der Autor in diesem Zusammenhang dann nur „Republik“ und „Demokratie“ als Konstanten erwähnt. Damit ist er wieder in der Nähe des vor etlichen Jahren propagierten Konzepts eines „Verfassungspatriotismus“, dem er selbst attestierte, dieser habe sich „als zu eng erwiesen“. Währendessen ist Heide Simonis, die SPD-Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, immer noch auf der langwierigen Suche nach der „sozialen Gerechtigkeit“, blickt dabei in die Ideengeschichte und findet, daß dieses Thema „die Menschen schon seit Jahrtausenden beschäftigt“. Daß sozialdemokratische Erkenntnisbemühungen zuweilen in regelrechte Aha-Erlebnisse ausarten, beweist jedoch ihr Vorschlag, soziale Gerechtigkeit einfach „neu zu interpretieren, damit sie der veränderten Wirklichkeit auch zukünftig gerecht wird.“ Wer hätte das gedacht? Immerhin ist dem Leser nach der Lektüre ihres Beitrags klar, was Deutschland nicht braucht: politische Repräsentanten, deren Wortgeklingel und Schaumschlägerei nur noch von ihrer Ignoranz übertroffen wird. Was wirklich getan werden muß, läßt dagegen Joachim Starbatty durchblicken. Neben einer Neugestaltung des gesamten Arbeits- und Sozialrechts, der Entflechtung der Arbeitsmärkte und einer Haushaltsreform müßten die Bürger überzeugt werden, daß Opfer unabdingbar seien. Da die EU durch die sogenannte Osterweiterung vor gewaltigen Herausforderungen steht, aber die Fehlentscheidungen der rot-grünen Regierung mit ihrem Aktionismus, der ihre Konzeptionslosigkeit verdeckt, noch zunehmen, sieht er jedoch große Probleme auf uns zukommen. Anschrift: S. Hirzel Verlag. Birkenwaldstr. 44, 70191 Stuttgart. Einzelheft 9 Euro, Jahresabo 93,60 Euro. Internet: www.hirzel.de/universitas

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