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Kassandra der Bildungspolitik

Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift ist das offizielle Organ des 1969 als organisierter akademischer Widerstand gegen die 68er-Revolte gegründeten Bundes Freiheit der Wissenschaft (BFW). Inzwischen ist all das eingetreten, wovor der BFW damals warnte: Massenuniversitäten, eine Bildungspolitik, die diesen Namen nicht verdient und besser als „Bildungsnotstand“ zu bezeichnen ist, ein Abitur, das in den meisten Bundesländern die allgemeine Studierfähigkeit nicht mehr gewährleistet, die Gängelung und Politisierung der Wissenschaft durch eine ständig zunehmende Bürokratisierung. Zwar sind die vulgär-marxistischen Primitiv-Parolen weitgehend aus dem universitären Alltag verschwunden, doch hat man es heute mit nicht minder gefährlichen Entwicklungen zu tun. Durch das Einsickern der linksradikalen Alt-Revolutionäre in die obersten Chargen der Gesellschaft und des Staates hat sich ein verlogener Gründungsmythos entwickelt, der den eigenen gewaltsamen Kampf gegen die Demokratie nun völlig schamlos als „Freiheitsbewegung“ und „Demokratiestreben“ ausgibt. Exemplarisch dafür steht Bundesaußenminister Joseph Fischer, dessen Geschichtsklitterungen in bezug auf seine eigene Vergangenheit und die seiner Genossen nur als – gelinde formuliert – äußerst gewagt gelten können. Gewiß hat der BFW die Systemveränderung nicht aufhalten können, aber es spricht für ihn, daß seine pessimistischen Prognosen sich später bewahrheitet haben. Auf jeden Fall unterstützenswert ist auch sein heutiger Kampf für sozialverträgliche Studiengebühren. Immerhin hatte bereits Karl Marx bemängelt, daß die höheren Stände sich ihre Ausbildung aus dem Steuersäckel bezahlen lassen. Nach Joachim Starbatty werden desinteressierte Studenten durch Studiengebühren zu „aktiven Kunden“ und bekommen ein Interesse an guter Lehre. Natürlich tritt man auch dafür ein, daß die Universitäten das Recht haben, ihre Studenten selbst auszuwählen – und umgekehrt die Studenten ihre Hochschule. Der Bewegungsspielraum sei hier noch viel zu eng. Tatsächlich gibt es in Deutschland – wie ein Teilnehmer eines Symposiums der Hanns-Martin-Schleyer- Stiftung ausführte – nur zwei Institutionen, die per Zuweisung alle aufnehmen müssen: Gefängnisse und Universitäten. Die Abschaffung der planwirtschaftlichen Vergabe von Studienplätzen durch die ZVS und die Rehabilitierung der „Niveaupflege“ als qualitatives Kriterium eines wettbewerblichen Hochschulsystems stehen daher auf der Tagesordnung. So hat sich herausgestellt, daß die Zahl der Studienabbrecher auf null geht, wenn sich die Hochschulen ihre Studenten selbst aussuchen können. In den Niederlanden hat man ein System eingeführt, nach dem die Studenten im ersten Jahr eine bestimmte Anzahl von Prüfungen bestehen müssen. Wenn sie durchfallen, ist es ihnen nicht gestattet, sich nochmals an der Hochschule einzuschreiben. Unseren Bildungspolitikern fällt jedoch außer dem Herumfuchteln mit der Nebelkerze „Eliteuniversität“ nichts ein. Ein Armutszeugnis! Anschrift: Charlottenstr. 65, 10117 Berlin. Internet: www.bund-freiheit-wissenschaft.de

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