Amerika, du hast es schlechter

Michael Moore scheint unverwüstlich. Noch immer belegt der Lieblingsamerikaner der Deutschen mit seinen Polemiken „Volle Deckung, Mr. Bush“ und „Stupid White Men“ die vorderen Plätze der Bestsellerlisten. Der anhaltende Erfolg hat mittlerweile in vielen Verlagen Begehrlichkeiten geweckt. Und so ist es kein Wunder, daß auch für den diesjährigen Bücherfrühling zahlreiche Titel angekündigt sind, die nur ein Feindbild kennen: das Amerika des George „Dabbelju“ Bush. Kiepenheuer & Witsch kündigt mit einer Startauflage von 50.000 Exemplaren den Titel „Bush-Feuer. Die Gier der Superreichen – Amerika unter George W. Bush“ an. Im Heyne-Verlag läßt sich ein Autor über „Die Lügen des George W. Bush“ aus. Bei Bertelsmann erscheint „Die Saudi-Connection. Wie Amerika seine Seele verkaufte“. Autor Robert Baer, ein ehemaliger CIA-Agent, hat dafür sogar „unter arabische Teppiche“ geblickt. Was er da wohl gefunden haben mag? Rowohlt geht mit Hans Leyendecker ins Rennen um die Gunst des Lesepublikums. Der bisher nicht sonderlich durch seine außenpolitische Kompetenz ausgewiesene Journalist der Süddeutschen Zeitung verbreitet sich über „Die Lügen des Weißen Hauses. Wie die Regierung Bush die Welt täuscht“. Der Riemann-Verlag bewirbt eine – Achtung: Satire! – „faire und ausgewogene“ Betrachtung der Bush-Regierung und ihrer „publizistischen Wasserträger“, wobei bereits der Titel die Richtung weist: „Kapitale Lügner“. Und der Schweizer Pendo-Verlag annonciert das Buch „Zensor USA. Wie die amerikanische Presse zum Schweigen gebracht wird“. Journalisten von CBS, CNN und Newsweek – man ahnt es – „enthüllen, wie es hinter den Kulissen der Macht aussieht“. Allen Verlagen sei der kommerzielle Erfolg herzlich gegönnt; zumal auch in dieser Zeitung amerikakritische Bücher zumeist wohlwollende Aufnahme finden. Dennoch wird man sich an der Einfallslosigkeit der Programmverantwortlichen stoßen dürfen. Die Verlagspolitik vermag zwar nicht wirklich zu überraschen – bekanntlich scheißt der Teufel immer auf den größten Haufen -, trotzdem nervt die Gleichförmigkeit. Bereits im letzten Herbst erschienen eine Reihe von Büchern (C. Johnson, P. Bender, M. Mann, H.-J. Heinrichs), aus denen man jene Botschaft herauslesen konnte, die in diesem Jahr der US-Präsidentschaftswahlen offenbar noch einmal mit Inbrunst verkündet werden soll: Bush muß weg! So weit, so gut. Was aber bringt es dem (deutschen) Leser, zum x-ten Male das Immergleiche vorgesetzt zu bekommen?

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