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Schlag nach bei Wimbauer

In seinem Zweiten Pariser Tagebuch hielt Ernst Jünger unter dem 13. Mai 1943 die Begegnung mit einem anderen Wehrmachtsoffizier im Hotel Raphael fest. „Sodann der Oberst Ravenstein, eine der hohen Erscheinungen der kriegerischen Welt. Ich zog ihn, weil ich ihn zur kleinen Ritterschaft des Ersten Weltkrieges zähle, in ein Gespräch über die Mordhöhlen, die Tippelskirch bereiste, und fragte ihn, wie damit denn das Führen von Waffen und hohen Orden zu vereinbaren wäre. Er gab mir, fast ohne darauf einzugehen, eine Antwort, die mir unerwartet kam. ‚Das trägt vielleicht einmal meine jüngste Tochter in einem Negerbordell ab.‘ So gibt es wohl noch eine zweite Art, das Niedere zu übersehen, die mit der des Bürgers nichts gemeinsam hat.“ Wer dieser Oberst Ravenstein war, blieb bislang ein Rätsel. Erst jetzt ist es dem Autor und Jünger-Forscher Tobias Wimbauer gelungen, das Geheimnis zu lüften. In seinem soeben in der Edition Antaios vorgelegten „Personenregister der Tagebücher Ernst Jüngers“ wird „Ravenstein“ als Deckname für den Oberst im Generalstab und späteren Bundesminister Hermann-Eberhard Wildermuth (1890-1952) entschlüsselt. Für die überarbeitete und erweiterte Neuausgabe des erstmals im Herbst 1999 erschienenen Personenregisters (JF 48/99) hat Wimbauer nach aufwendigen Recherchen über tausend biographische Angaben ergänzt. Das inzwischen als Standardwerk geltende Register ist gültig für sämtliche Bearbeitungen, Fassungen und Ausgaben der Tagebücher Jüngers von „Garten und Straßen“ bis zu „Siebzig verweht V“ sowie den Reisetagebüchern. Ebenfalls berücksichtigt sind die erst in diesem Frühjahr in der Jünger-Gesamtausgabe veröffentlichten Tagebücher aus dem Nachlaß des 1998 verstorbenen Schriftstellers. Das Verdienst dieser philologischen Fleißarbeit kann gar nicht hoch genug veranschlagt werden. Wer immer künftig Zugriff auf das umfangreiche Tagebuchwerk Jüngers sucht, wird mit Recht die Empfehlung zu hören bekommen: „Schlag nach bei Wimbauer“. Tobias Wimbauer: Personenregister der Tagebücher Ernst Jüngers. Überarbeitete, ergänzte und erweiterte Neuausgabe. Edition Antaios, Schnellroda 2003, 323 Seiten, Broschur: 30 Euro, Leinen: 45 Euro

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