RAF- Erholungsheim

Dieses Buch war längst überfällig. Nicht nur, weil es eine wahre Geschichte erzählt, jene Horst Bubecks, der seit 1964 in Stammheim als Vollzugsbeamter tätig war, sondern weil es den bislang wertvollsten Beitrag zur Entmythologisierung der Rote-Armee-Fraktion- und Stammheim-Legende leistet. Zwar glaubt heute kaum noch jemand an das von der Sympathisantenszene präsentierte Märchen vom „staatlichen Mord“ an Baader, Meinhof, Ensslin und Raspe. Die Propaganda von „Isolationsfolter“ und „Zwangsernährung“ spukt dagegen immer noch in manch verwirrtem Kopf herum. Bubecks erste Begegnung als Vollzugsdienstleiter mit Ulrike Meinhof endete mit einem Tritt in seinen Unterleib. Den Haß und die Gewalttätigkeit der RAF-Häftlinge bekamen auch die anderen Beamten zu spüren, Folgen für die Gefangenen hatten diese Übergriffe nicht. Statt dessen wurden ihre Privilegien immer mehr ausgeweitet. Das strengste Tabu im Gefängniswesen – die Trennung zwischen Männern und Frauen – wurde außer Kraft gesetzt, was zu der gegenwärtig vielbeachteten Frage führt, ob Baader in der Haft Nachkommen gezeugt haben könnte. Jeder durfte nach seiner Wahl vier Zeitungen beziehen, dazu kamen Hunderte Bücher und für jeden Gefangenen ein eigener Fernsehapparat nebst Radiogerät und Plattenspieler. Baader genoß schließlich das muntere Leben in seiner Zweiraum-Zelle in Stammheim so sehr, daß er sichtlich erregt reagierte, als ihm eröffnet wurde, nach dem Prozeß in ein anderes Gefängnis umziehen zu müssen. Aufschlußreich ist auch, was Bubeck dem Autor über die Wochen der Hauptverhandlung berichtet. Der Zynismus der RAF-Anwälte Otto Schily, Rupert von Plottnitz und Hans-Christian Ströbele kam ihm schlimmer vor „als alles, was er mit den Gefangenen erlebt hatte. Alle diese Anwälte waren kein Teil der Rechtspflege, sondern Saboteure, die das Gericht in den Dreck ziehen wollten. Sie alle tragen Mitschuld am Ausgang der Geschichte. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, diese Herren werden später Minister, Parlamentarier oder Staatssekretäre sein, dann hätte ich gesagt, aber nur in einem Staat, in dem Baader Bundeskanzler ist!“

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