Joachim Kuhs

 

Islamischer Vormarsch

Der Symbolwert, den die Einweihung einer Großen Moschee in Granada für den Islam weltweit hat, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Arabische Staatschefs, Botschafter moslemischer Länder und allerlei Scheichs wohnten im Juli dem Ereignis bei. Und der Fernsehsender Al Djazeera sendete die Bilder per Satellit an alle Gläubigen des Erdballs. Allah sei Dank: Ein halbes Jahrtausend nach der historischen Niederlage, als der letzte maurische König schmachvoll abziehen mußte, erstarkt der Islam in Westeuropa nun wieder. Für den Moscheebau wurden zwei Jahrzehnte lang Spenden gesammelt. Gelder aus Libyen ermöglichten den Erwerb des Grundstücks, zuletzt gab ein Scheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten noch zwei Millionen Euro, um das symbolträchtige Projekt zu verwirklichen. Nicht nur in Granada kann die moslemische Gemeinde wieder Fuß fassen, ganz Spanien erlebt eine stürmische Einwanderung, die mancherorts Ausmaße einer islamischen Invasion annimmt. Rund eine halbe Million Moslems aus dem Maghreb und Nordafrika drängten – legal oder illegal – in den letzten zehn Jahren auf die iberische Halbinsel, so daß bereits von einer Reconquista, diesmal unter maurischen Vorzeichen, gesprochen wird. Der Halbmond wächst. In politisch korrekten Sonntagsansprachen zum Verhältnis von Christentum und Islam fehlt niemals die Mahnung, die Religionen müßten in einen Dialog eintreten. Ein solcher wäre zu begrüßen, wenn er nicht blauäugig und naiv geführt würde, sondern auch unangenehme Wahrheiten anspräche. Doch meist ist es anders. In Granada etwa beim Festakt zur Einweihung der neuen Moschee wurde die angebliche Toleranz der islamischen Herrschaft beschworen und der Grausamkeit und Unduldsamkeit der Spanier nach der Reconquista, der Zurückeroberung des Landes nach über siebenhundert Jahren, gegenübergestellt. Die Mauren, so will uns die oft gehörte multikulturelle Einlullungspropaganda weismachen, hätten nach 711 zwar die politische Macht an sich gerissen, doch die Kultur der Besiegten mit Respekt behandelt. Ein friedliches und fruchtbares Miteinander zwischen Moslems, Christen und Juden habe es damals gegeben. Allerdings verschweigt diese Mär, welcher Benachteiligung und systematischen Diskriminierung die verbliebenen westgotischen Christen ausgesetzt waren. Nach nur einem halben Jahrhundert war ihre Sprache und Schrift praktisch ausgetilgt; wer nicht konvertieren wollte, mußte abgesondert in Ghettos leben und konfiskatorische Steuern entrichten. So sah das multikulturelle Miteinander nach Art der Kalifen von Cordoba aus. Ganz Europa steht nun vor einer erneuten islamischen Herausforderung. Kann es einen toleranten Islam geben, der die rechtsstaatliche Verfassung westlicher Prägung akzeptiert und Andersgläubige nicht bloß den sogenannten Dhimmi-Status, d.h. den Sonderstatus von Schutzbefohlenen zumißt? Während viele Alteuropäer sich gegenüber den christlich-abendländischen Wurzeln ihres Kontinents zunehmend indifferent verhalten (man denke an die Ablehnung eines Gottesbezugs in dem Entwurf der Präambel des Europäischen Verfassungsvertrags), steigt die Zahl und das Selbstbewußtsein der Moslems rapide. In Frankreich und England gibt es jeweils etwa fünf Millionen, in Deutschland ist die Marke von drei Millionen längst überschritten. Wie Pilze schießen Moscheen aus dem Boden, fast dreitausend hierzulande, davon 150 mit Gebetsturm. Die schlanken, spitzen Minarette, in manchen Orten gar den Kirchturm überragend, sind weithin sichtbare Zeichen des Vormarschs des Islams. Von Recep Erdogan, dem türkischen Ministerpräsident, ist der denkenswerte Ausspruch bekannt: „Die Minarette sind unsere Bajonette“, ein Zitat aus einem Gedicht. Erdogan spricht heute nicht mehr so, schließlich möchte er den Gegnern eines EU-Beitritts seines Landes mit heute rund 68 Millionen Türken nicht in die Hände spielen. Der bekannte Islamforscher Bassam Tibi stellte jüngst fest: „Der Djihad der Muslime für eine Islamisierung erfolgt in unserer Zeit friedlich durch Migration. Heute leben allein in Westeuropa 17 Millionen Muslime. Werden sie Europäer durch eine Europäisierung des Islams, oder werden sie bei zunehmender Migration (Hidjra) eine Vorhut zur Islamisierung Europas werden?“ Die Antwort steht in den Sternen. Aus der bewegten Geschichte Spaniens läßt sich jedoch manche Lektion lernen. Foto: Albaichin Moschee in Granada: Hunderte Muslime aus aller Welt nahmen am 10. Juli am ersten Gebet in der neu gebauten Moschee teil

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